HIER GILT'S DER KUNST!
Der Kunstreport von ars mundi

Inhalt:
Gemalter Frühling
Modern Style, Secession, Art Nouveau und Jugendstil
Neujahrstage der Kunst
Malerei und Bildhauerei
Ikonen der Kunstwelt
Von der Vergänglichkeit der Farben
190 bunte Blumen
Zwei Revoluzzer
Die vier Jahreszeiten
Schmierereien mit Geschrei und Gelächter...
Bilder einer Einstellung
Kunst als Auftrag
Andy Warhol - “Thirty are better than one”
Kunst in Ost und West
Mit Farben die Seelen in Schwingungen bringen
Auf ins Grüne! Über Landschaftsmalerei
Krisenfest - die griechische Bildhauerei
Die Farben des Sommers
Vorbild und Abbild in der Gartenkunst



Artenreichtum. Kunstgeschichte als Zoologie
Natur und Kunst - Kunst und Natur
Das Alte, das Neue und die Kunst des Zitats
Freude am Schenken
Ein Stück Schmuckgeschichte
Trends
Von Umbrüchen und Traditionen
Ein Zitat von Karl Valentin
Was Kunst kann
Lebendige Vergangenheit. Die Kunst des Mittelalters
Erdenschwer und federleicht. Skulpturen
Kunst und Sonne: Skulpturenparks
Mehr wert als Geld: Das Glück des Gelingens
Vorsicht beim Frühjahrsputz
2012. Ein Jahr im Zeichen Gustav Klimts
Van Goghs Ohr: Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte
Am Schwierigsten: das Einfache
Bild und Buch
Schon wieder Goethe? Ja, immer wieder einmal...


GEMALTER FRÜHLING
 
Der Dichter hat es einfacher: Ihm reichen für die Beschreibung des Frühlingsein paar Chiffren und Metaphern (Blaues Band, Harfenton...) und vielleicht der Hinweis, dass angesichts der ausschlagenden Bäume nur der Ignorant mit Sorgen zu Hause bleibt. Und das kann er auch tun, während er in seiner Klause sitzt.

Für den Maler ist es komplizierter. Will er den Frühling “beschreiben“, ohne sich auf kunsthistorisch vertraute mythologische Konzepte (die blütenverteilende Flora, der linde Zephyr) zu beschränken, muss er tatsächlich hinaus in die Welt. Das Sujet ist in der Moderne eines der Freilichtmalerei (“pleinair“), keines des Ateliers. Der Maler begibt sich auf eine Reise in den Frühling, indem er die Staffel auf den Rücken schnallt und ins Freie tritt. Das gilt besonders für die Impressionisten. Monet, Manet und Renoir nahmen den Frühling mit allen Sinnen wahr, während sie ihn auf die Leinwand brachten. Sie malen also ein konkretes Erlebnis, das der Betrachter noch heute mit eigenen Sinnen nachvollziehen, ja nacherleben kann.
 
Claude Monet: 'Bäume am Ufer, Frühling in Giverny''
Claude Monet: "Bäume am Ufer, Frühling in Giverny"
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MODERN STYLE, SECESSION, ART NOUVEAU
UND JUGENDSTIL
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert veränderte eine neue Denkweise die Kunst in vielen Ländern Europas - in England unter dem Namen "Modern Style", in Frankreich unter "Art Nouveau", in Österreich unter "Secession" und in Deutschland unter "Jugendstil" bekannt. Alle Bewegungen einte die Kritik am geschichtsverhafteten Kunstverständnis des Historismus. Statt auf ältere Stile zurückzugreifen, solle   Mit der ideologischen Wende verband sich zudem der Anspruch, die Trennung zwischen den sogenannten hohen Künsten wie Bildhauerei, Architektur und Malerei und der Gebrauchskunst von Möbeln, Geschirr, Schmuck oder Mode aufzuheben. Die Kunst sollte den gesamten Alltag durchdringen und dabei für jedermann erschwinglich sein. In der künstlerischen Gestaltung dominierten florale Ornamente und

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die Kunst den Zeitgeist widerspiegeln. "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit" war beispielsweise das Motto der Wiener Secession, der Schriftsteller Hermann Bahr formulierte es mit den Worten: "Wir sind keine Barock-Menschen und wir leben nicht in der Renaissance. Warum sollten wir so tun, als ob es so wäre?"
 
geschwungene Linien als Ausdruck einer großen Naturverbundenheit. So schrieb der "Art Nouveau"-Künstler Hector Guimard: "Es ist die Natur, die man stets um Rat fragen muss."

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NEUJAHRSTAGE DER KUNST
Auguste Rodin: Skulptur 'Pierre de Wissant'
Der Neujahrstag ist so etwas wie der Symboltag der Kunst, lebt doch gerade die Kunst von den Anfängen. Große Künstler sind die, die neue Wege zu begehen versuchen. Und so gibt es immer wieder so etwas wie die Neujahrstage der Kunst, an denen sie eine noch völlig offene Richtung einschlägt und womöglich auch eine neue “Zeitrechnung“ einführt. Das lässt sich zwar in den seltensten Fällen kalendarisch genau bestimmen, wird aber in all jenen -ismen ablesbar, von denen die Kunstgeschichte so gerne spricht.

Die wirklich großen Künstler lassen sich in solchen kunsthistorischen Grobmustern kaum fassen. Rodin nahmen schon die Zeitgenossen deutlich als zukunftsweisenden, neue Perspektiven öffnenden Künstler wahr. Bei Wilhelm Lehmbruck ist es ähnlich. Er war in großer Bewunderung Rodins ebenfalls ein Neuerer, aber wenn in der Kunsthistorie dann von “expressionistischer Bildhauerei“ zu lesen ist, ist all dies eine Kategorisierung im Nachhinein. Lehmbruck war in erster Linie ein Bildhauer, der in seiner Zeit den Mut aufbrachte, abzuweichen, Neues zu tun.
Auguste Rodin: Skulptur "Pierre de Wissant"

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MALEREI UND BILDHAUEREI
'Werke von Auguste Renoir'
Auguste Renoir:
Bild "Die großen Boulevards" und Skulptur "Mutter und Kind"
  Für Michelangelo war es noch selbstverständlich, Maler und Bildhauer zugleich zu sein, er gilt bis heute in beiden Kunstformen als eines der größten Genies. Für die Künstler späterer Zeiten sollte sich das ändern. Sie waren das eine oder das andere, und die Kunsthochschulen und Akademien hielten in ihren Klassen die Disziplinen streng getrennt. Erst im zwanzigsten Jahrhundert wurde es wieder selbstverständlich, sowohl auf Leinwand und Papier als auch in der dritten Dimension zu arbeiten. Es ist geradezu eines der Kennzeichen der Moderne, dass sich Maler wie Picasso, Beckmann, Immendorff, Lüpertz und Chagall mit Begeisterung auf das Experiment mit Ton, Holz und Metall einließen und damit auch der Bildhauerei neue Impulse verliehen.

Renoirs “Mutter mit Kind“ aus dem Jahr 1916 ist ein frühes Beispiel für diesen Aufbruch. Es orientiert sich noch stark an der Arbeit Renoirs als Maler und Zeichner; das Motiv entstammt einem alten Skizzenblock. Und doch ist das Werk, bereits von der akademischen Bildhauerei seiner Zeit abgerückt. Es zeigt den Beginn einer Suche nach neuen Ausdrucksformen, die die nächstfolgende Künstlergeneration zu gänzlich neuen Perspektiven führen sollte - und es ist ein sehr persönliches Objekt, zeigt es doch seine im Jahr zuvor verstorbene Frau Aline mit seinem erstgeborenem Sohn Pierre.

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IKONEN DER KUNSTWELT
 
Skulptur 'Nike von Samothrake'
Skulptur "Nike von Samothrake"
  Es gibt Kunstwerke, die zu Ikonen geworden sind: Die Mona Lisa gehört dazu, die Sonnenblumen van Goghs, Munchs Schrei oder die Nike von Samothrake. Und gerade weil sie Ikonen sind, sind sie auch geliebte Gegenstände künstlerischer Auseinandersetzung. Die Bandbreite ist dabei groß. Sie geht von der dezenten Anspielung bis hin zur offenen Parodie.

Die Bearbeitung einer solchen Ikone kann darauf vertrauen, dass der Betrachter die Vorlage genau kennt und daher die gewollte künstlerische Abweichung von ihr unmittelbar versteht.
Sie kann dabei selbst wiederum zur Ikone werden, wie es bei Andy Warhols seriellen Lithografien der Mona Lisa der Fall ist. Vor allem aber stellt eine solche Bearbeitung das Original mit aller Kraft in die Gegenwart - in Warhols Fall in die moderne Zeit der industriell geprägten Massenkultur. Ähnlich ist es bei der Bearbeitung der Nike, bei der sie ganz im Geiste der Pop-Art mit einem knallbunten Überzug aus Autolack in neuem Gewand erscheint. Der neue Blick auf das ikonische Original, den eine solche Arbeit ermöglicht, ist natürlich zugleich eine tiefe Verbeugung vor dem künstlerischen Original. Womit wir am Ende dazu kommen, was denn eigentlich ein Kunstwerk zur Ikone macht. Denn es ist nicht allein die Meisterschaft seiner Ausführung oder der Grad der Bekanntheit, die es erreicht hat. Es ist auch die Unverwüstlichkeit, mit der es Zeiten und Kunstepochen übersteht.

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VON DER VERGÄNGLICHKEIT DER FARBEN
 
Auch an dieser Stelle haben wir schon von der Schönheit der Farben gesprochen. Sprechen wir hier jetzt von ihrer Vergänglichkeit. Denn je nachdem, welchen Umweltbedingungen ein Kunstwerk ausgesetzt ist und welche Pigmente Grundlage seiner Farben sind, kann es sich sehr verändern. Das vielleicht berühmteste Beispiel ist Rembrandts sogenannte "Nachtwache“, die eine Nachtwache nie war und nie sein sollte. Der eigentliche Titel lautet "Die Kompagnie des Frans Banning Cocq". Als "Nachtwache" wurde es erst zweieinhalb Jahrhunderte nach seiner Entstehung bezeichnet - zu einem Zeitpunkt, als das Bild bereits so sehr nachgedunkelt war, dass man in einigen Bildbereichen nur noch Schemen erkennen konnte. Erst seit 1975, nach der letzten großen Restaurierung, hat es annähernd wieder das ursprüngliche farbliche Erscheinungsbild. Aber Farben dunkeln nicht nur nach, sie verändern sich auch. Ein berühmtes Beispiel dafür erregte vor
einiger Zeit die Kunstwelt und brachte es als Nachricht bis auf die ersten Seiten der großen Zeitungen: Van Goghs "Schlafzimmer in Arles". Das Bild zeigt den Raum mit blauen Wänden, und das, obwohl der Künstler in seinen Briefen immer wieder von seinen lila Wänden sprach. Hier war es nicht der Staub der Jahrhunderte, sondern die Wirkung des UV-Lichts, die aus der Ursprungsfarbe ein blasses Blau machte - und überdies das berühmte Gelb van Goghs allmählich ins Grünliche verschiebt. Es zeichnen sich also große Aufgaben für die Restauratoren ab, und auch die Beleuchtung in Museen wird zum noch dringenderen Thema werden. Für hochwertige ars mundi Reproduktionen stellt sich das Problem glücklicher Weise nicht. Hier kommen moderne Farben zum Einsatz, die auch über lange Zeiträume farbstabil bleiben.

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190 BUNTE BLUMEN
 
'Der Frühling' von Sandro Botticelli

Es gibt unzählige Darstellungen des Frühlings in der Kunstgeschichte.
Eine der berühmtesten, wenn nicht die berühmteste überhaupt, stammt von Sandro Botticelli und entstand zwischen 1477 und 1482. Das heute in den Uffizien zu bewundernde Werk "Der Frühling" ist wahrlich erstaunlich. Und das nicht nur aufgrund der genialen Malkunst, die Botticelli
  aufbietet, um renaissancetypisch gleich eine ganze Reihe von Figuren der griechischen Mythologie auf die Leinwand zu bringen: Man sieht die drei Grazien im Frühlingsreigen, Amor und Venus, die blumenstreuende Flora und Zephyr, der den jahreszeitlich typischen Westwind bläst.
Die Ausdeutung dieses Meisterwerkes hat zahlreiche Interpreten beschäftigt, die zu ganz unterschiedlichen, bisweilen einander widersprechenden Ergebnissen kamen. Eine andere Blickrichtung ist aber nicht weniger interessant. Folgt man der Forschungsliteratur, so finden sich auf Botticellis großformatigem Frühlingsbild etwa 190 verschiedene Blumenarten, von denen 130 eindeutig identifiziert werden können. Die Erzählung des Bildes mag mythologisch sein, die Szene hingegen ist von großer Naturnähe und botanischer Genauigkeit, auch wenn nicht alle diese Blumen tatsächlich Frühlingsblumen sind. Hier mag die künstlerische Freiheit greifen - auf jeden Fall erfreut Botticelli mit einer üppigen, detailliert dargestellten Blütenpracht, die der Betrachter womöglich zum Teil in seinem eigenen Garten wiederfindet. Und so kann man Botticellis "Frühling“ auch als Frühlingsgruß verstehen, der über mehr als ein halbes Jahrtausend reicht.

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Zwei Revoluzzer
Ein Jahrgang, zwei Weltkünstler - ja mehr noch, die beiden wurden im Abstand von nur zwei Tagen im November 1840 in Paris geboren. Monet und Rodin hätten also gemeinsam die Schulbank drücken können, um sich dort zu verabreden: Wir machen es so - Du revolutionierst dereinst die Bildhauerei, ich die Malerei. So war es natürlich nicht. Aber immerhin, es verband sie eine enge Freundschaft. Wann sie genau begann, wissen wir nicht (sicherlich weit vor 1889, als ihr Werk in einer   gemeinsamen Ausstellung präsentiert wurde), sie dauerte aber nachweislich bis zum Tod Rodins im Jahre 1917 an und war geprägt von größter gegenseitiger Wertschätzung. Monet bezeichnete Rodin als “den Großen unter den Großen”, während Rodin Monet seinerseits seine andauernde Bewunderung versicherte, sei er doch der Künstler, der ihm das Licht, die Wolken, die See und die Kathedralen zu verstehen geholfen habe. 2015 feierte die Kunstwelt den 175. Geburtstag der beiden.

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DIE VIER JAHRESZEITEN
 
Glaubt man Vincent van Gogh, ist der Sommer für einen Maler die schwierigste, herausforderndste Jahreszeit. Jedenfalls berichtet er an seinen Bruder Theodor (im dritten Band seiner “Sämtliche Briefe”, Seite 182-183): “Aber ich meine, es ist nicht leicht, eine Sommer-Sonnenstimmung zu finden, die ebenso reich und einfach und ebenso schön anzusehen ist, wie die charakteristischen Stimmungen der anderen Jahreszeiten. Der Frühling ist zartes, grünes Korn und rosa Apfelblüten. Der Herbst ist der Kontrast des gelben Laubes gegen violette Töne. Der Winter ist der Schnee mit den schwarzen Silhouetten.“
Vincent van Gogh
Der undatierte Brief stammt aus der Zeit zwischen Dezember 1883 und November 1885. Später hat sich van Gogh unter der sengenden Sonne mit Vorliebe dem flirrenden Sommerlicht Südfrankreichs gewidmet - und nicht zuletzt diese Bilder sind es,
  die seinen Ruhm begründeten. Interessant ist nun, dass sich seine “Lösung“ bereits im zitierten Brief findet, ja er darin eine ganze Farbtheorie der Jahreszeiten präsentiert: “Wenn nun der Sommer der Gegensatz von blauen Tönen gegen ein Element von Orange im Goldbronzeton des Korns ist, könnte man so in jedem der Kontraste der Komplementärfarben (Rot und Grün, Blau und Orange, Gelb und Violett, Weiß und Schwarz) ein Bild malen, das die Stimmung der Jahreszeiten gut ausdrücken würde.“ - man hat unmittelbar etliche Bilder aus seinem berühmten Spätwerk vor Augen, die wogenden gelborangen Getreidefelder unter tiefblauem Himmel.

Blau und Orange also waren für Vincent van Gogh die Farben des Sommers. Welche auch immer die Ihren sind (indem sie etwa als blühende Pflanzenpracht Ihren sommerlichen Garten dominieren) - genießen Sie die Jahreszeiten und genießen Sie die Kunst von ars mundi.
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SCHMIEREREIEN
MIT GESCHREI UND GELÄCHTER...
  Edvard Munch: 'Der Schrei'
Edvard Munch: "Der Schrei"

In der Kunst aber erweist sich der Anfang als besonders schwierig, vor allem dann, wenn die Künstler auf der Suche nach einer neuen Bildsprache sind.

Zwei Beispiele: Die erste Ausstellung der nachmaligen “Impressionisten“ im Paris des Jahres 1874, an der unter anderem Monet, Renoir, Cézanne und Degas teilnahmen, erwies sich als großer Misserfolg. Die dort ausgestellten Werke (auch das der Kunstrichtung den Namen gebende “Impression, Sonnenaufgang“ von Claude Monet) galten als “unfertige Schmierereien“, die so mancher Kritiker am liebsten von den Wänden gerissen hätte. Edvard Munch ging es bei seiner ersten Ausstellung in Oslo nicht anders: “Pubertät“ und “Das kranke Kind“ wurden in einem Sonderraum präsentiert, aus dem, wie Munch berichtet, ständig Geschrei und Gelächter drang.

Es sollte bekanntlich nicht so bleiben. Die “Schmierereien“ der Impressionisten gelten längst als unerschwingliche Marksteine der künstlerischen Moderne. Auch Munchs überragende Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts ist längst anerkannt. Eins seiner Werke führte eine Zeitlang die Liste der teuersten Gemälde an: Sein berühmter “Schrei“ erzielte einen Auktionspreis von nahezu 120 Millionen Dollar!

 
Was übrigens nicht bedeutet, dass die genannten Meisterwerke nicht dennoch von den Wänden gerissen werden: Monets “Impression“ wurde 1985 aus dem Musée Marmottan gestohlen, die Osloer Version des “Schreis“ 2004 aus dem Munch Museum Oslo. Beide kehrten glücklicherweise nach einigen Jahren an ihren angestammten Museumsplatz zurück.
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BILDER EINER AUSSTELLUNG
 

Bilder einer Einstellung

Wer sich nachgemachte Klassiker
ins Wohnzimmer hängt, hat keinen Stil?
Diese Meinung gehört ins Museum.
Ein Lob der Kopie.

VON WOLF SCHNEIDER
 
Riskieren Sie es mal, bei einem Abendessen mit Menschen in Grünwald oder Hamburg-Blankenese zu erzählen, Sie hätten sich eine Reproduktion von van Goghs Roten Weinbergen bei Arles über den Schreibtisch gehängt: Sie liebten das Bild, und der Weg nach Moskau ins Puschkin-Museum sei doch ein bisschen weit.

Was werden Sie erleben? Einige in der Runde werden verstohlen lachen - andere Sie belehren: Reproduktionen, die seien was für Leute, die sich eine Reise nach Moskau nicht leisten könnten, Studenten zum Beispiel, für Arme also und Banausen. Der wahre Kunstfreund halte sich ans Original, ans Echte eben, seine Aura, die Begegnung mit dem Pinselstrich.

Sie kennen das alles aus gehobenen Feuilletons, sagen Sie, und Museumsdirektoren müssten ja so reden, aber fällt denn keinem auf, dass die heftigsten Prediger der Einzigartigkeit jene Kunsthändler und Auktionshäuser sind, die mit Originalen Millionen verdienen? Immerhin, da stutzen einige. Und Sie drohen einfach an, beim nächsten gemeinsamen Abendessen würden Sie "das Original als solches" vollständig zersäbeln.

Sie informieren sich also und könnten beispielsweise so beginnen: Ich habe zwei Ohrfeigen mitgebracht. Die erste: In der bildenden Kunst kann der Experte die nahezu perfekten Reproduktionen von heute erst aus der Nähe, der Laie meist überhaupt nicht vom Original unterscheiden - und wenn, beeindruckt ihn das nicht. Stört es denn die Hunderttausende, die in Florenz auf der Piazza della Signoria den David bewundern, dass sie mit einer Kopie vorliebnehmen müssen? Sie ist 1910 entstanden, um das Monumentalwerk des Michelangelo vor weiterer Verschmutzung zu schützen (es steht im Museum) - und zwar dadurch, dass ein Bildhauer einen Gipsabdruck vom Original mit einem Punktiergerät abtastete und es zentimetergenau in Marmor nachformte. Auf der Piazzale Michelangelo steht sogar ein dritter David, in Bronze!
 
Ausstellung 'Originalidentisch' im Kunsthistorischen Museum Wien
Ausstellung "Originalidentisch" im Kunsthistorischen Museum Wien      

Und damit bin ich bei der zweiten Ohrfeige: Was ist denn das überhaupt, ein "Original"? Findet der Bronzeguss nämlich im Auftrag des Künstlers statt, so haben auch mehrere Exemplare "den Rang des Originals", sagt der Brockhaus. Die sogenannten Originalgrafiken werden sogar im Dutzend gehandelt - und falls sie vom Künstler signiert sind, bekommen wir es flugs mit zwanzig oder dreißig "Originalen" zu tun. Hat Andy Warhol mit seinen Siebdrucken, von Konservendosen bis zur Mona Lisa, nicht aus der Serienproduktion ein in der Branche akzeptiertes Geschäftsmodell gemacht?
 
Und könnt ihr mir mal erklären, was in der Musik das Original sein soll: die Partitur - oder die hundert Arten, wie die Orchester sie zum Klingen bringen? In den anderen Künsten wird um das Original nicht so viel Gewese gemacht. In der Literatur wollen wir doch gar nicht erst mit ihm behelligt werden: Wer liest schon tausend Seiten Handschrift von Thomas Mann?

Aber nun der Hammer: Das Original kann uns geradezu erschrecken! So geschehen 1988. Da war das Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle, Michelangelos Erschaffung Adams, acht Jahre lang mit höchster Akribie restauriert worden - und die Farben traten mit einer Frische, ja mit einer Bilderbuch-Buntheit hervor, die viele Kunstfreunde verstörte; die Patina hatten sie als echter empfunden. Die "Aura" war futsch!

Müssen wir ihr nachtrauern, wenn sie uns neuerdings ausdrücklich vorenthalten wird? Seit 1879 in der Höhle von Altamira an der Nordküste Spaniens die fantastischen Deckenmalereien aus der Steinzeit entdeckt worden sind, haben die Ausdünstungen der allzu vielen Besucher die Gemälde schon so beschädigt, dass die Höhle 1979 für alle Neugierigen gesperrt worden ist. In dem nahen Städtchen Santillana del Mar können wir die exakten Nachbildungen bewundern - nicht mit krummem Rücken und in ungleich besserem Licht. "Die Frage 'Kopie oder Original' ist im Zweifelsfall dem Publikum egal", resümierte der Kunstkritiker Reinhard J. Brembeck 2007 in der Süddeutschen Zeitung.
 
Ausstellung 'Originalidentisch' im Kunsthistorischen Museum Wien
Ausstellung "Originalidentisch" im Kunsthistorischen Museum Wien  

Für Museen, Galerien, Kunsthändler war das natürlich eine schlimme Entwicklung. Für die Lebenden unter den Künstlern auch. Sie hat ja noch die beiden Zeitströmungen verstärkt, die seit dem 19. Jahrhundert die soziale Geltung der Maler dramatisch vermindert haben: Gott, Jesus und Maria sind längst tausendfach gemalt und ihre Anbeter weniger geworden; die Fotografie hat die Alleinstellung des Porträts zerstört, für das Päpsten, Kardinälen, Fürsten, Patriziern einst nichts zu teuer gewesen war. Schon gar nicht mehr gibt es Aufträge wie den, den Maria von Medici 1621 dem Peter Paul Rubens erteilte: die Geschichte ihres Lebens in 21 Bildern! Auf ebenso viele kolossale Leinwände hat Rubens den Zyklus gedonnert, im Louvre wollen sie abgeschritten sein. Und störte es damals irgendjemand, dass Rubens selbstverständlich eine Schar von Gehilfen und Schülern hinzugezogen hatte?

Heute braucht die Malerei zum Überleben ihre Prediger. Sie tun das Äußerste, um "die emotionalen Qualitäten des Originals" herauszustreichen, das Zeitkolorit, das Fluidum, die Unwiederholbarkeit. Für die 107 Millionen Dollar, die das Auktionshaus Sotheby’s im Mai für den Schrei des Edvard Munch erzielte, konnte man schon mal in die Tasten greifen: Originale sind ganz unbeschreiblich wichtig, und wer sich mit einer Reproduktion begnügt, ist ein Ignorant.

Aber die Vernunft bricht sich Bahn. Über kunstsammelnde Milliardäre wie den Käufer des Schreis schrieb die SZ , sie hätten "die Preise am Kunstmarkt in absurde Höhen getrieben. Oft entspringt die Begeisterung für Kunst einem nüchternen Kalkül: Wer teure Werke kauft, verschafft sich Anerkennung in den feinsten Kreisen der Gesellschaft". Da liegt der Hund begraben.

Wenn aber das Original wirklich so unglaublich viel wert wäre: Müssten wir alle - müsste die Weltgemeinschaft der Kunstfreunde sich nicht dagegen empören, dass ein Einzelner den Schrei herrisch an sich reißen durfte und ihn wegschließt für immer? Sollten wir uns nicht geradezu bemühen, die Stimmung umzudrehen - also zu verkünden: Schön, dass die Technik das Original fast entbehrlich gemacht hat! Genießen wir sie, diese prachtvollen Reproduktionen. Muss es denn dabei bleiben, dass die mehr als 800 Werke van Goghs auf sage und schreibe 171 Museen in allen Kontinenten verteilt sind? Wer soll die alle besuchen? Ich wünsche mir das eine Van-Gogh-Museum mit Reproduktionen seiner sämtlichen Bilder! Handle, Unesco! Auslachen würde Sie da keiner mehr.
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KUNST ALS AUFTRAG
 
Emile Nolde: 'Die Java-Tänzerin''  
Wir lieben Kunst - und das schon seit über 65 Jahren. Warum? Gibt es etwas Schöneres, als fast ausnahmslos mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ihre Arbeit lieben? Mit Künstlern, die ihre Werke und ihre Weltsicht mit Ihnen teilen und Ihnen vermitteln möchten, mit Galeristen, die sich für die von ihnen vertretenden Künstler vehement engagieren und nicht zuletzt mit Museen, Stiftungen und Gesellschaften, die das Vermächtnis großer Künstler mit Ernst und großer Leidenschaft vertreten.

Durch die Zusammenarbeit mit Stiftungen und Kunstvereinen können wir Ihnen exklusive, zertifizierte Editionen großer Kunstwerke anbieten - etwa Bronzen Ernst Barlachs, die wir mit der “Ernst Barlach Gesellschaft“ in Wedel realisieren konnten. Sie stellen mittlerweile eine stattliche Sammlung dar, sind als streng limitierte Editionen unter Kunstsammlern sehr begehrt, denn eine ähnliche Zusammenstellung von Originalen und Güssen zu Lebzeiten Barlachs wäre - wenn überhaupt möglich - kaum finanzierbar gewesen.
Kooperationen wie diese münden also in einer klassischen "win-win"-Situation: Den Stiftungen ermöglichen sie, Kunstwerke zu besitzen, die sonst unerreichbar blieben.

Bei ars mundi finden Sie die Ergebnisse einer neuen, fruchtbaren Zusammenarbeit: Gemeinsam mit der "Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde" haben wir die exklusiven, limitierten Bronzegüsse der "Java-Tänzerin" von Emil Nolde realisiert. Der große Expressionist gestaltete sie auf einer Reise nach Neuguinea in den Jahren 1913/1914.









Emil Nolde: "Die Java-Tänzerin"
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ANDY WARHOL -
"THIRTY ARE BETTER THAN ONE"

 
Dreißig sind besser als eine - hat Andy Warhol seine dreißigfache Reproduktion der Mona Lisa genannt. Die Grundlage dafür   Pinselstrich so genau "abgebildet", dass selbst Fachleute das Ergebnis vom Original kaum mehr unterscheiden können.
war eine einfache Postkarte. Das Werk trug Anfang der 1960er Jahre wesentlich zu seinem Ruhm bei. Die Kunstwelt war begeistert, wohl auch, weil sie in Warhols Werken tiefschürfende Medientheorie bebildert sah. Man kann sich den Aufruhr, den Warhol mit seinem provokanten Kunstverständnis seinerzeit erzeugte, heute kaum mehr vorstellen. Und längst ist er selber zur Kunstikone geworden.
Im Kern hatte Warhol natürlich recht: "Dreißig sind besser als eine", dann jedenfalls, wenn eine hochwertige Reproduktion zur Verbreitung eines Kunstwerks beiträgt. Die Künstler selbst waren immer schon an entsprechenden Verfahren interessiert und setzten jede neue Technik bald auch in der Kunst ein. Schon Holzschnitt, Kupferstick und Lithografie waren ja beides zugleich: Ausdrucks- und Vervielfältigungsmittel.
 
Andy Warhol: 'Shot Orange Marilyn'
A. Warhol: "Shot Orange Marilyn"
  Damit ist durchaus auch eine Kunstutopie verwirklicht - und wer sich an der Mona Lisa erfreuen will, muss sich nicht durch einen überfüllten Louvresaal kämpfen, um einen kurzen Blick durch fingerdickes Sicherheitsglas zu erhaschen.
Der Kult um das "Original", las man im Magazin der Süddeutschen Zeitung*, ist ohnehin fragwürdig. Es betrifft im Grunde einzig Museumsdirektoren, Großgaleristen, Auktionshäuser - und geldanlegende Multimillionäre. Und so schließt der Autor sein Lob der Reproduktion mit den Worten "Schön, dass die Technik das Original fast entbehrlich gemacht hat!"

*Wolf Schneider: Bilder einer Einstellung, SZ-Magazin 42/2012
Heute werden selbst Ölgemälde durch aufwändige Abbildungs- und Reproduktionsverfahren bis hin zu Farbauftrag und    
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KUNST IN OST UND WEST
 
1989 fiel in Berlin die Mauer die nicht nur zwei deutsche Staaten, sondern scheinbar auch zwei Kulturen trennte. Musik, Literatur und bildende Kunst durchliefen in den beiden Deutschlands getrennte und jeweils ganz eigene Entwicklungen. Doch wenn die Künstler in Ost und West auch unter sehr unterschiedlichen Bedingungen arbeiteten, ausstellten oder gar gefördert wurden - längst wird deutlich, dass die Künstler diesseits und jenseits der Mauer tatsächlich nie aufhörten, auch die “andere” Seite der geteilten Welt wahrzunehmen und sich mit den Werken ihrer dort arbeitenden Kollegen auseinanderzusetzen.
Die Lebensgeschichte kaum eines anderen Künstlers ist so stark von Ost und West geprägt wie die der Mehrfachbegabung Armin Mueller-Stahl. Aufgewachsen in Brandenburg, stand er später - in Welt-Berlin wohnend - auf der Ost-Berliner Volksbühne. Nach dem Mauerbau war er ein Aushängeschild des DDR-Films und ab Ende der 1970er Jahre ein berühmter Schauspieler des Westens. Er begeisterte außerdem als Musiker, Schriftsteller - und seit seiner ersten Ausstellung im Jahr 2001 vor allem als Maler. Wie Sie ihn auch bei ars mundi erleben können.
  HP Zimmer: 'Der 9. November 89''
HP Zimmer: "Der 9. November 89"
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MIT FARBEN
DIE SEELEN IN SCHWINGUNGEN BRINGEN

 
Für die Physiker und die Neurologen ist die Sache klar: Farben ergeben sich aus der Wahrnehmung von Lichtwellenlängen. Reflektiert ein Gegenstand das Licht etwa im Wellenlängenbereich von 450 bis 482 Nanometer, erscheint er uns rot, zwischen 620 und 780 Nanometern blau.

In der Kunst stellt sich die Sache etwas anders dar. Angefangen mit Kalkweiß, Asche und Rötel lässt sich die Kunstgeschichte aus als eine fortlaufende Erweiterung des Farbspektrums erzählen. Neue Pigmente und Verfahren erweiterten die Paletten der Maler. Viele von ihnen waren auch Chemiker in eigener Sache und stets auf der Suche nach neuen Farbtönen, die neue Darstellungsmöglichkeiten ergaben. Das berühmte Tizianrot zum Beispiel - eigentlich eine Erfindung des Niederländers Jan van Eyck - verdankt seine Strahlkraft der Bindung
Romero Britto: 'Big Apple''
Romero Britto: "Big Apple"
des roten Pigments mit Öl statt mit Ei. Und doch in der Moderne gab es Künstler wie Yves Klein, der sich einen von ihm entwickelten Ultramarinblau-Farbton gar patentieren ließ.

Vor allem aber sind Farben, gleichviel ob in der Natur oder in der Kunst, stets auch mit Emotionen und Empfindungen verbunden. Das spielt in der Kunst eine eminent große Rolle: Die Farbauswahl des Künstlers zielt häufig weniger auf Abbildungsgenauigkeit als auf eine Stimmung hin, die er zu erzeugen wünscht. Insofern bietet auch ars mundi nicht nur Kunst, Schmuck und Accessoires in tausenderlei Farben, sondern auch ein stimmungsreiches Bild der Welt der Kunst - als einer Welt, die die Seele in Schwingung versetzen kann.
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AUF INS GRÜNE!
ÜBER LANDSCHAFTSMALEREI

 
Claude Monet: 'Promenade bei Argenteuil
Claude Monet: "Promenade bei Argenteuil"


Wenn Claude Monet Staffel, Leinwand und Palette zusammenpackte und hinaus in die Natur ging, war das für seine Zeitgenossen ein ungewohnter Anblick, denn das Malen unter freiem Himmel war zu seiner Zeit sehr unüblich. Monet war nicht der erste "plein-air"-Maler Frankreichs. Als der gilt Corot. Corot wagte den Schritt hinaus ein halbes Jahrhundert vor Monet. Das könnte man ja für erstaunlich halten, war doch die Landschaftsmalerei ein bedeutendes Genre. Aber naturalistische Genauigkeit wie bei den Niederländern spielte in ihrer Entwicklung im übrigen Europa selten eine Rolle. Zunächst waren Landschaften Bühnen für die jeweils in die eigene Heimat versetzten biblischen Geschichten, später etwa
  sorgsam auf "heroische" Wirkung hin komponierte Idealszenen oder romantische Seelenlandschaften. Und als Maler wie Turner malerische Naturbeobachtung schließlich mit den exakten naturwissenschaftlichen Beobachtungen ihrer Zeit verbanden, ging es schon wieder mehr um die Auslotung von Lichteinwirkungen als um die Landschaft selbst - der Weg zum Impressionismus à la Monet war geebnet.

Denn am Ende ging es Monet nicht um eine "Abbildung“ der Landschaft. Ihm und seine Zeitgenossen war klar, dass die Kunst solche Aufgaben ohnehin bald der Fotografie überlassen könnte. Monet ging es um die Wirkung der Landschaft auf das betrachtende Auge, um das Zusammenspiel von Farbe und Licht, um Wahrnehmungsmuster. Die aber konnte er am besten vor Ort studieren.
 
Camille Corot: 'Seinelandschaft bei Chatou'
Camille Corot:
"Seinelandschaft bei Chatou"


William Turner: 'Sonnenuntergang über einem See'
William Turner: "Sonnenuntergang über einem See"
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KRISENFEST -
DIE GRIECHISCHE BILDHAUEREI

 
Alfred North Whitehead hat in einem vielzitierten Bonmot einmal die Geschichte der europäischen Philosophie als "eine Reihe von Fußnoten zu Platon" beschrieben. Für die europäische Kunstgeschichte ließe sich durchaus Vergleichbares formulieren: Platons Zeitgenossen haben sie so tief geprägt, dass über die Jahrhunderte hinweg die griechische Plastik etwa eines Phidias, Praxiteles oder Lysipp als nachzueiferndes, unerreichbares Vorbild galt.
Die anatomische Präzision beim Torso eines Waldgottes, der perfekt aus dem Stein gearbeitete Faltenwurf der Nike von Samothrake und die "erzählende" Darstellung des Götterstreits zwischen Athene und Poseidon auf dem Westgiebel des Parthenon sind selbst als Replikate überaus beeindruckend.

Ungezählte Generationen nahmen Kunstwerke wie diese zum Vorbild. Das gilt für die großen Meister der Renaissance ebenso wie für die Bildhauer des 18. und 19. Jahrhunderts (zum Beispiel Johann Gottfried Schadow, sein Doppelporträt von Friederike und Luise von Mecklenburg-Strelitz, nachmalige Königin von Preußen). Auguste Rodin sah in den alten Griechen seine Lehrmeister. Und auch die Zeitgenossen setzen sich noch mit ihnen auseinander. Das zeigt Guy Buseynes "Reunited": Ein Doppeltorso in Bronze, der geradezu "griechisch" wirkt. Und manchmal ist es sogar so, dass ein Kunstwerk sein "Griechentum" erwirbt, indem es ein anderes, von der griechischen Antike inspiriertes Kunstwerk zitiert. In diesem Sinne könnte man selbst noch in Mordillos Variation des Rodinschen Denkers augenzwinkernd ein Stück griechischen "Erbgutes" entdecken.
  Skulptur 'Nike von Samothrake'
Skulptur "Nike von Samothrake
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DIE FARBEN DES SOMMERS
 
Auch wenn der blütenbestandene Frühling als farbenfrohste Jahreszeit gilt: Der Sommer steht ihm an Farbreiz kaum nach   sehr symbolisch ausgeführten Zyklus des Jugendstilmeisters Alphonse Mucha ist nicht zur übersehen, dass die personifizierten
und hat die Künstler seit jeher fasziniert. Es war das unter sengender Hitze liegende Südfrankreich mit seinen von der Sonne ausgedorrten Wiesen, das Vincent van Gogh die Palette erweiterte: Ocker und Gelb, zu seiner Zeit kaum eingesetzt, spielen in seinem Spätwerk eine prominente Rolle. Und nie wurde die sommerliche "blaue Stunde" besser eingefangen als bei "Café bei Nacht".

Jede Jahreszeit hat also ihre eigene Farbstimmung, und allein an dieser lässt sich ein Bild zeitlich verorten. Kollers "Sommerstrauß" zeigt es deutlich. Auch Kroyers "Sommerabend" wäre problemlos ohne den vom Künstler vorgegebenen Titel als sommerliches Genre zu entschlüsseln.

Peder Severin Kroyer: 'Sommerabend bei Skagen (Mondlicht am Meer)''
"Jahreszeiten" ihre Wirkung vor allem durch eine überlegte Wahl der Farben erreichen.

Was für die Kunst gilt, gilt auch für die Schmuckdesigner. Michal Golans "Indian Summer" ist farblich ein getreues Abbild des amerikanischen Spätsommers.







Peder Severin Kroyer:
"Sommerabend bei Skagen (Mondlicht am Meer)"
Verständlich daher, dass sich das Thema der "Vier Jahreszeiten" einem Künstler geradezu aufdrängt. Selbst beim  
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VORBILD UND ABBILD IN DER GARTENKUNST
 
Eines der ganz großen Themen in der Dichtung - neben der Liebe - war schon immer die Natur. Dem Genre Naturlyrik verdanken wir einige der schönsten Gedichte in deutscher Sprache. Joachim Ringelnatz wird sie im Hinterkopf gehabt   haben, als er die folgenden Zeilen schrieb und, ganz Humorist, seine Parklandschaft mit einem kleinen Gipsreh ausstattete, so echt wirkend, dass es erst ein kleiner "Stips" verrät.

Im Park
Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum,
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei.
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum -
gegen den Wind an den Baum,
und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

Joachim Ringelnatz

Nun ist in der bildenden Kunst tauschende Ähnlichkeit längst kein Maßstab mehr. Sonst wäre Franz Marc ein Scharlatan, leuchten einem seine Rehe doch rot von der Leinwand entgegen - von blauen Pferden ganz zu schweigen. Und Picassos Stiere wirken ja gerade deshalb so imposant, weil sich der Spanier vom Abbild entfernt und sich ganz auf die Wesenszüge seines Motivs konzentriert hat.

In der Gartenkunst ist jedoch beides gleichrangig vertreten: Bronzene Tierdarstellungen, die überaus echt wirken - etwa
 
Steinadler, Steinbock und Kraniche - und andere, die ihre handwerkliche Machart deutlich offenbaren.
Ein Beispiel: Wilson Bhire aus Zimbabwe gestaltet aus Blech Tiere, die ihren lebenden Vorbildern zwar sehr ähnlich sind, aber durchaus kein “täuschendes“ Abbild sein wollen. Eines haben sie dabei alle gemeinsam: Ob nun aus Bronze oder aus Stahlblech - einen kleinen “Stips” überstehen diese Gartenbewohner jederzeit unbeschadet. Und Wind und Wetter auch.
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ARTENREICHTUM.
KUNSTGESCHICHTE ALS ZOOLOGIE.

 
Mats Jonasson: 'Taurus''
Mats Jonasson: Glasobjekt "Taurus"      
  Bereits mit den Felszeichnungen fing es an: Nicht nur sich selbst, den Jäger, machten die ersten Künstler der Menschheit mit Jungpaläolithikum zum Motiv ihrer Kunst, sondern auch das gejagte Wild. Sie wussten um die Abhängigkeit des Menschen vom Tier - Tiere galten als Totem, und die Götterhimmel der frühen Kulturen waren voll von verehrten Tierwesen, man denke nur an die ägyptischen Bastetkatzen.

Mit den Tierdarstellungen in der Kunstgeschichte ließe sich eine eigene Arche Noah füllen. Dabei ist der “Artenreichtum” so groß wie die Bandbreite der den einzelnen Tieren zugeschriebenen Bedeutungen: Es gibt sie nicht nur als vergöttlichte Wesen, sondern auch als Sinnbild für Macht und Königtum, als Ausdruck animalischer Kraft (z.B. der Elefant), als Weisheitssymbol wie Eulen oder als Dekoranreiz.

Eine besondere Rolle hat menschheitsgeschichtlich das Rind eingenommen. Der Stier als Motiv ist auch für heutige Künstler von hohem Reiz. Thuilots “Hornochsen”, Requejo Novas Bronzestier und der “Taurus“ des schwedischen Glaskünstlers Mats Jonasson zeigen das archaische Motiv ganz und gar zeitgenössisch interpretiert.
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NATUR UND KUNST -
KUNST UND NATUR

 
Die Philosophie des 18. und 19. Jahrhunderts unterschied streng zwischen dem Naturschönen und dem Kunstschönen. Naturschön, das war eine liebliche Gegend oder eine blühende Rose, kunstschön dagegen von Menschenhand gemachte Schönheit, etwa ein Gemälde oder eine Skulptur. Dass dabei die Kunst immer schon vom Naturschönen profitierte, ist nicht zu übersehen - zahlreich sind die großen Werke der Kunstgeschichte, die den Blick auf ein überwältigendes Landschaftspanorama oder die Farbenpracht eines Blumenstraußes festhalten. Die Künstler aller Epochen fanden ihre Motive in der Natur. Ein Beispiel aus der klassischen Malerei: das Bild "Blühender Pfirsichbaum" von Vincent van Gogh, das die Lebenskraft der sprießenden Natur in leuchtenden Farben feiert. Und noch das zeitgenössische Design lernt von der Natur: Selma Calheiras Keramikfrüchte, Kerstin Starks Orchideenanhänger und die von Zweigen und Blättern umrankten Leuchten von Sabine Böttger-Hopfgartner und Elvira Immer sind wunderbare Beispiele dafür.

Das Naturschöne profitiert allerdings auch von der Kunst, spätestens dann, wenn sie zur Gartenkunst wird, die Ihren Garten in eine Freilichtgalerie verwandeln: Tierplastiken, bronzene Feuerschalen, Steinskulpturen mit asiatischem Flair und vieles andere mehr.
  Vincent van Gogh: 'Blühender Pfirsichbaum''
Vincent van Gogh: "Blühender Pfirsichbaum"
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DAS ALTE, DAS NEUE
UND DIE KUNST DES ZITATS

 
Das Neue verdrängt das Alte, um bald darauf vom Allerneuesten ersetzt zu werden. In der Welt der Kunst gilt dieser Grundsatz nicht. Hier muss sich das Neue vielmehr am Alten messen lassen, das als Vorbild und als Anspielungshorizont immer präsent ist.

Ma Tse Lin: 'Bouddha d'or''
Ma Tse Lin: "Bouddha d'or"
  Viele Künstler stellen sich dieser Herausforderung ganz bewusst. Das bahnbrechende Werk eines Auguste Rodin wäre ohne seine intensive Auseinandersetzung mit der Tradition der antiken Plastik schlichtweg nicht denkbar, und wenn Jean-Claude Cubaynes die Gartenpracht eines Monet wieder aufleben lässt oder Ma Tse Lin klassische Darstellungen des Buddha nutzt, dann arbeiten sich diese Künstler voller Respekt am Alten ab. Zudem ist es ein Phänomen, das über die Grenzen verschiedener Kunsttraditionen hinweg zu beobachten ist: Van Goghs Begeisterung für japanische Holzschnittdrucke hatte großen Einfluss auf sein Schaffen und Ukata Aruas Werk verbindet uralte afrikanische Tradition mit den Ideen der westeuropäischen Moderne.

Das Neue verdrängt also das Alte nicht, es erweitert vielmehr die Welt der Kunst. Und so ist es nicht die Abfolge von Kalenderjahren, sondern die Summe von Lebensjahren, die als Metapher für das Alte und das Neue in der Kunst dienen könnte: Als Summe von (Kunst-)Erfahrungen, die den Weg zu neuer Kreativität ebnet.
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FREUDE AM SCHENKEN
 
  Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
die Gaben wiegen,
sei Dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
was in Dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
sodass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass Dein Geschenk
Du selber bist.
James Rizzi: 'My Pointy Piggy Bank''
James Rizzi: "My Pointy Piggy Bank"

"Leider nicht von mir", notierte der große Komponist Johannes Brahms unter die ersten Noten des Johann Strauß II-Evergreens "An der blauen Donau".

So geht es auch uns. Joachim Ringelnatz hat gedichtet, und besser hätten wir es auch nicht sagen können - außer: Viel Spaß mit unseren Geschenken!
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EIN STÜCK SCHMUCKGESCHICHTE
 
Lange Zeit glaubte man, gestalteter Schmuck sei erst vor etwa 40.000 Jahren aufgetaucht. Diese Einschätzung wurde jedoch in den letzten Jahren grundlegend korrigiert. Ein südafrikanischer Fund von 2007 verdoppelte den Zeitraum fast, und seit 2009 gilt ein etwa 100.000 Jahre alter Fund kunstfertig bearbeiteter Muscheln aus Algerien als ältester Schmucknachweis der Welt. Zum Vergleich: Die Venus von Willendorf, die berühmte Skulptur aus der jüngeren Altsteinzeit in unseren Breitengraden, ist gerade einmal 25.000 Jahre alt.

Schmuck begleitet den Menschen seit seinen frühesten Anfängen, und sehr früh schon ging es also über Erzählebene und Adlerfedern hinaus. Schmuck hatte von Beginn an auch eine Funktion: Stammesmitglieder betonten ihre Zusammengehörigkeit mit nur von ihnen
  Collier 'Goldmarie'Collier "Goldmarie"   getragenen Accessoires, und die Art des schmückenden Zierrats wies Rang und Funktion des Einzelnen aus. In den alten Zivilisationen entwickelten sich so komplizierte Codes, die in der Pracht der Monarchien und Kirchen bis auf den heutigen Tag aufscheinen.

Zeichen wirklicher Macht sind sie heute nur noch selten, und auch die goldgeschmückte Zurschaustellung von Wohlstand und Reichtum hat längst an Bedeutung verloren. Moderner Schmuck kann, muss jedoch keineswegs aus Edelmetallen bestehen - und zeugt vor allem vom Stil und vom Geschmack seiner Trägerin. Aber er kann natürlich, wie vor vielen Jahrtausenden schon, noch immer ein Symbol tiefster Zusammengehörigkeit sein. Spätestens dann, wenn er von einem liebenden Partner zugedacht wurde.
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TRENDS
 
Michael Pickl: Skulptur 'Liebespaar'
Michael Pickl: Skulptur "Liebespaar"
 


Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie weit in die Zukunft hineinreichen. Aber es gibt Trends. In der Politik und in der Werbewirtschaft sind sie die Meisterdisziplin der Analytiker: “Trendforscher“ beschäftigen sich damit, was womöglich der nächste, Wahlen und Kaufverhalten bestimmende “Megatrend“ sein könnte.

Auch in der Kunst gibt es Trends. Sie sind unübersehbar, wenn man die jährlichen Kunstmessen besucht oder die Feuilletons der großen Zeitungen sichtet. Trends sind die kleinsten Schritte in der Kunstentwicklung; sie zeigen etwa, wie eine neue, frische und ideenreiche Generation von Künstlern sich ihr eigenes Feld erobert und nach und nach Aufmerksamkeit findet. Ein “Megatrend“ im Sinne einer neuen Kunstrichtung wird seltener daraus. Dennoch zeugen Trends von Zeitgenossenschaft, von Ideen, die gerade jetzt und heute formuliert und umgesetzt werden; sie geben ihrer jeweiligen Gegenwart ein Gesicht.

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VON UMBRÜCHEN
UND TRADITIONEN

 
Peter Strang: Skulptur 'Maskenmann'
Peter Strang: "Maskenmann"
 
Kunst verändert sich. Die lange Reihenfolge von Stilrichtungen hat sich auf vielfältige Weise entwickelt. Da gab es die Epigonen, die die großen Ideen ihrer Lehrmeister lediglich wenig verändert weitergetragen wollten, da gab es die Bilderstürmer, die alles, aber auch wirklich alles anders machen wollten. Und es gab und gibt solche, die bei allen neuen Ideen immer fest auf dem Boden der Tradition standen und stehen.

Peter Strang (Jahrgang 1936) ist einer von den letzteren. Fast sechs Jahrzehnte hat er die Porzellankunst in Deutschland begleitet, vom Lehrling bis zum künstlerischem Leiter der berühmten Porzellanmanufaktur Meißen.
Er ist ein Meister seines Faches - und ein künstlerisch höchst eigener Kopf, ein "Moderner" im eigentlichen Sinne des Wortes, der seine eigene Lebenszeit zu kommentieren weiß. Auch wenn der Unterschied seiner Entwürfe zu denen der Porzellankünstler von vor dreihundert Jahren mehr als ins Auge sticht - er machte das, was schon die Modelleure vor Jahrhunderten machten. Er setzt seine Zeit ins Bild und lotet das Machbare in der Porzellankunst in jedem seiner Entwürfe neu aus.

Das gilt für viele große Gestalten der Kunstgeschichte, und es gilt für viele Gestalter. Sie greifen auf die Geschichte zurück und sind doch ganz Gegenwart.
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EIN ZITAT VON KARL VALENTIN
 
"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit"
 
lautet ein unsterbliches Bonmot des großen Komikers
Karl Valentin. Aber sie inspiriert, erfreut und bringt die Seele zum Klingen - vor allem dann, wenn man ihr in den eigenen vier Wänden oder im heimischen Garten alltäglich begegnet. Hinzu
  kommt: Kunst eignet sich als perfektes Geschenk, mit oder ohne Anlass, denn man schenkt schließlich nicht allein das Kunstobjekt als solches, sondern vor allem die dauerhafte Freude daran.
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WAS KUNST KANN
 
Große Kunst erzählt. Sie ermöglicht ein Gespräch zwischen Menschen, die um Jahrhunderte, ja Jahrtausende getrennt leben. Sie bietet eine Reise durch die Zeit und vermittelt dabei ein Bild davon, was in all den Jahrhunderten getan, gedacht und geglaubt wurde. So gesehen ist selbst ein van Gogh eine Art Postkarte und die Signatur "Vincent" der dazugehörige Absender.
  Und die Gegenwartskunst bietet mit ihren neuen Ideen und ungewöhnlichen Blicken auf die Welt genau das, wofür wir überhaupt auf Reisen gehen.

Gerade deswegen eignet sich Kunst auch so gut als Geschenk. Durchaus nicht nur zu festlichen Anlässen. Denn wie ein Souvenir ist ein Kunstgeschenk eine jederzeit passende Einladung an den Beschenkten, eine gedankliche Reise an ferne Orte und in ferne Zeiten anzutreten.
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LEBENDIGE VERGANGENHEIT.
DIE KUNST DES MITTELSALTERS

 
“Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen“ sagt der amerikanische Schriftsteller und Nobelpreisträger William Faulkner. Es sind die Generationen vor uns, die uns prägen. Ihre Lebensumstände, ihre Weltsicht und ihre Erfahrungen haben auf uns Heutige großen Einfluss. An der Kunst lässt sich das leicht nachvollziehen.
 
Die Kathedralen des Mittelalters prägen unsere Vorstellung von der Pracht des biblischen Himmelreiches; die Kunst ihrer Zeit all ihren Madonnen und Heiligengestalten stellt so etwas wie die Grundierung des Abendlandes dar. Und wer als Mensch des 21. Jahrhunderts vor einem Altarbild jener Zeit steht, das etwa die Geburt Christi darstellt, wird das Motiv - unerheblich, ob er sich als gläubiger Christ versteht oder nicht - als zentrales und tiefgreifendes Sujet begreifen.

Die moderne Kunst ist stets auch in Auseinandersetzung mit dieser "Ars sacra" entstanden. Das gilt selbst für Vincent van Gogh. Er kopierte zum Beispiel die Pietà von Delacroix und Rembrandts "Auferweckung
Vincent van Gogh: 'Kirche von Auvers-sur-Oise'
Vincent van Gogh: "Kirche von Auvers-sur-Oise"
des Lazarus" - und gab ihnen statt eines religiösen einen allgemeinmenschlichen Unterton. Die Motive aber blieben klar erkennbar. Und selbst wenn seine "Kirche von Auvers" für den Künstler vor allem eine Studie in Farbe und Fläche gewesen sein mag, ist ihm die zum Gottesdienst eilende Frauengestalt als Detail wichtig.

Nutzen Sie also beim nächsten Kirchenbesuch die Gelegenheit, sich einmal wieder mit der dort zu findenden Kunst zu beschäftigen. Sie ist, selbst wenn sie Jahrhunderte alt ist, noch immer lebendige Vergangenheit.
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ERDENSCHWER UND FEDERLEICHT: SKULPTUREN
 
Ernst Barlach: 'Frau im Wind' Die Geschichte der Skulptur steckt voller Götter-, Helden- und Herrschergestalten. Es waren Mythos, Glaube und Macht, die vornehmlich in schweren Marmor geschlagen wurden: Tempelfiguren in der Antike, christliche Heilige und gekrönte Häupter aller Epochen. Dabei ist es nicht geblieben. Auguste Rodin etwa verstand seine Kunst längst nicht mehr als Repräsentation von Macht und Würde, er machte die Bildhauerei zur von Mäzenaten- und Gönnertum befreiten eigenen Kunstform und fand zu Motiven, die nicht Herrschaft, sondern den Menschen an sich repräsentierten. Sein Denker ist weit entfernt von jeder Augustusstatue, und selbst wenn er sich in antiker Tradition Göttern und Sagengestalten annahm, waren es im Grunde Menschen seiner Zeit. Auch Ernst Barlach, dessen "Frau im Wind" und "Sänger" z.B., nutzte die Plastik, um den Menschen in all seinen Ängsten, Träumen und Wünschen darzustellen.

Heute ist der Umgang mit der Skulptur als Kunstform weit gefächert. Stefan Szczesnys "Dancer" fehlt jede Wucht und Erdenschwere, und gerade deshalb ist der Künstler in der Lage, ein Abbild der karibischen Lebensfreude und Ausgelassenheit zu zeigen. Und dass die Bildhauerei selbst in schwerer Bronze das Genre des federleichten Humors beherrscht, zeigen Wolf Gerlachs "Mainzelmännchen", die so nach über 50 Jahren Fernsehkarriere exklusiv bei ars mundi ihre Weltpremiere als streng limitierte Bronzeskulpturen erleben.
Ernst Barlach: 'Der Sänger'
Ernst Barlach: "Frau im Wind" Ernst Barlach: "Der Sänger"
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KUNST UND SONNE:
SKULPTURENPARKS

 
Ein großer Teil der bedeutenden Kunstschätze der Welt befindet sich in Museen. Gemälde und Skulpturen werden dort bei gedämpftem Licht und penibel kontrollierter Luftfeuchtigkeit aufbewahrt und streng bewacht.

Anders ist es bei den Skulpturenparks. Hier stehen die Werke namhafter Bildhauer zwischen Bäumen und Sträuchern und laden unter freiem Himmel zur Betrachtung ein. Einige gehören großen Museen an (z.B. der Kunsthalle Mannheim, der Münchner Pinakothek, dem Frankfurter Städel oder dem Lehmbruck-Museum Duisburg), andere sind ganz und gar als “Parkmuseum” konzipiert. Auf den “Kunstwegen” im Grugapark Essen treffen Sie Werke von Hrdlicka, Moore und Rodin an, im Skulpturenpark Köln werden die Skulpturen sogar im Zweijahreswechsel durch neue Werke ersetzt. Und nicht weit hinter der deutsch-niederländischen Grenze, in Otterlo, gibt es am Kröller-Müller-Museum auf 25ha den wohl bedeutendsten Skulpturenpark Europas.
  Kunstwerke an der frischen Luft - das gibt es aber auch in ganz anderer Gestalt. Man denke nur an Friedensreich Hundertwasser, der sein Kunstkonzept vielfach auch architektonisch umsetzte. Es mögen Wohnhäuser, Bahnhöfe, ja Fernheizwerke sein, Kunstwerke unter freiem Himmel sind es auch.

Wir wünschen Ihnen die Gelegenheit, sich bei schönem Wetter das eine oder andere dieser “Freilichtmuseen” anzuschauen. Und wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Auswahl aus unserem Angebot an Kunsteditionen, ausgewählten Accessoires und handgefertigten Schmuckentwürfen.
Auguste Rodin: 'Pierre de Wissant'
Auguste Rodin: "Pierre de Wissant"
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MEHR WERT ALS GELD: DAS GLÜCK DES GELINGENS
 
Peter Strang: 'Die Versuchung'
Peter Strang: "Die Versuchung"
Als Gerhard Richter anlässlich seines 80. Geburtstags (im Jahr 2012) durch zahlreiche Ausstellungen, Zeitungsartikel, Fernsehdokumentationen und Radiobeiträge geehrt wurde, stellte man ihm mitunter auch die Frage, was es im bedeute, der teuerste lebende Maler Deutschlands zu sein. Richter war sichtlich peinlich berührt. “Das ist genauso absurd wie die Bankenkrise - unverständlich,   Ob Bildhauer, Maler oder Schauspieler - Künstler sind mit ihrer Arbeit wesentlich glücklicher als Menschen in anderen Berufen. Das zeigt eine repräsentative Studie aus dem Jahr 2012 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. “Künstler ziehen aus der Tätigkeit selbst einen viel größeren Nutzen, als aus dem Geld, das sie damit verdienen“, sagt Lasse Schneider, einer der Autoren. “Das liegt vor allem daran, dass sie ihre Arbeit als besonders selbstbestimmt und vielseitig empfinden.“

So gesehen steckt in jedem Bild und in jeder Plastik, wenn sie ausschließlich als vollendete Werke das Atelier eines bildenden Künstlers verlassen, auch eine gute Dosis Glück. Und dazu gesellt sich ja noch das Glück des Betrachters, der es im Museum oder sogar in seinen eigenen vier Wänden bewundern kann…
albern, unangenehm“ kommentierte er die Preisentwicklung seiner Bilder. In der Tat droht das Hantieren mit Millionensummen, die Platzierung auf einer nach rein ökonomischen Kriterien erstellten Rangliste die eigentliche künstlerische Leistung schnell zu verdecken. Dennoch: Seine Kunst hat Richter zu einem sehr reichen Mann gemacht. Auch zu einem glücklichen? Offensichtlich.
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VORSICHT BEIM FRÜHJAHRSPUTZ
 
Wenn das Frühjahr naht, dann damit auch der Frühjahrsputz. Seien Sie aber gewarnt. Kunst und Putzen passen manchmal ganz und gar nicht zusammen.   Zu lernen ist daraus zweierlei. Erstens: Die Kunstpreise (und die Versicherungswerte) für Künstler des 20. Jahrhunderts explodieren geradezu. War der Schaden bei Beuys noch zum

So konnte man im November 2011 lesen: Im Dortmunder Museum Ostwall tat eine Reinigungskraft ihre Arbeit ganz besonders gewissenhaft und schrubbte eine Installation von Martin Kippenberger (1953-1997) blank. In einer Auffangschale hatte sich ein Kalkrand gebildet - und der ließ sich mit den richtigen Putzmitteln ja leicht entfernen. Blank war aber auch das Entsetzen der Museumsleute, denn eben diese Spuren waren ein wichtiger Bestandteil der Installation “Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“. Hier hatte sich, so wollte es der Künstler, die Zeit sichtbar eingeschrieben. Ab da war von einem Versicherungsfall mit einem Schadenswert von gut 800.000 Euro die Rede.

Kunstkennern kommt da ein anderer, ähnlicher Fall in Erinnerung. 1986

Otto Eckmann: 'Frühling'
Kurswert eines Mittelklasseautos zu regulieren, stand beim Kippenberger-Fall eine Schadenssumme in Rechnung, mit der man ein großes Haus hätte finanzieren können. Zweitens: Gleichwohl braucht Kunst Pflege. “Präventive Konservierung“ nennt es der Museumsfachmann und es ist eine Aufgabe für ausgebildete Restauratoren. Aber es kommen dabei keine Putzmittel, sondern bestenfalls Schafswollwedel und Dachshaarpinsel zum Einsatz.

Seien Sie also achtsam beim nächsten Frühjahrsputz!




Otto Eckmann: "Frühling"
“verschwand” die “Fettecke“ von Joseph Beuys (1921-1986) in der Düsseldorfer Kunstakademie, 40.000 Mark wurden damals vom Land Nordrhein-Westfalen für die Schadensabwicklung gezahlt.    
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2012. EIN JAHR
IM ZEICHEN GUSTAV KLIMTS

 
Als Gustav Klimt am 6. Februar 1918 im Alter von nur 55 Jahren im Wiener Allgemeinen Krankenhaus einem Schlaganfall erlag, hatte er ein in jeder Hinsicht bewegtes Leben verbracht. 1862 in Baumgarten nahe Wien geboren, hatte er an der Kunstgewerbeschule für Kunst und Industrie studiert und, wenngleich nie unumstritten, über Jahrzehnte das künstlerische Leben der Stadt mit dominiert. So triumphierte er auf der Pariser Weltausstellung mit seiner “Philosophie“ und doch lehnte die Universität Wien das Werk ab, ja selbst das heute als eines der berühmtesten Werke des Wiener Jugendstils bekannte Beehovenfries am Gebäude der Wiener Secession war Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen. Der Ruhm Klimts jedoch war nicht aufzuhalten; zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland folgten. Und Gerüchte. Klimt wurde zum führenden Porträtmaler seiner Epoche und immer wieder wurden im allzu nahe Beziehungen zu seinen Modellen - oft Ehefrauen wichtiger Persönlichkeiten der ersten Wiener Gesellschaftskreise - unterstellt. Ein Stoff, der Filme füllt, etwa Raoul Ruiz’ “Klimt” mit John Malkovich in der Hauptrolle. Aber am Ende ist all das Journaille. Was zu Klimts Lebenszeiten erahnt, nach seinem Tod aber bald überdeutlich wurde: Er war einer der größten Künstler seiner Zeit.

Heute erzielen die Werke Gustav Klimts dreistellige Millionenpreise und gehören zu den teuersten der Kunstgeschichte. Und die meisten von ihnen - das wurde gerade im Jahre 2012 deutlich, weil sich sein 150. Geburtstag jährte - befinden sich nach wie vor in seiner Heimatstadt Wien. Die Stadt ehrte ihren berühmten Sohn aus diesem Anlass mit einer Vielzahl
  Gustav Klimt: 'Feld mit Mohn'
Gustav Klimt: "Feld mit Mohn"


von Sonderausstellungen. Das Belvedere, das Kunsthistorische Museum, das Österreichische Museum für angewandte Kunst und Gegenwartskunst und die Albertina - sie alle (und noch einige mehr) widmeten sich im Jahre 2012 Leben und Werk Gustav Klimts.
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VAN GOGHS OHR:
EINE ETWAS ANDERE WEIHNACHTSGESCHICHTE

 
Vincent van Gogh Michelangelo, Hieronymus Bosch, Peter Paul Rubens, Leonardo da Vinci - viele große Maler haben die Weihnachtsgeschichte ins Bild gesetzt. Und so findet man in den Museen der Welt zahlreiche Variationen. Das Motiv ist in der Kunstgeschichte derart etabliert, dass es sogar ohne unmittelbar christlichen Bezug aufgenommen   Den Heiligabend des Jahres 1888 nämlich verbrachte Gauguin in Arles, wo er gemeinsam mit Vincent van Gogh lebte und arbeitete. Was an diesem Abend passierte, gehört zu den meisterzählten Anekdoten der Kunstgeschichte. In der Standardfassung lautet sie so: Ein blutender van Gogh wird aufgefunden. Er hat sich im Wahn ein Ohr abgeschnitten und es einer Prostituierten als Weihnachtsgeschenk überbracht; so jedenfalls wollen es die Polizeiprotokolle und der in dieser Sache befragte Gauguin. Vielleicht war aber auch alles ganz anders. In ihrem Buch “Van Goghs Ohr: Paul Gauguin und der Pakt des Schweigens“ glauben Hans Kaufmann und Rita Wildgans nachweisen zu können, dass van Goghs Verletzung auf einen Säbelhieb Gauguins zurückzuführen war - mit durchaus nachvollziehbaren Indizien.

Was immer wirklich passiert ist, das Weihnachtsfest war damit für beide beendet: van Gogh fand sich im Krankenhaus wieder, Gauguin machte sich schnurstracks auf den Weg nach Paris. Was blieb ist der Mythos um van Goghs Ohr…
wurde. So etwa bei Paul Gauguin, der mit seinem Gemälde “Die Geburt. Te tamari no atua” eine Niederkunft darstellt und sie zugleich mit dem aufgebrachten Titel (”Kind Gottes”) und mit Bildelementen wie im Hintergrund kauernden Rindern zur Krippenszene überhöht. Das Bild entstand im Jahre 1896 in Tahiti. Da lag das vielleicht denkwürdigste Weihnachtsfest Gauguins allerdings schon acht Jahre zurück.
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AM SCHWIERIGSTEN: DAS EINFACHE
 
“Ich konnte schon früh zeichnen wie Raffael, aber ich habe ein Leben lang dazu gebraucht, wieder zeichnen zu lernen wie ein Kind.“ sagte der alte Pablo Picasso. Und in der Tat ist es ja nicht die artistische Kunstfertigkeit, die große Kunst ausmacht. Oft liegt die Ausdrucksstärke eines Werkes darin, dass der Künstler darauf verzichtet.

Nehmen wir Antoine de Saint-Exupéry, der sich selbst als schlechten Zeichner sah. Dennoch hat er seinen “Kleinen Prinzen” selbst illustriert, und gerade seine von zeichnerischem Akademismus weit entfernten, gefühlvollen Bilder haben sein Buch zu dem Welterfolg gemacht, zu dem es wurde.

Oder nehmen wir Marc Chagall, ganz sicher auch technisch einer der Großen des 20. Jahrhunderts. Dennoch: Geprägt
Marc Chagall: 'La Coupole de l'Opéra Garnier'
Marc Chagall: "La Coupole de l'Opéra Garnier"
ist sein Werk von geradezu kindlicher Spielfreude - hier wird in bunten Farben und mit märchenhaften Motiven eine Welt gezeigt, die tief in der Phantasie des Künstlers ihren Ursprung hat. Eine Welt, die auch auf Porzellan bezaubernd bleibt.

Oder nehmen wir James Rizzi, wie Chagall ein akademisch ausgebildeter Maler. Sein von der Pop-Art geprägter Stil versetzt ihn in die Lage, seine quirlige Heimat New York nicht nur abzubilden, sondern zu erzählen - das immer wieder an ihn herangetragene Etikett des "Urban Primitive Artist" ist als Auszeichnung gemeint.

Das vermeintlich "Einfache" hat also seinen Platz in der Kunst, und in unseren Kunstangeboten.
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BILD UND BUCH
 
Das Bild und das Buch, sie sind nicht verwandte Zwillinge. Kunstsammler sind fast ausnahmslos auch Büchersammler. Oft haben Kunstwerk und Buch noch etwas gemeinsam: Einmal auf der Welt, ziehen wichtige Publikationen das Interesse der Sammler auf sich. Ist die Verlagsausgabe ausverkauft, steigen oft die Anitquariatspreise. Das ist bei Kunstbänden häufig passiert; ein vierbändiges Werk über Monet von Daniel Wildenstein etwa, 1996 für umgerechnet 100 Euro erschienen, wird heute antiquarisch für 3.000 Euro gehandelt.

Klug gewählte Buchanschaffungen haben ebenso wie Kunstwerke eine potenzielle Rendite über den bloßen Nutzwert hinaus - auch
  wenn dieser für den Kunstsammler sicherlich immer an erster Stelle steht.

Der “Nutzwert” liegt im sprichwörtlichen Auge des Betrachters und lässt sich in Geld allein nicht berechnen. Er ist die Freude und die Zufriedenheit, die der Besitzer beim Betrachten eines Kunstwerkes verspürt. Denn so wie der Buchfreund faszinierende Buchausgaben zusammenstellt und immer wieder in die Hand nimmt, so sind auch die Werke einer Kunstsammlung immer wieder gern betrachtete Freunde.
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SCHON WIEDER GOETHE?
JA, IMMER WIEDER EINMAL...


Goethe stand Zeit seines Lebens in dem Ruf, ein großer Kunstfreund und Sammler zu sein. Um große Kunst immer gegenwärtig zu haben, erfreute er sich auch am Abbild unerreichbarer Kunstschätze. Hätte er ars mundi gekannt - was für eine Schatzkiste wäre das für ihn gewesen - und wir hätten einen begeisterten prominenten Kunden mehr.

Was aber schön ist, selig ist es in ihm selbst“, dichtete Mörike.

“ars mundi hat sich dem Schönen verschrieben, den Dingen, die das Leben lebenswerter machen, die Freude spenden und die aus sich selbst heraus mehr zu sagen haben als ein flüchtiges “Schau mich an, hier bin ich.“

“Wer mit Kunst seinen Lebensweg begleitet, der hat sich einen “inneren Resonanzboden“ geschaffen, der auch in nicht so guten Zeiten Kraft und Antriebsfeder zugleich ist, um JA zum Leben zu sagen, um optimistisch und fröhlich in die Zukunft zu schauern. Und dies wünschen wir Ihnen von ganzem Herzen.

“Die ars mundi-Kataloge sollen Sie im Goetheschen Sinne verführen - schenken Sie Kunst und Kunstvolles!
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