HIER GILT'S DER KUNST!
Der Kunstreport von ars mundi

 

DER ZOO UND DIE KUNST
Der Weg in die moderne Kunst war auch ein Weg ins Freie - aus den akademischen Ateliers hinaus auf die Wiesen und Felder, um die Staffelei in der freien Landschaft aufzustellen und im direkten Sonnenlicht zu arbeiten.
Ein anderer wichtiger Ort in der Kunstentwicklung des endenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts war der Zoo. Viele Künstler waren fasziniert vom unverstellt natürlichen Verhalten der Tiere. Franz Marc fertigte für seine berühmten Tierdarstellungen umfangreiche Studien im Berliner Zoo, bei seinem Künstlerfreund August Macke war es der in Köln. Max Slevogt hat mit seinem "Papageienmann" einen Vogelwärter im Zoo von Frankfurt porträtiert; bei Max Liebermann, der kurz dananch seine im Folkwang-Museum in Essen zu bewundernde Version des gleichen Themas schuf, war es wohl ein Berufskollege im Amsterdamer Zoo.
Der Zoo, lernt man daraus, ist definitiv ein Ort der Kunst. Das galt damals und es gilt heute noch. Sollten Sie Zeit und Muße für einen Zoobesuch haben, achten Sie einmal darauf: Im Publikum sieht man immer wieder auch Künstler und Künstlerinnen, die mit dem Skizzenblock bewehrt auf Motivsuche sind.

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KÜHE GELB, ROT, GRÜN
am 8. Februar 2020 jährte sich der Geburtstag des Malers und Grafikers Franz Marc zum 140. Mal. Zweifellos zählt Marc zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Expressionismus sowie der Kunst der Moderne überhaupt. Sein Name ist untrennbar mit dem "Blauen Reiter" verbunden - jenem Künstlerkreis, zu dem neben ihm weitere große Namen wie August Macke, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Paul Klee oder Alexej von Jawlensky gehörten. Die Herausgabe des Kunst-Almanachs "Der Blaue Reiter" im Jahr 1912 durch Marc und Kandinsky sowie eine im Jahr zuvor organisierte Ausstellung mit zeitgenössischen Avantgardisten gehören zu den Schlüsselmomenten der Kunstgeschichte.
Für Franz Marc hatten vor allem die Tiere einen hohen Stellenwert und es war immer sein Ziel, ihr wahres Wesen abzubilden. Er schrieb einmal: "Ich habe gar nie das Verlangen (…) die Tiere zu malen wie ich sie ansehe, sondern wie sie sind.“ Mit "Blaues Pferd I“ gehört eines seiner Tiergemälde zu den prominentesten Werken der Kunst der Moderne. Aber auch andere Motive wie "Kühe Gelb, Rot, Grün“ oder die "Zwei Katzen, blau und gelb“ sind weithin bekannt.
Bis heute erfreut sich Marcs farbenfrohes Œuvre größter Beliebtheit: Die Ausstellungen seiner Werke sind wahre Publikumsmagneten, auf Auktionen erzielen seine Gemälde wiederholt bis zu zweistellige Millionenbeträge und in Kochel am See wurde ihm zu Ehren das höchst sehenswerte Franz Marc Museum eröffnet.

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KÖPFCHEN ZEIGEN
Büsten haben eine starke Präsenz und ziehen in jedem Raum die Blicke auf sich. Denn sie sind nicht nur sehr dekorative Accessoires, sondern strahlen immer auch ein wenig die Bedeutung und die Aura des abgebildeten Charakters aus.

Schon seit Jahrtausenden üben dreidimensionale Objekte, die eine Halbfigur bzw. nur den Kopf zeigen, eine besondere Faszination aus. Bereits in der Antike waren die Büsten insbesondere unter Königen und Kaisern sehr beliebt, und auch in den folgenden Jahrhunderten waren es oftmals berühmte Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, die in plastischen Porträts verewigt wurden. Bis heute hat sich die Büste in der Kunst als eigenständiges und populäres Thema gehalten.

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RENAISSANCE UND BAROCK
Diese Epochen stehen für prachtvolle Bauten und Kunstwerke in meisterlicher Ausführung. Auch nach vielen Jahrhunderten faszinieren die Gemälde und Skulpturen jener Zeit durch ihre realistische und detailgetreue Darstellung der Motive sowie das gekonnte Spiel mit Perspektive, Licht und Schatten.

Nach dem Mittelalter hatte sich die bildende Kunst thematisch und gestalterisch neu aufgestellt. In den Mittelpunkt rückten in Rückbesinnung auf die Antike weltliche Themen, vor allem der Mensch. Die Künstler malten nun lebendige Alltagsszenen, ausdrucksstarke Porträts und atmosphärische Landschaften oder schufen filigran gearbeitete Statuen. Zudem etablierte sich im Barock die Mythologie als Thema und die Szenen wurden zunehmend opulenter und dramatischer. Beide Epochen brachten eine Vielzahl von Ikonen der Kunstgeschichte hervor, zum Beispiel Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael, Dürer, Botticelli, da Caravaggio, Rubens, Rembrandt und Vermeer.

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KÖNIGINNEN UND GOTTGLEICHE IN DER KUNST
Markus Lüpertz: 'Fortuna'
Markus Lüpertz: "Fortuna"
Während der Renaissance erreichte in Italien ein Disput seinen Höhepunkt, der uns heute skurril erscheint, von den Beteiligten jedoch mit großem Ernst ausgefochten wurde. Der Paragone, der "Wettstreit der Künste" entzündete sich an der Frage nach der Rangfolge von Malerei und Bildhauerkunst innerhalb der Hierarchie der freien Künste.
Leonardo da Vinci - der ja keinem intellektuellen Streit aus dem Weg ging - bescheinigte der Malerei, dass nur diese bestimmte Dinge zeigen könne, deren Widergabe der Skulptur versagt bleibt. Die Bildhauerei sei ein staubiges handwerkliches Metier, das nicht an die intellektuelle Leistung der Maler herankomme. Er erklärte die Malerei zur Königin aller Künste und provozierte so die Debatte, die bis ins 19. Jahrhundert Künstler und Wissenschaftler beschäftigte. Die Verteidiger der Bildhauerkunst entgegneten, dass die Malerei nur vortäusche und reiner Augenschein sei. Sie beriefen sich auf keinen geringeren als Gott, der den Menschen aus einem Klumpen Erde formte und somit den Ahnherr der Bildhauer stelle. Wie viele solche Dispute lief der Paragone letztendlich auf einen Kompromiss aus. Malerei und Bildhauerkunst zählten nunmehr gleichwertig zu den "freien und noblen Künsten".
Für die Künstler der Moderne spielen solche Abgrenzungen keine Rolle mehr. Picasso z.B. ist nicht nur als Malerkönig berühmt, sondern auch als Bildhauer äußerst bewandert. Und ein Künstler wie Christo macht mit seinen überdimensionalen Installationen die Welt zur Skulptur. Auch der "Malerfürst" Markus Lüpertz bewegt sich in beiden Welten souverän.
Markus Lüpertz: 'Jazzfest im Gasteig'
Markus Lüpertz: "Jazzfest im Gasteig"
DIE MUSEN DER KÜNSTLER
Was haben Marilyn Monroe und Jonathan Meeses Mutter gemeinsam? Sie beide dienten einem oder mehreren Künstlern als Muse. Der Begriff der Muse geht auf neun Quellnymphen in der griechischen Mythologie zurück. Diese wurden von Zeus mit der Quellgöttin Mnemosyne (Göttin der Erinnerung) gezeugt und gesellten sich um Apoll, den Gott der schönen Künste. Seit der Moderne werden vor allem Frauen im Umfeld der Künstler als Musen bezeichnet.

Picassos bekannteste Muse, Dora Maar sagte einst über den Künstler: "Wenn die Frauen in seinem Leben wechseln, ändert sich alles andere auch, das Haus, der Lieblingsdichter, der Freundeskreis, der Stil." Doch nicht nur Frauen inspirierten Picasso. Dem Galeristen Ambroise Vollard zollte er seine Aufmerksamkeit mit dem Porträt "Vollard et son chat". Andere Künstler fühlten sich hingegen zu den großen Namen ihrer Zeit hingezogen. Ob Politiker, Schauspieler, Schriftsteller oder Musiker - sie alle dienten der Kunst als Quelle der Inspiration.

RUHELOSE MODERNE
Was die Kunst des letzten Jahrhunderts (und bis auf den heutigen Tag) vor allem auszeichnet, ist ihr ständiger Aufbruch, ihr beharrliches Suchen nach neuen, noch unentdeckten künstlerischen Wegen und Kontinenten. Und was immer die Künstler dabei erreicht, errungen und durchgesetzt haben, weiteten sie bald aus, überboten es, formulierten es um oder legten es bisweilen gar durch neue, völlig überraschende Wendungen zu den Akten.
Diese nie enden wollende Ruhelosigkeit könnte man als Definition des Begriffs "Moderne" selbst nutzen. Sie hat dafür gesorgt, dass sich die Kunst des letzten Jahrhunderts geradezu explosionsartig entwickelte und uns dabei mit einem immens reichhaltigen Schatz von sich auf unterschiedlichste Art ausdrückenden Kunstwerken ausgestattet hat.
Es ist ein Schatz, der täglich weiterwächst, denn im Moment, in dem Sie diese Zeilen lesen, brechen in den Ateliers die zeitgenössischen Künstler bereits zu den nächsten Reisen in Unbekannte auf und schaffen dabei womöglich die nächsten großen Meisterwerke.

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DER PRÄSIDENT DER MODERNEN KUNST
Pablo Picasso (1881-1973) kann ohne Zweifel als Symbolfigur für die zeitgenössische Kunst des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden. Wie kein anderer beeinflusste der Spanier sowohl die Kunst seiner Zeit als auch die aller folgenden Künstlergenerationen und wird bis heute von Kollegen, Kritikern und Publikum für seine geniale Kreativität und Schaffenskraft verehrt.

Sein Leben widmete Picasso kompromisslos der Kunst. "Alles, was ich im Zusammenhang mit der Kunst tue, bereitet mir die größte Freude. Ich liebe sie als meinen einzigen Lebenszweck", hat Picasso einmal gesagt. Schon als Kind begann er zu malen, wurde bereits mit 14 Jahren an der Kunstakademie in Barcelona aufgenommen und hatte mit knapp 20 Jahren seine erste Einzelausstellung. Es folgte ein unvergleichliches Künstlerleben, in dem er mehrere Zehntausend Werke schuf - darunter aber nicht nur Gemälde, sondern auch Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen, Keramiken und Collagen sowie Bühnenbilder, Kostüme, Gedichte und Theaterstücke. Der "Präsident der modernen Kunst", wie Picasso einmal bezeichnet wurde, war aber auch sehr an den Arbeiten anderer Künstler interessiert und verfügte über eine Sammlung mit über 800 Werken, darunter Gemälde von Cézanne und Matisse.

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STREET ART – EINE EHEMALIGE SUBKULTUR BEGEISTERT HEUTE SAMMLER WELTWEIT
Was einst als Graffiti in den Straßen und auf den U-Bahnwagen New Yorks begann, erzielt heute unter dem Label Street Art, oder auch Urban Art auf Auktionen Rekordpreise. Spätestens seit Sammler hunderttausende Dollar für eine Leinwand von Bansky oder Shepard Fairey (Obey) zahlen, ist die Street Art im Kunstmarkt angekommen.
Die vergangenen Jahre zeigten, dass die Arbeiten der bekannten Street Art Künstler eine konstante Wertsteigerung erzielen, die sich mit den großen Namen des Marktes messen lassen kann. Auch der Franzose Mr. Brainwash, der mit dem Kinofilm "Exit Through the Gift Shop" bekannt wurde und seit seiner furiosen ersten Ausstellung in Los Angeles zu den schillerndsten Figuren der Szene zählt, gehört dazu. Ein Highlight sind die Arbeiten des Briten Ben Eine, dessen Bild "Twentyfirstcenturycity" 2010 als Staatsgeschenk vom ehemaligen Premierminister David Cameron dem damaligen amerikanischen Präsidenten Barack Obama überreicht wurde.
Als Urvater der Street Art kann im Übrigen Keith Haring gelten, dessen Subway Drawings in den 80er Jahren zum begehrten Sammlerobjekt wurden. Und wenn Sie eines der sehr raren, echten Subway Drawings suchen, sprechen Sie uns an. Wir können Ihnen sicher eines vermitteln.

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THIS IS SO CONTEMPORARY - ZEITGENÖSSISCHE KUNST
Drei uniformierte Aufseher rufen immer wieder rhythmisch ”This is so contemporary“, sobald der Besucher den leeren Austellungsraum betritt. Dabei umtänzeln sie ihn und der Betrachter wird, ob er will oder nicht, selbst zum Teil dieser Auseinandersetzung mit aktueller Kunst. Diese Performance, mit der Tino Sehgal (*1976) 2005 den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielte, zeigt, wie provozierend und ungreifbar zeitgenössische Kunst sein kann und wie weitgefasst der Begriff der zeitgenössischen Kunst ist. Gegenwartskunst oder auch aktuelle Kunst umfasst eine nahezu grenzenlose Bandbreite an Themen und Stilen, die aber auch in klassischen, weniger flüchtigen Gattungen wie der Malerei, Fotografie und der Skulptur umgesetzt werden. Sie eint, dass sie von Zeitgenossen geschaffen wird und von Kuratoren, Kritikern und Museen als relevant angesehen wird.
POP-ART - DIE GEBURT DER SUPERSTARS
Zwei Phänomene revolutionierten ab den 1950er Jahren die Kultur- und Alltagswelt: Rock’n’Roll und Pop-Art. Bei Konzerten von Bill Haley in Deutschland zertrümmerten Jugendliche das Mobiliar, auf der Leinwand provozierten Maler wie Roy Lichtenstein (1923-1997) und Andy Warhol (1828-1987) die vorherrschende intellektuell grundierte, abstrakt malende Kunstszene so nachhaltig und erfolgreich, dass sie zu regelrechten Superstars der Malerei avancierten.

Andy Warhol: 'Sunday B. Morning - Marilyn Grau, Schwarz, Hellgrau'
Andy Warhol: "Sunday B. Morning - Marilyn Grau, Schwarz, Hellgrau"

Pop-Art und Popmusik gingen in der Folge eine Symbiose ein, die den Begriff "Kultur" von seinem elitären Habitus entstaubte. Warhol gestaltete unter anderem ein Plattencover für die Rolling Stones und The Velvet Underground.

Die Entstehung von Pop-Art ist ohne die Zeichensprache der Werbung und des Comic-Strips nicht denkbar. In ihrer radikalen Abkehr von der vorherrschenden expressionistischen Malerei verarbeiteten Künstler wie der documenta-Teilnehmer David Hockney in Großbritannien oder Wolf Vostell in Deutschland Gegenstände des Alltags oft mit den Mitteln der Collage zu grellen, überdimensionierten Bilderwelten. Meist fehlte ihnen als bewusste Abkehr von der akademischen Malerei jegliche Tiefenschärfe. Der Betrachter wird direkt mit klarer Gegenständlichkeit in der Abbildung und reduzierter Farbgebung angesprochen, häufig werden nur Primärfarben verwendet. Als "Vater der Pop-Art" gilt Richard Hamilton mit seiner Collage "Just What Is It That Makes Today’s Homes So Different, So Appealing?" von 1956, in der bereits alle Elemente dieser Stilrichtung auftauchen.

Die Pop-Art erweiterte bald ihr Spektrum über die Malerei hinaus. Zu regelrechten Popikonen wurden die "LOVE" Skulpturen von Robert Indiana in ihrer absoluten Reduzierung auf das Wesentliche, den Kern einer Botschaft. Der kritischen Strömung der Pop-Art steht die zutiefst konsumbejahende Ideologie ihres exponiertesten Vertreters Andy Warhol gegenüber: "Wer alles über Andy Warhol wissen will, braucht nur die Oberfläche anzusehen, die meiner Bilder und Filme und von mir, und das bin ich. Da ist nichts dahinter."

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EINE NEUE WAHRHEIT - KLASSISCHE MODERNE
Die Klassische Moderne ist eine der aufregendsten Epochen der Kunstgeschichte. Kubismus, Expressionismus, Surrealismus, Symbolismus, Konstruktivismus, Futurismus, Suprematismus, Bauhaus, Dada, Neue Sachlichkeit, Blauer Reiter und die Fauves sind Stile und Künstlergruppen des 20. Jahrhunderts, die allesamt unter dem Sammelbegriff “Klassische Moderne“ gefasst werden. Unabhängig voneinander entwickelten sich ab 1900 Künstler unterschiedlicher Nationalitäten von der gegenständlichen Malerei weg und stellten das tradierte Kunstverständnis in Frage, um eine neue Wahrheit hinter den Dingen zu ergründen.
Ein wichtiges Zentrum der Avantgarde war bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Paris. Dort hatte die Abkehr von der akademischen Malerei bereits im 19. Jahrhundert zunächst mit dem Realismus und später mit dem Impressionismus begonnen.
Diese bahnbrechenden avantgardistischen Kunstrichtungen bilden noch heute ein Fundament, auf das viele Künstler aufbauen.

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ZEITGENOSSENSCHAFT
Von der Literatur heißt es, sie sei ein Gespräch großer Geister über die Jahrhunderte hinweg. Gleiches gilt gewiss für die Kunst. Auch hier sind längst verstorbene Künstler mit ihren Werken noch immer präsent und bieten sich in den Museen und Sammlungen zur Auseinandersetzung mit ihnen an. Und so ist es Aufgabe der Kunststudierenden, sich ebenfalls mit der Geschichte ihres Metiers und mit ihren großen Vorläufern zu beschäftigen.

Die Moderne Kunst hingegen rückt bis an unsere Gegenwart heran. Das Gespräch zwischen Künstler und Betrachter ist eines zwischen Dialogpartnern, die Erleben und Erfahrung teilen. Dabei bildet die Moderne Kunst ihre Zeit zwar nur in wenigen Fällen unmittelbar ab, aber dennoch erzählt sie davon. Oft enthält sie deutliche Elemente der Stimmung ihrer Zeit (und durchaus auch ihrer "Moden“, ob sie nun zukunftsweisend sind oder nicht) und zeugt von ihren technischen Möglichkeiten, vor allem aber setzt sie sich mit einer Lebenswirklichkeit auseinander, die auch die der Betrachtenden sein kann.
Die Darstellungen von Wäldern und Wiesen, von Dörfern und Gebäuden oder von Gebirgen, Seen und Meeren gehören zum festen Repertoire vieler Künstler unterschiedlichster Epochen. "Die Landschaft ist bei weitem die lieblichste Abteilung der Malerei", ist von John Constable, englischer Maler der Romantik, überliefert. Dabei handelt es sich bei der Landschaftsmalerei um ein noch vergleichsweise junges Genre, denn lange hatte die Landschaft in erster Linie den Rahmen für Personen zu bilden. Als eigenständiges Bildthema etablierte sie sich erst ab etwa dem 17. Jahrhundert: Natur und Objekte rückten in den Mittelpunkt, Personen hingegen verschwanden aus den Gemälden oder wurden zur reinen Staffage. Der Maler Philipp Otto Runge schrieb 1802 programmatisch: "Zuerst bannten die Menschen die Elemente und die Naturkräfte in die menschliche Gestalt hinein (...). Jetzt fällt der

  • Max Pechstein: Bild 'Morgen am Mühlengraben, Leba'
  • Max Pechstein: Bild "Morgen am Mühlengraben, Leba"
Sinn mehr auf das Gegenteil. (…) Wir sollen in jeder Blume den lebendigen Geist sehen, den der Mensch hineinlegt, und dadurch wird die Landschaft entstehen." Mensch und Objekt seien in der Malerei ebenbürtig: "Kann ich den fliehenden Mond nicht ebenso festhalten, wie eine fliehende Gestalt, die einen Gedanken bei mir erweckt, und wird jener nicht ebenso ein Kunstwerk?" Einige Beispiele für Landschafts-Darstellungen aus verschiedenen Epochen finden Sie bei ars mundi: In stimmungsvolles Licht getaucht wie vom Impressionisten Claude Monet, ausdrucksstark und farbintensiv wie vom Expressionisten Max Pechstein oder aus zeitgenössischer Perspektive wie von Armin Mueller-Stahl, Anja Struck oder Ben Kamili.

  • Ben Kamili: Bild 'Sylt Morsum-Kliff
  • Ben Kamili: Bild "Sylt Morsum-Kliff"
KARTOFFELN UND KUNST
Die Kunst muss die Funktion einer Kartoffel übernehmen. Der Maler Jörg Immendorff hat dieses ironisch klingende aber ganz und gar ernst gemeinte Bonmot geprägt und propagierte damit, dass die Kunst als gesellschaftliches Grundnahrungsmittel anerkannt werden sollte.

Diese Idee von der Kunst als unverzichtbarer Energielieferant ist sehr überzeugend und wir möchten Sie mit Ihnen teilen! Denken Sie immer, wenn Sie ein Kartoffelgericht essen auch an die Kunst - das zweite Grundnahrungsmittel! Guten Appetit!



DIE MODERNE KUNST
IST EINE KUNST DER FREIHEIT
Sie löste sich, beginnend im 19. Jahrhundert, mehr und mehr von kunstakademischen Zwängen und Vorgaben und suchte sich fortan eigene Regeln, eigene Themen und eigene Materialien. Sie kommt vielfältiger und unterschiedlicher daher, als es in allen Kunstepochen zuvor gewesen war. So können sich heute Künstler wie Uecker für ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Material entscheiden, ein anderer wie Vasarely hingegen für einen mathematisch errechneten, präzisen Bildaufbau oder, wie Wunderlich und Miró, mythische und fantastische Themen völlig neu interpretieren. Die moderne und die zeitgenössische Kunst ist ein weites Feld der Gleichzeitigkeit, in der die Kunst so individuell geworden ist wie die jeweilige Künstlerpersönlichkeit.

Aber nicht nur die Kunst selbst hat sich seither verändert, sondern auch die Freiheit des Kunstbetrachters und sein persönlicher Blick auf das Werk. Er rückt, ähnlich wie die Persönlichkeit der Kunstschaffenden, in den Mittelpunkt. Und es ist jenseits akademischer Einordnung und Interpretation seine - und damit Ihre - Faszination für ein Werk, die die entscheidende Rolle spielt.
Die Werke Carl Spitzwegs (geboren 1808) sind zum Inbegriff der Malerei der Biedermeierzeit geworden und erfreuen sich heutzutage größter Beliebtheit. Zu Lebzeiten entwickelte sich das Geschäft mit der Kunst für Spitzweg allerdings nur schleppend. Nach einem Studium der Pharmazie, Botanik und Chemie hatte er sich entschlossen, ohne jede künstlerische Ausbildung Maler zu werden. Dies konnte er sich dank einer großen elterlichen Erbschaft leisten. Er verkaufte zwar hin und wieder einige Werke, doch erkannte selbst: "Ich seh's schon, wenn ich von der Malerei leben müsste, ging mir's schlecht." Der große Erfolg blieb ihm wohl auch verwehrt, weil er sich nicht wie üblich auf eine romantische Darstellung seiner Umwelt beschränken wollte.
Stattdessen waren seine Arbeiten bei aller vordergründigen Idylle immer auch leicht ironische Studien seiner Zeitgenossen. In seinen Gemälden, aber auch in der Satirezeitschrift "Fliegende Blätter" nahm er mit feinem Humor die Absurditäten des spießbürgerlichen Alltags und des politischen Geschehens aufs Korn. Spitzweg tat dies aber nie offen höhnisch oder abwertend, sondern versteckte seine Kommentare in geschickt eingesetzten Symbolen, Doppeldeutigkeiten und Andeutungen. Deshalb lohnt es sich immer, bei Spitzwegs Werken genauer hinzusehen, denn das ein oder andere Mal erzählen sie kleine, augenzwinkernde Geschichten.

Einige davon können Sie bei uns im Online-Shop entdecken.
WAS ZÄHLT, IST DAS WERK
"Bilde, Künstler, rede nicht" hat Johann Wolfgang von Goethe seinen Dichterkollegen ins Stammbuch geschrieben. Gemeint war, sie mögen im Umgang mit dem Wort präzise aber zurückhaltend sein und unnötig erläuternde Ausführlichkeit vermeiden wo treffende Kürze ausreicht. Das gelungene Werk steht für Goethe am Ende ohnehin ganz allein für sich.

In der bildenden Kunst ist es ähnlich. Zwar kennt man auch hier zahlreiche programmatische Schriften, Selbsterklärungen, Manifeste und Konfessionen und auch die Autobiografien der Künstlerinnen und Künstler sind für die Kunstwissenschaft in dieser Hinsicht oft sehr ergiebig. Natürlich ist es überaus interessant zu wissen, welchen vorbereitenden Gedanken ein Maler oder eine Bildhauerin bei der Arbeit folgt, wie ein Künstler sich zur Kunstgeschichte stellt und welche theoretische Idee von der Kunst er überhaupt hat. Aber auch hier gilt: Was zählt, ist das Werk. Der Betrachter kann mit akademischem Interesse an Bild oder Skulptur herantreten und er mag sich zuvor mit seinem gedanklichen Hintergrund beschäftigt haben - oder auch nicht. Große Kunst ist nicht zuletzt daran zu erkennen, dass sie auch ohne all dies und aus sich selbst heraus zum Betrachter spricht. Und ihn ebenso - aus sich selbst heraus - von sich überzeugt.
NUR TEUER IST GUT?
Sie haben es in den Medien verfolgt? Seit November 2017 gibt es einen neuen Spitzenreiter in der Rangliste der teuersten Gemälde. Leonardo da Vincis "Salvator Mundi" wurde von Christie’s für 450 Millionen Dollar an Prinz Bader bin Abdulla bin Mohammed bin Farhan al-Saud versteigert - ein Preis, der mehr als doppelt so hoch lag wie der des bisherigen Spitzenpreises für Picassos "Les femmes d’Alger". Allein die Auktionsgebühr betrug 50 Millionen Dollar; eine Summe, die 1987 noch gereicht hätte, um das seinerzeit teuerste Werk (van Goghs Schwertlilien) zu ersteigern. Das zeigt: Bei den Spitzenwerken gibt es derzeit nur eine Preisentwicklung, und die geht steil nach oben. Man kann das durchaus mit Sorgen sehen, denn in diesen Preisregionen haben selbst die größten Museen kaum noch die Chance mitzubieten; spektakuläre Auktionen sind heute ein Spielfeld schwerreicher Privatsammler. Aber auch der Wert der Museumsbestände steigt. Ein Problem für uns alle - denn die Versicherungswerte für Leihgaben zu Sonderausstellungen klettern ins Unbezahlbare.

Die gute Nachricht: Der Markt entwickelt sich auch jenseits dieser luftigen Höhen günstig. Wer heute Kunst sammelt und dabei geschickt vorgeht, kann mehr denn je auf Wertzuwachs hoffen. Das gilt nicht nur für signierte Unikate, sondern auch für limitierte Editionen. Und wenn es denn ein da Vinci, ein Picasso oder ein van Gogh sein soll: unsere hochwertigen Reproduktionen großer Kunstwerke werden Ihnen in Zukunft gewiss keine Millionensummen einbringen, aber die Möglichkeit, sie in vom Original kaum zu unterscheidenden Darstellungsqualität zu genießen - und dies sofort und auf Dauer. Salvator Mundi können Sie künftig im Louvre Abu Dhabi bewundern. Gute Reise.
LEBENSFREUDE IN FARBE

Wenn zum Winter hin die Tage immer kürzer werden, wird es nicht nur früher dunkel, sondern es schwinden auch die Farben. Die Palette der Natur, im Herbst mit bunten Tupfern aller Couleur besetzt, bietet nun weit weniger davon, und an manchen Tagen wird sie von Grautönen bestimmt.

Wissenschaftlich ist längst erwiesen, dass Licht und Farbe großen Einfluss auf die Stimmung des Menschen haben können. Ein Glück also, dass es auch die Paletten der Maler gibt. Die Maler nämlich wussten dies immer schon sehr genau. Das gelborange Licht der Normandie, wie es Émile Bernard einsetzt, ist Farbwahl und Stimmungswahl zugleich. Und als Gabriele Münter nach Jahrzehnten wieder nach Murnau zog, wo sie bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts mit Kandinsky gelebt hatte, schlug sie die Landschaft am Staffelsee erneut in den Bann. Die leuchtenden Farben ihrer Bilder lassen den Betrachter noch heute an ihrem Glück teilhaben.

Pablo Picasso: Die Freude des Lebens'
Pablo Picasso: "Die Freude des Lebens"




Das beste Beispiel für den Zusammenhang von Stimmung und Farbe aber stellt Picassos "Freude am Leben" dar. Als der Maler im Jahre 1946 eine glückliche, produktive Zeit in Antibes an der Côte d’Azur verbrachte, hellte sich alsbald auch seine Farbpalette auf - und er malte diese neue Lebensfreude als Tanz in Weiß, in Gelb und in hellen wie dunklen Blautönen. Das Glück ist Licht und Farbe - und die Möglichkeit, sie in der Kunst zu betrachten, bei jedem Wetter und in jeder Jahreszeit.



DER HERBST DES LEBENS
Der Herbst ist im Jahresverlauf die Zeit der Ernte. Das Wort bezeichnet jedoch häufig auch einen Lebensabschnitt. Den "Herbst des Lebens" hat in diesem Sinne ein Künstler erreicht, wenn er in höherem Alter zu großer künstlerischer Reife gelangt ist oder reiche Anerkennung erfährt, sei es in Gestalt von Preisen, akademischen Titeln oder internationalem Ruhm, den er sich mit seiner Lebensleistung erarbeitet hat.


Vielen großen deutschen Künstlern der Moderne wurde das nach 1933 durch die politische Situation in Deutschland verwehrt. Eines unter vielen Schicksalen ist das von Max Pechstein. Bereits im Jahr 1933 verlor er seine Professur, 1937 wurden - da war er 56 Jahre alt - 326 seiner Bilder konfisziert und als entartet diffamiert. Und der 63jährige Pechstein musste schließlich noch erleben, wie ein Teil seines Lebenswerkes 1944 verbrannte.


Andere Künstler (zum Beispiel Ernst Barlach) erlebten das Kriegsende und ihre künstlerische Wiederentdeckung nicht mehr. Pechstein aber war immerhin ein goldener Spätherbst vergönnt: Die Nachkriegszeit sah ihn als Professor an der Universität der Künste Berlin, als Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland und des Kunstpreises des Senats der Stadt Berlin.
KÜNSTLERGEBURTSTAGE
Künstlergeburtstage werden gerne von Zeitungsartikeln und Ausstellungen begleitet, die Leben und Werk des Jubilars würdigen.

Wann aber wird ein Künstler "wirklich" geboren? Wenn die ersten Werke die Öffentlichkeit erreichen? Das wäre schwierig, Nolde z.B. veröffentlichte zunächst Postkarten und Macke wirkte als Bühnenbildner.
Ist es die erste Ausstellung? Die ist oft unspektakulär. Bleibt schließlich der Durchbruch als Künstler, bei Nolde also vielleicht die Ausstellung in der Galerie Arnold in Dresden im Jahre 1906, bei der er mit den Künstlern der "Brücke" in Kontakt kam und bei Macke die Sonderbundausstellung in Köln im Jahre 1912. Man sieht: Künstler haben mehrere"Geburtstage", und der biologische ist darunter gewiss nicht der wichtigste.
GEMALTER FRÜHLING
Der Dichter hat es einfacher: Ihm reichen für die Beschreibung des Frühlings ein paar Chiffren und Metaphern (Blaues Band, Harfenton...) und vielleicht der Hinweis, dass angesichts der ausschlagenden Bäume nur der Ignorant mit Sorgen zu Hause bleibt. Und das kann er auch tun, während er in seiner Klause sitzt.

Für den Maler ist es komplizierter. Will er den Frühling “beschreiben“, ohne sich auf kunsthistorisch vertraute mythologische Konzepte (die blütenverteilende Flora, der linde Zephyr) zu beschränken, muss er tatsächlich hinaus in die Welt. Das Sujet ist in der Moderne eines der Freilichtmalerei (“pleinair“), keines des Ateliers. Der Maler begibt sich auf eine Reise in den Frühling, indem er die Staffel auf den Rücken schnallt und ins Freie tritt. Das gilt besonders für die Impressionisten. Monet, Manet und Renoir nahmen den Frühling mit allen Sinnen wahr, während sie ihn auf die Leinwand brachten. Sie malen also ein konkretes Erlebnis, das der Betrachter noch heute mit eigenen Sinnen nachvollziehen, ja nacherleben kann.
MODERN STYLE, SECESSION, ART NOUVEAU
UND JUGENDSTIL
An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert veränderte eine neue Denkweise die Kunst in vielen Ländern Europas - in England unter dem Namen "Modern Style", in Frankreich unter "Art Nouveau", in Österreich unter "Secession" und in Deutschland unter "Jugendstil" bekannt. Alle Bewegungen einte die Kritik am geschichtsverhafteten Kunstverständnis des Historismus. Statt auf ältere Stile zurückzugreifen, solle die Kunst den Zeitgeist
Mit der ideologischen Wende verband sich zudem der Anspruch, die Trennung zwischen den sogenannten hohen Künsten wie Bildhauerei, Architektur und Malerei und der Gebrauchskunst von Möbeln, Geschirr, Schmuck oder Mode aufzuheben. Die Kunst sollte den gesamten Alltag durchdringen und dabei für jedermann erschwinglich sein. In der künstlerischen Gestaltung dominierten florale Ornamente und geschwungene Linien als Ausdruck
widerspiegeln. "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit" war beispielsweise das Motto der Wiener Secession, der Schriftsteller Hermann Bahr formulierte es mit den Worten: "Wir sind keine Barock-Menschen und wir leben nicht in der Renaissance. Warum sollten wir so tun, als ob es so wäre?"
einer großen Naturverbundenheit. So schrieb der "Art Nouveau"-Künstler Hector Guimard: "Es ist die Natur, die man stets um Rat fragen muss."
NEUJAHRSTAGE DER KUNST
Der Neujahrstag ist so etwas wie der Symboltag der Kunst, lebt doch gerade die Kunst von den Anfängen. Große Künstler sind die, die neue Wege zu begehen versuchen. Und so gibt es immer wieder so etwas wie die Neujahrstage der Kunst, an denen sie eine noch völlig offene Richtung einschlägt und womöglich auch eine neue “Zeitrechnung“ einführt. Das lässt sich zwar in den seltensten Fällen kalendarisch genau bestimmen, wird aber in all jenen -ismen ablesbar, von denen die Kunstgeschichte so gerne spricht.

Die wirklich großen Künstler lassen sich in solchen kunsthistorischen Grobmustern kaum fassen. Rodin nahmen schon die Zeitgenossen deutlich als zukunftsweisenden, neue Perspektiven öffnenden Künstler wahr. Bei Wilhelm Lehmbruck ist es ähnlich. Er war in großer Bewunderung Rodins ebenfalls ein Neuerer, aber wenn in der Kunsthistorie dann von “expressionistischer Bildhauerei“ zu lesen ist, ist all dies eine Kategorisierung im Nachhinein. Lehmbruck war in erster Linie ein Bildhauer, der in seiner Zeit den Mut aufbrachte, abzuweichen, Neues zu tun.
MALEREI UND BILDHAUEREI

'Werke von Auguste Renoir'
Auguste Renoir:
Bild "Die großen Boulevards" und Skulptur "Mutter und Kind"
Für Michelangelo war es noch selbstverständlich, Maler und Bildhauer zugleich zu sein, er gilt bis heute in beiden Kunstformen als eines der größten Genies. Für die Künstler späterer Zeiten sollte sich das ändern. Sie waren das eine oder das andere, und die Kunsthochschulen und Akademien hielten in ihren Klassen die Disziplinen streng getrennt. Erst im zwanzigsten Jahrhundert wurde es wieder selbstverständlich, sowohl auf Leinwand und Papier als auch in der dritten Dimension zu arbeiten. Es ist geradezu eines der Kennzeichen der Moderne, dass sich Maler wie Picasso, Beckmann, Immendorff, Lüpertz und Chagall mit Begeisterung auf das Experiment mit Ton, Holz und Metall einließen und damit auch der Bildhauerei neue Impulse verliehen.


Renoirs “Mutter mit Kind“ aus dem Jahr 1916 ist ein frühes Beispiel für diesen Aufbruch. Es orientiert sich noch stark an der Arbeit Renoirs als Maler und Zeichner; das Motiv entstammt einem alten Skizzenblock. Und doch ist das Werk, bereits von der akademischen Bildhauerei seiner Zeit abgerückt. Es zeigt den Beginn einer Suche nach neuen Ausdrucksformen, die die nächstfolgende Künstlergeneration zu gänzlich neuen Perspektiven führen sollte - und es ist ein sehr persönliches Objekt, zeigt es doch seine im Jahr zuvor verstorbene Frau Aline mit seinem erstgeborenem Sohn Pierre.
IKONEN DER KUNSTWELT
Es gibt Kunstwerke, die zu Ikonen geworden sind: Die Mona Lisa gehört dazu, die Sonnenblumen van Goghs, Munchs Schrei oder die Nike von Samothrake. Und gerade weil sie Ikonen sind, sind sie auch geliebte Gegenstände künstlerischer Auseinandersetzung. Die Bandbreite ist dabei groß. Sie geht von der dezenten Anspielung bis hin zur offenen Parodie.

Die Bearbeitung einer solchen Ikone kann darauf vertrauen, dass der Betrachter die Vorlage genau kennt und daher die gewollte künstlerische Abweichung von ihr unmittelbar versteht.
Sie kann dabei selbst wiederum zur Ikone werden, wie es bei Andy Warhols seriellen Lithografien der Mona Lisa der Fall ist. Vor allem aber stellt eine solche Bearbeitung das Original mit aller Kraft in die Gegenwart - in Warhols Fall in die moderne Zeit der industriell geprägten Massenkultur. Ähnlich ist es bei der Bearbeitung der Nike, bei der sie ganz im Geiste der Pop-Art mit einem knallbunten Überzug aus Autolack in neuem Gewand erscheint. Der neue Blick auf das ikonische Original, den eine solche Arbeit ermöglicht, ist natürlich zugleich eine tiefe Verbeugung vor dem künstlerischen Original. Womit wir am Ende dazu kommen, was denn eigentlich ein Kunstwerk zur Ikone macht. Denn es ist nicht allein die Meisterschaft seiner Ausführung oder der Grad der Bekanntheit, die es erreicht hat. Es ist auch die Unverwüstlichkeit, mit der es Zeiten und Kunstepochen übersteht.
VON DER VERGÄNGLICHKEIT DER FARBEN

Auch an dieser Stelle haben wir schon von der Schönheit der Farben gesprochen. Sprechen wir hier jetzt von ihrer Vergänglichkeit. Denn je nachdem, welchen Umweltbedingungen ein Kunstwerk ausgesetzt ist und welche Pigmente Grundlage seiner Farben sind, kann es sich sehr verändern. Das vielleicht berühmteste Beispiel ist Rembrandts sogenannte "Nachtwache“, die eine Nachtwache nie war und nie sein sollte. Der eigentliche Titel lautet "Die Kompagnie des Frans Banning Cocq". Als "Nachtwache" wurde es erst zweieinhalb Jahrhunderte nach seiner Entstehung bezeichnet - zu einem Zeitpunkt, als das Bild bereits so sehr nachgedunkelt war, dass man in einigen Bildbereichen nur noch Schemen erkennen konnte. Erst seit 1975, nach der letzten großen Restaurierung, hat es annähernd wieder das ursprüngliche farbliche Erscheinungsbild. Aber Farben dunkeln nicht nur nach, sie verändern sich auch. Ein berühmtes Beispiel dafür erregte vor
einiger Zeit die Kunstwelt und brachte es als Nachricht bis auf die ersten Seiten der großen Zeitungen: Van Goghs "Schlafzimmer in Arles". Das Bild zeigt den Raum mit blauen Wänden, und das, obwohl der Künstler in seinen Briefen immer wieder von seinen lila Wänden sprach. Hier war es nicht der Staub der Jahrhunderte, sondern die Wirkung des UV-Lichts, die aus der Ursprungsfarbe ein blasses Blau machte - und überdies das berühmte Gelb van Goghs allmählich ins Grünliche verschiebt. Es zeichnen sich also große Aufgaben für die Restauratoren ab, und auch die Beleuchtung in Museen wird zum noch dringenderen Thema werden. Für hochwertige ars mundi Reproduktionen stellt sich das Problem glücklicher Weise nicht. Hier kommen moderne Farben zum Einsatz, die auch über lange Zeiträume farbstabil bleiben.
190 BUNTE BLUMEN

'Der Frühling' von Sandro Botticelli

Es gibt unzählige Darstellungen des Frühlings in der Kunstgeschichte.
Eine der berühmtesten, wenn nicht die berühmteste überhaupt, stammt von Sandro Botticelli und entstand zwischen 1477 und 1482. Das heute in den Uffizien zu bewundernde Werk "Der Frühling" ist wahrlich erstaunlich. Und das nicht nur aufgrund der genialen Malkunst, die Botticelli
aufbietet, um renaissancetypisch gleich eine ganze Reihe von Figuren der griechischen Mythologie auf die Leinwand zu bringen: Man sieht die drei Grazien im Frühlingsreigen, Amor und Venus, die blumenstreuende Flora und Zephyr, der den jahreszeitlich typischen Westwind bläst.
Die Ausdeutung dieses Meisterwerkes hat zahlreiche Interpreten beschäftigt, die zu ganz unterschiedlichen, bisweilen einander widersprechenden Ergebnissen kamen. Eine andere Blickrichtung ist aber nicht weniger interessant. Folgt man der Forschungsliteratur, so finden sich auf Botticellis großformatigem Frühlingsbild etwa 190 verschiedene Blumenarten, von denen 130 eindeutig identifiziert werden können. Die Erzählung des Bildes mag mythologisch sein, die Szene hingegen ist von großer Naturnähe und botanischer Genauigkeit, auch wenn nicht alle diese Blumen tatsächlich Frühlingsblumen sind. Hier mag die künstlerische Freiheit greifen - auf jeden Fall erfreut Botticelli mit einer üppigen, detailliert dargestellten Blütenpracht, die der Betrachter womöglich zum Teil in seinem eigenen Garten wiederfindet. Und so kann man Botticellis "Frühling“ auch als Frühlingsgruß verstehen, der über mehr als ein halbes Jahrtausend reicht.
ZWEI REVOLUZZER - RODIN UND MONET
Ein Jahrgang, zwei Weltkünstler - ja mehr noch, die beiden wurden im Abstand von nur zwei Tagen im November 1840 in Paris geboren. Monet und Rodin hätten also gemeinsam die Schulbank drücken können, um sich dort zu verabreden: Wir machen es so - Du revolutionierst dereinst die Bildhauerei, ich die Malerei. So war es natürlich nicht. Aber immerhin, es verband sie eine enge Freundschaft. Wann sie genau begann, wissen wir nicht (sicherlich weit vor 1889, als ihr Werk in einer gemeinsamen Ausstellung präsentiert wurde), sie dauerte aber nachweislich bis zum Tod Rodins im Jahre 1917 an und war
geprägt von größter gegenseitiger Wertschätzung. Monet bezeichnete Rodin als “den Großen unter den Großen”, während Rodin Monet seinerseits seine andauernde Bewunderung versicherte, sei er doch der Künstler, der ihm das Licht, die Wolken, die See und die Kathedralen zu verstehen geholfen habe. 2015 feierte die Kunstwelt den 175. Geburtstag der beiden.

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DIE VIER JAHRESZEITEN

Glaubt man Vincent van Gogh, ist der Sommer für einen Maler die schwierigste, herausforderndste Jahreszeit. Jedenfalls berichtet er an seinen Bruder Theodor (im dritten Band seiner “Sämtliche Briefe”, Seite 182-183): “Aber ich meine, es ist nicht leicht, eine Sommer-Sonnenstimmung zu finden, die ebenso reich und einfach und ebenso schön anzusehen ist, wie die charakteristischen Stimmungen der anderen Jahreszeiten. Der Frühling ist zartes, grünes Korn und rosa Apfelblüten. Der Herbst ist der Kontrast des gelben Laubes gegen violette Töne. Der Winter ist der Schnee mit den schwarzen Silhouetten.“

Der undatierte Brief stammt aus der Zeit zwischen Dezember 1883 und November 1885. Später hat sich van Gogh unter der sengenden Sonne mit Vorliebe dem flirrenden Sommerlicht Südfrankreichs gewidmet - und nicht zuletzt diese Bilder sind es, die seinen Ruhm begründeten. Interessant ist nun, dass sich seine “Lösung“ bereits im zitierten Brief findet, ja er darin eine
ganze Farbtheorie der Jahreszeiten präsentiert: “Wenn nun der Sommer der Gegensatz von blauen Tönen gegen ein Element von Orange im Goldbronzeton des Korns ist, könnte man so in jedem der Kontraste der Komplementärfarben (Rot und Grün, Blau und Orange, Gelb und Violett, Weiß und Schwarz) ein Bild malen, das die Stimmung der Jahreszeiten gut ausdrücken würde.“ - man hat unmittelbar etliche Bilder aus seinem berühmten Spätwerk vor Augen, die wogenden gelborangen Getreidefelder unter tiefblauem Himmel.

Blau und Orange also waren für Vincent van Gogh die Farben des Sommers. Welche auch immer die Ihren sind (indem sie etwa als blühende Pflanzenpracht Ihren sommerlichen Garten dominieren) - genießen Sie die Jahreszeiten und genießen Sie die Kunst von ars mundi.

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SCHMIEREREIEN
MIT GESCHREI UND GELÄCHTER...

In der Kunst aber erweist sich der Anfang als besonders schwierig, vor allem dann, wenn die Künstler auf der Suche nach einer neuen Bildsprache sind.

Zwei Beispiele: Die erste Ausstellung der nachmaligen “Impressionisten“ im Paris des Jahres 1874, an der unter anderem Monet, Renoir, Cézanne und Degas teilnahmen, erwies sich als großer Misserfolg. Die dort ausgestellten Werke (auch das der Kunstrichtung den Namen gebende “Impression, Sonnenaufgang“ von Claude Monet) galten als “unfertige Schmierereien“, die so mancher Kritiker am liebsten von den Wänden gerissen hätte. Edvard Munch ging es bei seiner ersten Ausstellung in Oslo nicht anders: “Pubertät“ und “Das kranke Kind“ wurden in einem Sonderraum präsentiert, aus dem, wie Munch berichtet, ständig Geschrei und Gelächter drang.

Es sollte bekanntlich nicht so bleiben. Die “Schmierereien“ der Impressionisten gelten längst als unerschwingliche Marksteine der künstlerischen Moderne. Auch Munchs überragende Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts ist längst anerkannt. Eins seiner Werke führte eine Zeitlang die Liste der teuersten Gemälde an: Sein berühmter “Schrei“ erzielte einen Auktionspreis von nahezu 120 Millionen Dollar!

Was übrigens nicht bedeutet, dass die genannten Meisterwerke nicht dennoch von den Wänden gerissen werden: Monets “Impression“ wurde 1985 aus dem Musée Marmottan gestohlen, die Osloer Version des “Schreis“ 2004 aus dem Munch Museum Oslo. Beide kehrten glücklicherweise nach einigen Jahren an ihren angestammten Museumsplatz zurück.
BILDER EINER AUSSTELLUNG

Bilder einer Einstellung Wer sich nachgemachte Klassiker
ins Wohnzimmer hängt, hat keinen Stil?
Diese Meinung gehört ins Museum.
Ein Lob der Kopie.

VON WOLF SCHNEIDER


Riskieren Sie es mal, bei einem Abendessen mit Menschen in Grünwald oder Hamburg-Blankenese zu erzählen, Sie hätten sich eine Reproduktion von van Goghs Roten Weinbergen bei Arles über den Schreibtisch gehängt: Sie liebten das Bild, und der Weg nach Moskau ins Puschkin-Museum sei doch ein bisschen weit.

Was werden Sie erleben? Einige in der Runde werden verstohlen lachen - andere Sie belehren: Reproduktionen, die seien was für Leute, die sich eine Reise nach Moskau nicht leisten könnten, Studenten zum Beispiel, für Arme also und Banausen. Der wahre Kunstfreund halte sich ans Original, ans Echte eben, seine Aura, die Begegnung mit dem Pinselstrich.

Sie kennen das alles aus gehobenen Feuilletons, sagen Sie, und Museumsdirektoren müssten ja so reden, aber fällt denn keinem auf, dass die heftigsten Prediger der Einzigartigkeit jene Kunsthändler und Auktionshäuser sind, die mit Originalen Millionen verdienen? Immerhin, da stutzen einige. Und Sie drohen einfach an, beim nächsten gemeinsamen Abendessen würden Sie "das Original als solches" vollständig zersäbeln.

Sie informieren sich also und könnten beispielsweise so beginnen: Ich habe zwei Ohrfeigen mitgebracht. Die erste: In der bildenden Kunst kann der Experte die nahezu perfekten Reproduktionen von heute erst aus der Nähe, der Laie meist überhaupt nicht vom Original unterscheiden - und wenn, beeindruckt ihn das nicht. Stört es denn die Hunderttausende, die in Florenz auf der Piazza della Signoria den David bewundern, dass sie mit einer Kopie vorliebnehmen müssen? Sie ist 1910 entstanden, um das Monumentalwerk des Michelangelo vor weiterer Verschmutzung zu schützen (es steht im Museum) - und zwar dadurch, dass ein Bildhauer einen Gipsabdruck vom Original mit einem Punktiergerät abtastete und es zentimetergenau in Marmor nachformte. Auf der Piazzale Michelangelo steht sogar ein dritter David, in Bronze!
 
Ausstellung 'Originalidentisch' im Kunsthistorischen Museum Wien
Ausstellung "Originalidentisch" im Kunsthistorischen Museum Wien


Und damit bin ich bei der zweiten Ohrfeige: Was ist denn das überhaupt, ein "Original"? Findet der Bronzeguss nämlich im Auftrag des Künstlers statt, so haben auch mehrere Exemplare "den Rang des Originals", sagt der Brockhaus. Die sogenannten Originalgrafiken werden sogar im Dutzend gehandelt - und falls sie vom Künstler signiert sind, bekommen wir es flugs mit zwanzig oder dreißig "Originalen" zu tun. Hat Andy Warhol mit seinen Siebdrucken, von Konservendosen bis zur Mona Lisa, nicht aus der Serienproduktion ein in der Branche akzeptiertes Geschäftsmodell gemacht?
Und könnt ihr mir mal erklären, was in der Musik das Original sein soll: die Partitur - oder die hundert Arten, wie die Orchester sie zum Klingen bringen? In den anderen Künsten wird um das Original nicht so viel Gewese gemacht. In der Literatur wollen wir doch gar nicht erst mit ihm behelligt werden: Wer liest schon tausend Seiten Handschrift von Thomas Mann?

Aber nun der Hammer: Das Original kann uns geradezu erschrecken! So geschehen 1988. Da war das Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle, Michelangelos Erschaffung Adams, acht Jahre lang mit höchster Akribie restauriert worden - und die Farben traten mit einer Frische, ja mit einer Bilderbuch-Buntheit hervor, die viele Kunstfreunde verstörte; die Patina hatten sie als echter empfunden. Die "Aura" war futsch!

Müssen wir ihr nachtrauern, wenn sie uns neuerdings ausdrücklich vorenthalten wird? Seit 1879 in der Höhle von Altamira an der Nordküste Spaniens die fantastischen Deckenmalereien aus der Steinzeit entdeckt worden sind, haben die Ausdünstungen der allzu vielen Besucher die Gemälde schon so beschädigt, dass die Höhle 1979 für alle Neugierigen gesperrt worden ist. In dem nahen Städtchen Santillana del Mar können wir die exakten Nachbildungen bewundern - nicht mit krummem Rücken und in ungleich besserem Licht. "Die Frage 'Kopie oder Original' ist im Zweifelsfall dem Publikum egal", resümierte der Kunstkritiker Reinhard J. Brembeck 2007 in der Süddeutschen Zeitung.
 
Ausstellung 'Originalidentisch' im Kunsthistorischen Museum Wien
Ausstellung "Originalidentisch" im Kunsthistorischen Museum Wien  


Für Museen, Galerien, Kunsthändler war das natürlich eine schlimme Entwicklung. Für die Lebenden unter den Künstlern auch. Sie hat ja noch die beiden Zeitströmungen verstärkt, die seit dem 19. Jahrhundert die soziale Geltung der Maler dramatisch vermindert haben: Gott, Jesus und Maria sind längst tausendfach gemalt und ihre Anbeter weniger geworden; die Fotografie hat die Alleinstellung des Porträts zerstört, für das Päpsten, Kardinälen, Fürsten, Patriziern einst nichts zu teuer gewesen war. Schon gar nicht mehr gibt es Aufträge wie den, den Maria von Medici 1621 dem Peter Paul Rubens erteilte: die Geschichte ihres Lebens in 21 Bildern! Auf ebenso viele kolossale Leinwände hat Rubens den Zyklus gedonnert, im Louvre wollen sie abgeschritten sein. Und störte es damals irgendjemand, dass Rubens selbstverständlich eine Schar von Gehilfen und Schülern hinzugezogen hatte?

Heute braucht die Malerei zum Überleben ihre Prediger. Sie tun das Äußerste, um "die emotionalen Qualitäten des Originals" herauszustreichen, das Zeitkolorit, das Fluidum, die Unwiederholbarkeit. Für die 107 Millionen Dollar, die das Auktionshaus Sotheby’s im Mai für den Schrei des Edvard Munch erzielte, konnte man schon mal in die Tasten greifen: Originale sind ganz unbeschreiblich wichtig, und wer sich mit einer Reproduktion begnügt, ist ein Ignorant.

Aber die Vernunft bricht sich Bahn. Über kunstsammelnde Milliardäre wie den Käufer des Schreis schrieb die SZ , sie hätten "die Preise am Kunstmarkt in absurde Höhen getrieben. Oft entspringt die Begeisterung für Kunst einem nüchternen Kalkül: Wer teure Werke kauft, verschafft sich Anerkennung in den feinsten Kreisen der Gesellschaft". Da liegt der Hund begraben.

Wenn aber das Original wirklich so unglaublich viel wert wäre: Müssten wir alle - müsste die Weltgemeinschaft der Kunstfreunde sich nicht dagegen empören, dass ein Einzelner den Schrei herrisch an sich reißen durfte und ihn wegschließt für immer? Sollten wir uns nicht geradezu bemühen, die Stimmung umzudrehen - also zu verkünden: Schön, dass die Technik das Original fast entbehrlich gemacht hat! Genießen wir sie, diese prachtvollen Reproduktionen. Muss es denn dabei bleiben, dass die mehr als 800 Werke van Goghs auf sage und schreibe 171 Museen in allen Kontinenten verteilt sind? Wer soll die alle besuchen? Ich wünsche mir das eine Van-Gogh-Museum mit Reproduktionen seiner sämtlichen Bilder! Handle, Unesco! Auslachen würde Sie da keiner mehr.
KUNST ALS AUFTRAG

Wir lieben Kunst - und das schon seit über 65 Jahren. Warum? Gibt es etwas Schöneres, als fast ausnahmslos mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ihre Arbeit lieben? Mit Künstlern, die ihre Werke und ihre Weltsicht mit Ihnen teilen und Ihnen vermitteln möchten, mit Galeristen, die sich für die von ihnen vertretenden Künstler vehement engagieren und nicht zuletzt mit Museen, Stiftungen und Gesellschaften, die das Vermächtnis großer Künstler mit Ernst und großer Leidenschaft vertreten.

Durch die Zusammenarbeit mit Stiftungen und Kunstvereinen können wir Ihnen exklusive, zertifizierte Editionen großer Kunstwerke anbieten - etwa Bronzen Ernst Barlachs, die wir mit der “Ernst Barlach Gesellschaft“ in Wedel realisieren konnten. Sie stellen mittlerweile eine stattliche Sammlung dar, sind als streng limitierte Editionen unter Kunstsammlern sehr begehrt, denn eine ähnliche Zusammenstellung von Originalen und Güssen zu Lebzeiten Barlachs wäre - wenn überhaupt möglich - kaum finanzierbar gewesen.
Kooperationen wie diese münden also in einer klassischen "win-win"-Situation: Den Stiftungen ermöglichen sie, Kunstwerke zu besitzen, die sonst unerreichbar blieben.

Bei ars mundi finden Sie die Ergebnisse einer neuen, fruchtbaren Zusammenarbeit: Gemeinsam mit der "Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde" haben wir die exklusiven, limitierten Bronzegüsse der "Java-Tänzerin" von Emil Nolde realisiert. Der große Expressionist gestaltete sie auf einer Reise nach Neuguinea in den Jahren 1913/1914.
ANDY WARHOL -
"THIRTY ARE BETTER THAN ONE"
Dreißig sind besser als eine - hat Andy Warhol seine dreißigfache Reproduktion der Mona Lisa genannt. Die Grundlage dafür war eine einfache Postkarte. Das Werk trug
Pinselstrich so genau "abgebildet", dass selbst Fachleute das Ergebnis vom Original kaum mehr unterscheiden können.
Anfang der 1960er Jahre wesentlich zu seinem Ruhm bei. Die Kunstwelt war begeistert, wohl auch, weil sie in Warhols Werken tiefschürfende Medientheorie bebildert sah. Man kann sich den Aufruhr, den Warhol mit seinem provokanten Kunstverständnis seinerzeit erzeugte, heute kaum mehr vorstellen. Und längst ist er selber zur Kunstikone geworden.
Im Kern hatte Warhol natürlich recht: "Dreißig sind besser als eine", dann jedenfalls, wenn eine hochwertige Reproduktion zur Verbreitung eines Kunstwerks beiträgt. Die Künstler selbst waren immer schon an entsprechenden Verfahren interessiert und setzten jede neue Technik bald auch in der Kunst ein. Schon Holzschnitt, Kupferstick und Lithografie waren ja beides zugleich: Ausdrucks- und Vervielfältigungsmittel.
Damit ist durchaus auch eine Kunstutopie verwirklicht - und wer sich an der Mona Lisa erfreuen will, muss sich nicht durch einen überfüllten Louvresaal kämpfen, um einen kurzen Blick durch fingerdickes Sicherheitsglas zu erhaschen.
Der Kult um das "Original", las man im Magazin der Süddeutschen Zeitung*, ist ohnehin fragwürdig. Es betrifft im Grunde einzig Museumsdirektoren, Großgaleristen, Auktionshäuser - und geldanlegende Multimillionäre. Und so schließt der Autor sein Lob der Reproduktion mit den Worten "Schön, dass die Technik das Original fast entbehrlich gemacht hat!"

*Wolf Schneider: Bilder einer Einstellung, SZ-Magazin 42/2012
Heute werden selbst Ölgemälde durch aufwändige Abbildungs- und Reproduktionsverfahren bis hin zu Farbauftrag und
KUNST IN OST UND WEST
1989 fiel in Berlin die Mauer die nicht nur zwei deutsche Staaten, sondern scheinbar auch zwei Kulturen trennte. Musik, Literatur und bildende Kunst durchliefen in den beiden Deutschlands getrennte und jeweils ganz eigene Entwicklungen. Doch wenn die Künstler in Ost und West auch unter sehr unterschiedlichen Bedingungen arbeiteten, ausstellten oder gar gefördert wurden - längst wird deutlich, dass die Künstler diesseits und jenseits der Mauer tatsächlich nie aufhörten, auch die “andere” Seite der geteilten Welt wahrzunehmen und sich mit den Werken ihrer dort arbeitenden Kollegen auseinanderzusetzen.
Die Lebensgeschichte kaum eines anderen Künstlers ist so stark von Ost und West geprägt wie die der Mehrfachbegabung Armin Mueller-Stahl. Aufgewachsen in Brandenburg, stand er später - in Welt-Berlin wohnend - auf der Ost-Berliner Volksbühne. Nach dem Mauerbau war er ein Aushängeschild des DDR-Films und ab Ende der 1970er Jahre ein berühmter Schauspieler des Westens. Er begeisterte außerdem als Musiker, Schriftsteller - und seit seiner ersten Ausstellung im Jahr 2001 vor allem als Maler. Wie Sie ihn auch bei ars mundi erleben können.
MIT FARBEN
DIE SEELEN IN SCHWINGUNGEN BRINGEN
Für die Physiker und die Neurologen ist die Sache klar: Farben ergeben sich aus der Wahrnehmung von Lichtwellenlängen. Reflektiert ein Gegenstand das Licht etwa im Wellenlängenbereich von 450 bis 482 Nanometer, erscheint er uns rot, zwischen 620 und 780 Nanometern blau.

In der Kunst stellt sich die Sache etwas anders dar. Angefangen mit Kalkweiß, Asche und Rötel lässt sich die Kunstgeschichte aus als eine fortlaufende Erweiterung des Farbspektrums erzählen. Neue Pigmente und Verfahren erweiterten die Paletten der Maler. Viele von ihnen waren auch Chemiker in eigener Sache und stets auf der Suche nach neuen Farbtönen, die neue Darstellungsmöglichkeiten ergaben. Das berühmte Tizianrot zum Beispiel - eigentlich eine Erfindung des Niederländers Jan van
Eyck - verdankt seine Strahlkraft der Bindung des roten Pigments mit Öl statt mit Ei. Und doch in der Moderne gab es Künstler wie Yves Klein, der sich einen von ihm entwickelten Ultramarinblau-Farbton gar patentieren ließ.

Vor allem aber sind Farben, gleichviel ob in der Natur oder in der Kunst, stets auch mit Emotionen und Empfindungen verbunden. Das spielt in der Kunst eine eminent große Rolle: Die Farbauswahl des Künstlers zielt häufig weniger auf Abbildungsgenauigkeit als auf eine Stimmung hin, die er zu erzeugen wünscht. Insofern bietet auch ars mundi nicht nur Kunst, Schmuck und Accessoires in tausenderlei Farben, sondern auch ein stimmungsreiches Bild der Welt der Kunst - als einer Welt, die die Seele in Schwingung versetzen kann.
AUF INS GRÜNE!
ÜBER LANDSCHAFTSMALEREI
Claude Monet: 'Spaziergang bei Argenteuil
Claude Monet: "Spaziergang bei Argenteuil"


Wenn Claude Monet Staffel, Leinwand und Palette zusammenpackte und hinaus in die Natur ging, war das für seine Zeitgenossen ein ungewohnter Anblick, denn das Malen unter freiem Himmel war zu seiner Zeit sehr unüblich. Monet war nicht der erste "plein-air"-Maler Frankreichs. Als der gilt Corot. Corot wagte den Schritt hinaus ein halbes Jahrhundert vor Monet. Das könnte man ja für erstaunlich halten, war doch die Landschaftsmalerei ein bedeutendes Genre. Aber naturalistische Genauigkeit wie bei den Niederländern spielte in ihrer Entwicklung im übrigen Europa selten eine Rolle. Zunächst waren Landschaften Bühnen für die jeweils in die eigene Heimat versetzten biblischen Geschichten, später etwa
sorgsam auf "heroische" Wirkung hin komponierte Idealszenen oder romantische Seelenlandschaften. Und als Maler wie Turner malerische Naturbeobachtung schließlich mit den exakten naturwissenschaftlichen Beobachtungen ihrer Zeit verbanden, ging es schon wieder mehr um die Auslotung von Lichteinwirkungen als um die Landschaft selbst - der Weg zum Impressionismus à la Monet war geebnet.
Denn am Ende ging es Monet nicht um eine "Abbildung“ der Landschaft. Ihm und seine Zeitgenossen war klar, dass die Kunst solche Aufgaben ohnehin bald der Fotografie überlassen könnte. Monet ging es um die Wirkung der Landschaft auf das betrachtende Auge, um das Zusammenspiel von Farbe und Licht, um Wahrnehmungsmuster. Die aber konnte er am besten vor Ort studieren.
KRISENFEST -
DIE GRIECHISCHE BILDHAUEREI
Alfred North Whitehead hat in einem vielzitierten Bonmot einmal die Geschichte der europäischen Philosophie als "eine Reihe von Fußnoten zu Platon" beschrieben. Für die europäische Kunstgeschichte ließe sich durchaus Vergleichbares formulieren: Platons Zeitgenossen haben sie so tief geprägt, dass über die Jahrhunderte hinweg die griechische Plastik etwa eines Phidias, Praxiteles oder Lysipp als nachzueiferndes, unerreichbares Vorbild galt.
Die anatomische Präzision beim Torso eines Waldgottes, der perfekt aus dem Stein gearbeitete Faltenwurf der Nike von Samothrake und die "erzählende" Darstellung des Götterstreits zwischen Athene und Poseidon auf dem Westgiebel des Parthenon sind selbst als Replikate überaus beeindruckend.

Ungezählte Generationen nahmen Kunstwerke wie diese zum Vorbild. Das gilt für die großen Meister der Renaissance ebenso wie für die Bildhauer des 18. und 19. Jahrhunderts (zum Beispiel Johann Gottfried Schadow, sein Doppelporträt von Friederike und Luise von Mecklenburg-Strelitz, nachmalige Königin von Preußen). Auguste Rodin sah in den alten Griechen seine Lehrmeister. Und auch die Zeitgenossen setzen sich noch mit ihnen auseinander. Das zeigt Guy Buseynes "Reunited": Ein Doppeltorso in Bronze, der geradezu "griechisch" wirkt. Und manchmal ist es sogar so, dass ein Kunstwerk sein "Griechentum" erwirbt, indem es ein anderes, von der griechischen Antike inspiriertes Kunstwerk zitiert. In diesem Sinne könnte man selbst noch in Mordillos Variation des Rodinschen Denkers augenzwinkernd ein Stück griechischen "Erbgutes" entdecken.
DIE FARBEN DES SOMMERS
Auch wenn der blütenbestandene Frühling als farbenfrohste Jahreszeit gilt: Der Sommer steht ihm an Farbreiz kaum nach
Verständlich daher, dass sich das Thema der "Vier Jahreszeiten" einem Künstler geradezu aufdrängt.
und hat die Künstler seit jeher fasziniert. Es war das unter sengender Hitze liegende Südfrankreich mit seinen von der Sonne ausgedorrten Wiesen, das Vincent van Gogh die Palette erweiterte: Ocker und Gelb, zu seiner Zeit kaum eingesetzt, spielen in seinem Spätwerk eine prominente Rolle. Und nie wurde die sommerliche "blaue Stunde" besser eingefangen als bei "Café bei Nacht".

Jede Jahreszeit hat also ihre eigene Farbstimmung, und allein an dieser lässt sich ein Bild zeitlich verorten. Kollers "Sommerstrauß" zeigt es deutlich. Auch Kroyers "Sommerabend" wäre problemlos ohne den vom Künstler vorgegebenen Titel als sommerliches Genre zu entschlüsseln.
Selbst beim sehr symbolisch ausgeführten Zyklus des Jugendstilmeisters Alphonse Mucha ist nicht zur übersehen, dass die personifizierten "Jahreszeiten" ihre Wirkung vor allem durch eine überlegte Wahl der Farben erreichen.

Was für die Kunst gilt, gilt auch für die Schmuckdesigner. Michal Golans "Indian Summer" ist farblich ein getreues Abbild des amerikanischen Spätsommers.
VORBILD UND ABBILD IN DER GARTENKUNST
Eines der ganz großen Themen in der Dichtung - neben der Liebe - war schon immer die Natur. Dem Genre Naturlyrik verdanken wir einige der schönsten Gedichte in deutscher Sprache. Joachim Ringelnatz wird sie im Hinterkopf gehabt
haben, als er die folgenden Zeilen schrieb und, ganz Humorist, seine Parklandschaft mit einem kleinen Gipsreh ausstattete, so echt wirkend, dass es erst ein kleiner "Stips" verrät.
Im Park
Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum,
still und verklärt wie im Traum.
Das war des Nachts elf Uhr zwei.
Und dann kam ich um vier
Morgens wieder vorbei.
Und da träumte noch immer das Tier.
Nun schlich ich mich leise - ich atmete kaum -
gegen den Wind an den Baum,
und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
Und da war es aus Gips.

Joachim Ringelnatz
Nun ist in der bildenden Kunst tauschende Ähnlichkeit längst kein Maßstab mehr. Sonst wäre Franz Marc ein Scharlatan, leuchten einem seine Rehe doch rot von der Leinwand entgegen - von blauen Pferden ganz zu schweigen. Und Picassos Stiere wirken ja gerade deshalb so imposant, weil sich der Spanier vom Abbild entfernt und sich ganz auf die Wesenszüge seines Motivs konzentriert hat.

In der Gartenkunst ist jedoch beides gleichrangig vertreten: Bronzene Tierdarstellungen, die überaus echt wirken - etwa
Steinadler, Steinbock und Kraniche - und andere, die ihre handwerkliche Machart deutlich offenbaren.
Ein Beispiel: Wilson Bhire aus Zimbabwe gestaltet aus Blech Tiere, die ihren lebenden Vorbildern zwar sehr ähnlich sind, aber durchaus kein “täuschendes“ Abbild sein wollen. Eines haben sie dabei alle gemeinsam: Ob nun aus Bronze oder aus Stahlblech - einen kleinen “Stips” überstehen diese Gartenbewohner jederzeit unbeschadet. Und Wind und Wetter auch.
ARTENREICHTUM.
KUNSTGESCHICHTE ALS ZOOLOGIE.
Bereits mit den Felszeichnungen fing es an: Nicht nur sich selbst, den Jäger, machten die ersten Künstler der Menschheit mit Jungpaläolithikum zum Motiv ihrer Kunst, sondern auch das gejagte Wild. Sie wussten um die Abhängigkeit des Menschen vom Tier - Tiere galten als Totem, und die Götterhimmel der frühen Kulturen waren voll von verehrten Tierwesen, man denke nur an die ägyptischen Bastetkatzen.

Mit den Tierdarstellungen in der Kunstgeschichte ließe sich eine eigene Arche Noah füllen. Dabei ist der “Artenreichtum” so groß wie die Bandbreite der den einzelnen Tieren zugeschriebenen Bedeutungen: Es gibt sie nicht nur als vergöttlichte Wesen, sondern auch als Sinnbild für Macht und Königtum, als Ausdruck animalischer Kraft (z.B. der Elefant), als Weisheitssymbol wie Eulen oder als Dekoranreiz.

Eine besondere Rolle hat menschheitsgeschichtlich das Rind eingenommen. Der Stier als Motiv ist auch für heutige Künstler von hohem Reiz. Thuilots “Hornochsen”, Requejo Novas Bronzestier und der “Taurus“ des schwedischen Glaskünstlers Mats Jonasson zeigen das archaische Motiv ganz und gar zeitgenössisch interpretiert.
NATUR UND KUNST -
KUNST UND NATUR

Die Philosophie des 18. und 19. Jahrhunderts unterschied streng zwischen dem Naturschönen und dem Kunstschönen. Naturschön, das war eine liebliche Gegend oder eine blühende Rose, kunstschön dagegen von Menschenhand gemachte Schönheit, etwa ein Gemälde oder eine Skulptur. Dass dabei die Kunst immer schon vom Naturschönen profitierte, ist nicht zu übersehen - zahlreich sind die großen Werke der Kunstgeschichte, die den Blick auf ein überwältigendes Landschaftspanorama oder die Farbenpracht eines Blumenstraußes festhalten. Die Künstler aller Epochen fanden ihre Motive in der Natur. Ein Beispiel aus der klassischen Malerei: das Bild "Blühender Pfirsichbaum" von Vincent van Gogh, das die Lebenskraft der sprießenden Natur in leuchtenden Farben feiert.

Das Naturschöne profitiert allerdings auch von der Kunst, spätestens dann, wenn sie zur Gartenkunst wird, die Ihren Garten in eine Freilichtgalerie verwandeln: Tierplastiken, bronzene Feuerschalen, Steinskulpturen mit asiatischem Flair und vieles andere mehr.
DAS ALTE, DAS NEUE
UND DIE KUNST DES ZITATS
Das Neue verdrängt das Alte, um bald darauf vom Allerneuesten ersetzt zu werden. In der Welt der Kunst gilt dieser Grundsatz nicht. Hier muss sich das Neue vielmehr am Alten messen lassen, das als Vorbild und als Anspielungshorizont immer präsent ist.

Ma Tse Lin: 'Bouddha d'or''
Ma Tse Lin: "Bouddha d'or"
Viele Künstler stellen sich dieser Herausforderung ganz bewusst. Das bahnbrechende Werk eines Auguste Rodin wäre ohne seine intensive Auseinandersetzung mit der Tradition der antiken Plastik schlichtweg nicht denkbar, und wenn Jean-Claude Cubaynes die Gartenpracht eines Monet wieder aufleben lässt oder Ma Tse Lin klassische Darstellungen des Buddha nutzt, dann arbeiten sich diese Künstler voller Respekt am Alten ab. Zudem ist es ein Phänomen, das über die Grenzen verschiedener Kunsttraditionen hinweg zu beobachten ist: Van Goghs Begeisterung für japanische Holzschnittdrucke hatte großen Einfluss auf sein Schaffen und Ukata Aruas Werk verbindet uralte afrikanische Tradition mit den Ideen der westeuropäischen Moderne.

Das Neue verdrängt also das Alte nicht, es erweitert vielmehr die Welt der Kunst. Und so ist es nicht die Abfolge von Kalenderjahren, sondern die Summe von Lebensjahren, die als Metapher für das Alte und das Neue in der Kunst dienen könnte: Als Summe von (Kunst-)Erfahrungen, die den Weg zu neuer Kreativität ebnet.
FREUDE AM SCHENKEN
Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
die Gaben wiegen,
sei Dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
was in Dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
sodass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass Dein Geschenk
Du selber bist.


"Leider nicht von mir", notierte der große Komponist Johannes Brahms unter die ersten Noten des Johann Strauß II-Evergreens "An der blauen Donau".

So geht es auch uns. Joachim Ringelnatz hat gedichtet, und besser hätten wir es auch nicht sagen können - außer: Viel Spaß mit unseren Geschenken!
EIN STÜCK SCHMUCKGESCHICHTE
Lange Zeit glaubte man, gestalteter Schmuck sei erst vor etwa 40.000 Jahren aufgetaucht. Diese Einschätzung wurde jedoch in den letzten Jahren grundlegend korrigiert. Ein südafrikanischer Fund von 2007 verdoppelte den Zeitraum fast, und seit 2009 gilt ein etwa 100.000 Jahre alter Fund kunstfertig bearbeiteter Muscheln aus Algerien als ältester Schmucknachweis der Welt. Zum Vergleich: Die Venus von Willendorf, die berühmte Skulptur aus der jüngeren Altsteinzeit in unseren Breitengraden, ist gerade einmal 25.000 Jahre alt.

Schmuck begleitet den Menschen seit seinen frühesten Anfängen, und sehr früh schon ging es also über Erzählebene und Adlerfedern hinaus. Schmuck hatte von Beginn an auch eine Funktion: Stammesmitglieder betonten ihre Zusammengehörigkeit mit nur von ihnen
getragenen Accessoires, und die Art des schmückenden Zierrats wies Rang und Funktion des Einzelnen aus. In den alten Zivilisationen entwickelten sich so komplizierte Codes, die in der Pracht der Monarchien und Kirchen bis auf den heutigen Tag aufscheinen.

Zeichen wirklicher Macht sind sie heute nur noch selten, und auch die goldgeschmückte Zurschaustellung von Wohlstand und Reichtum hat längst an Bedeutung verloren. Moderner Schmuck kann, muss jedoch keineswegs aus Edelmetallen bestehen - und zeugt vor allem vom Stil und vom Geschmack seiner Trägerin. Aber er kann natürlich, wie vor vielen Jahrtausenden schon, noch immer ein Symbol tiefster Zusammengehörigkeit sein. Spätestens dann, wenn er von einem liebenden Partner zugedacht wurde.
TRENDS


Prognosen sind schwierig, insbesondere, wenn sie weit in die Zukunft hineinreichen. Aber es gibt Trends. In der Politik und in der Werbewirtschaft sind sie die Meisterdisziplin der Analytiker: “Trendforscher“ beschäftigen sich damit, was womöglich der nächste, Wahlen und Kaufverhalten bestimmende “Megatrend“ sein könnte.

Auch in der Kunst gibt es Trends. Sie sind unübersehbar, wenn man die jährlichen Kunstmessen besucht oder die Feuilletons der großen Zeitungen sichtet. Trends sind die kleinsten Schritte in der Kunstentwicklung; sie zeigen etwa, wie eine neue, frische und ideenreiche Generation von Künstlern sich ihr eigenes Feld erobert und nach und nach Aufmerksamkeit findet. Ein “Megatrend“ im Sinne einer neuen Kunstrichtung wird seltener daraus. Dennoch zeugen Trends von Zeitgenossenschaft, von Ideen, die gerade jetzt und heute formuliert und umgesetzt werden; sie geben ihrer jeweiligen Gegenwart ein Gesicht.

VON UMBRÜCHEN
UND TRADITIONEN

Kunst verändert sich. Die lange Reihenfolge von Stilrichtungen hat sich auf vielfältige Weise entwickelt. Da gab es die Epigonen, die die großen Ideen ihrer Lehrmeister lediglich wenig verändert weitergetragen wollten, da gab es die Bilderstürmer, die alles, aber auch wirklich alles anders machen wollten. Und es gab und gibt solche, die bei allen neuen Ideen immer fest auf dem Boden der Tradition standen und stehen.

Peter Strang (Jahrgang 1936) ist einer von den letzteren. Fast sechs Jahrzehnte hat er die Porzellankunst in Deutschland begleitet, vom Lehrling bis zum künstlerischem Leiter der berühmten Porzellanmanufaktur Meißen.
 
 

Er ist ein Meister seines Faches - und ein künstlerisch höchst eigener Kopf, ein "Moderner" im eigentlichen Sinne des Wortes, der seine eigene Lebenszeit zu kommentieren weiß. Auch wenn der Unterschied seiner Entwürfe zu denen der Porzellankünstler von vor dreihundert Jahren mehr als ins Auge sticht - er machte das, was schon die Modelleure vor Jahrhunderten machten. Er setzt seine Zeit ins Bild und lotet das Machbare in der Porzellankunst in jedem seiner Entwürfe neu aus.

Das gilt für viele große Gestalten der Kunstgeschichte, und es gilt für viele Gestalter. Sie greifen auf die Geschichte zurück und sind doch ganz Gegenwart.
EIN ZITAT VON KARL VALENTIN
"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit"
lautet ein unsterbliches Bonmot des großen Komikers
Karl Valentin. Aber sie inspiriert, erfreut und bringt die Seele zum Klingen - vor allem dann, wenn man ihr in den eigenen vier Wänden oder im heimischen Garten alltäglich begegnet. Hinzu
kommt: Kunst eignet sich als perfektes Geschenk, mit oder ohne Anlass, denn man schenkt schließlich nicht allein das Kunstobjekt als solches, sondern vor allem die dauerhafte Freude daran.
WAS KUNST KANN
Große Kunst erzählt. Sie ermöglicht ein Gespräch zwischen Menschen, die um Jahrhunderte, ja Jahrtausende getrennt leben. Sie bietet eine Reise durch die Zeit und vermittelt dabei ein Bild davon, was in all den Jahrhunderten getan, gedacht und geglaubt wurde. So gesehen ist selbst ein van Gogh eine Art Postkarte und die Signatur "Vincent" der dazugehörige Absender.
Und die Gegenwartskunst bietet mit ihren neuen Ideen und ungewöhnlichen Blicken auf die Welt genau das, wofür wir überhaupt auf Reisen gehen.

Gerade deswegen eignet sich Kunst auch so gut als Geschenk. Durchaus nicht nur zu festlichen Anlässen. Denn wie ein Souvenir ist ein Kunstgeschenk eine jederzeit passende Einladung an den Beschenkten, eine gedankliche Reise an ferne Orte und in ferne Zeiten anzutreten.
LEBENDIGE VERGANGENHEIT.
DIE KUNST DES MITTELSALTERS
“Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen“ sagt der amerikanische Schriftsteller und Nobelpreisträger William Faulkner. Es sind die Generationen vor uns, die uns prägen. Ihre Lebensumstände, ihre Weltsicht und ihre Erfahrungen haben auf uns Heutige großen Einfluss. An der Kunst lässt sich das leicht nachvollziehen.
Die Kathedralen des Mittelalters prägen unsere Vorstellung von der Pracht des biblischen Himmelreiches; die Kunst ihrer Zeit all ihren Madonnen und Heiligengestalten stellt so etwas wie die Grundierung des Abendlandes dar. Und wer als Mensch des 21. Jahrhunderts vor einem Altarbild jener Zeit steht, das etwa die Geburt Christi darstellt, wird das Motiv - unerheblich, ob er sich als gläubiger Christ versteht oder nicht - als zentrales und tiefgreifendes Sujet begreifen.

Die moderne Kunst ist stets auch in Auseinandersetzung mit dieser "Ars sacra" entstanden. Das gilt selbst für Vincent van Gogh. Er kopierte zum Beispiel die Pietà von Delacroix und Rembrandts "Auferweckung
des Lazarus" - und gab ihnen statt eines religiösen einen allgemeinmenschlichen Unterton. Die Motive aber blieben klar erkennbar. Und selbst wenn seine "Kirche von Auvers" für den Künstler vor allem eine Studie in Farbe und Fläche gewesen sein mag, ist ihm die zum Gottesdienst eilende Frauengestalt als Detail wichtig.

Nutzen Sie also beim nächsten Kirchenbesuch die Gelegenheit, sich einmal wieder mit der dort zu findenden Kunst zu beschäftigen. Sie ist, selbst wenn sie Jahrhunderte alt ist, noch immer lebendige Vergangenheit.
ERDENSCHWER UND FEDERLEICHT: SKULPTUREN
Die Geschichte der Skulptur steckt voller Götter-, Helden- und Herrschergestalten. Es waren Mythos, Glaube und Macht, die vornehmlich in schweren Marmor geschlagen wurden: Tempelfiguren in der Antike, christliche Heilige und gekrönte Häupter aller Epochen. Dabei ist es nicht geblieben. Auguste Rodin etwa verstand seine Kunst längst nicht mehr als Repräsentation von Macht und Würde, er machte die Bildhauerei zur von Mäzenaten- und Gönnertum befreiten eigenen Kunstform und fand zu Motiven, die nicht Herrschaft, sondern den Menschen an sich repräsentierten. Sein Denker ist weit entfernt von jeder Augustusstatue, und selbst wenn er sich in antiker Tradition Göttern und Sagengestalten annahm, waren es im Grunde Menschen seiner Zeit. Auch Ernst Barlach, dessen "Frau im Wind" und "Sänger" z.B., nutzte die Plastik, um den Menschen in all seinen Ängsten, Träumen und Wünschen darzustellen.

Heute ist der Umgang mit der Skulptur als Kunstform weit gefächert. Stefan Szczesnys "Dancer" fehlt jede Wucht und Erdenschwere, und gerade deshalb ist der Künstler in der Lage, ein Abbild der karibischen Lebensfreude und Ausgelassenheit zu zeigen. Und dass die Bildhauerei selbst in schwerer Bronze das Genre des federleichten Humors beherrscht, zeigen Wolf Gerlachs "Mainzelmännchen", die so nach über 50 Jahren Fernsehkarriere exklusiv bei ars mundi ihre Weltpremiere als streng limitierte Bronzeskulpturen erleben.
KUNST UND SONNE:
SKULPTURENPARKS

Ein großer Teil der bedeutenden Kunstschätze der Welt befindet sich in Museen. Gemälde und Skulpturen werden dort bei gedämpftem Licht und penibel kontrollierter Luftfeuchtigkeit aufbewahrt und streng bewacht.

Anders ist es bei den Skulpturenparks. Hier stehen die Werke namhafter Bildhauer zwischen Bäumen und Sträuchern und laden unter freiem Himmel zur Betrachtung ein. Einige gehören großen Museen an (z.B. der Kunsthalle Mannheim, der Münchner Pinakothek, dem Frankfurter Städel oder dem Lehmbruck-Museum Duisburg), andere sind ganz und gar als “Parkmuseum” konzipiert. Auf den “Kunstwegen” im Grugapark Essen treffen Sie Werke von Hrdlicka, Moore und Rodin an, im Skulpturenpark Köln werden die Skulpturen sogar im Zweijahreswechsel durch neue Werke ersetzt. Und nicht weit hinter der deutsch-niederländischen Grenze, in Otterlo, gibt es am Kröller-Müller-Museum auf 25ha den wohl bedeutendsten Skulpturenpark Europas.
Kunstwerke an der frischen Luft - das gibt es aber auch in ganz anderer Gestalt. Man denke nur an Friedensreich Hundertwasser, der sein Kunstkonzept vielfach auch architektonisch umsetzte. Es mögen Wohnhäuser, Bahnhöfe, ja Fernheizwerke sein, Kunstwerke unter freiem Himmel sind es auch.

Wir wünschen Ihnen die Gelegenheit, sich bei schönem Wetter das eine oder andere dieser “Freilichtmuseen” anzuschauen. Und wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Auswahl aus unserem Angebot an Kunsteditionen, ausgewählten Accessoires und handgefertigten Schmuckentwürfen.
MEHR WERT ALS GELD: DAS GLÜCK DES GELINGENS
Als Gerhard Richter anlässlich seines 80. Geburtstags (im Jahr 2012) durch zahlreiche Ausstellungen, Zeitungsartikel, Fernsehdokumentationen und Radiobeiträge geehrt wurde, stellte man ihm mitunter auch die Frage, was es im bedeute, der teuerste lebende Maler Deutschlands zu sein. Richter war sichtlich peinlich berührt. “Das ist genauso absurd wie die Bankenkrise - unverständlich,
albern, unangenehm“ kommentierte er die Preisentwicklung seiner Bilder. In der Tat droht das Hantieren mit Millionensummen, die Platzierung auf einer nach rein ökonomischen Kriterien erstellten Rangliste die eigentliche künstlerische Leistung schnell zu verdecken. Dennoch: Seine Kunst hat Richter zu einem sehr reichen Mann gemacht. Auch zu einem glücklichen? Offensichtlich.
Ob Bildhauer, Maler oder Schauspieler - Künstler sind mit ihrer Arbeit wesentlich glücklicher als Menschen in anderen Berufen. Das zeigt eine repräsentative Studie aus dem Jahr 2012 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. “Künstler ziehen aus der Tätigkeit selbst einen viel größeren Nutzen, als aus dem Geld, das sie damit verdienen“, sagt Lasse Schneider, einer der Autoren. “Das liegt vor allem daran, dass sie ihre Arbeit als besonders selbstbestimmt und vielseitig empfinden.“

So gesehen steckt in jedem Bild und in jeder Plastik, wenn sie ausschließlich als vollendete Werke das Atelier eines bildenden Künstlers verlassen, auch eine gute Dosis Glück. Und dazu gesellt sich ja noch das Glück des Betrachters, der es im Museum oder sogar in seinen eigenen vier Wänden bewundern kann…
VORSICHT BEIM FRÜHJAHRSPUTZ
Wenn das Frühjahr naht, dann damit auch der Frühjahrsputz. Seien Sie aber gewarnt. Kunst und Putzen passen manchmal ganz und gar nicht zusammen.
Zu lernen ist daraus zweierlei. Erstens: Die Kunstpreise (und die Versicherungswerte) für Künstler des 20. Jahrhunderts explodieren geradezu. War der Schaden bei Beuys noch zum
So konnte man im November 2011 lesen: Im Dortmunder Museum Ostwall tat eine Reinigungskraft ihre Arbeit ganz besonders gewissenhaft und schrubbte eine Installation von Martin Kippenberger (1953-1997) blank. In einer Auffangschale hatte sich ein Kalkrand gebildet - und der ließ sich mit den richtigen Putzmitteln ja leicht entfernen. Blank war aber auch das Entsetzen der Museumsleute, denn eben diese Spuren waren ein wichtiger Bestandteil der Installation “Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“. Hier hatte sich, so wollte es der Künstler, die Zeit sichtbar eingeschrieben. Ab da war von einem Versicherungsfall mit einem Schadenswert von gut 800.000 Euro die Rede.

Kunstkennern kommt da ein anderer, ähnlicher Fall in Erinnerung. 1986
Kurswert eines Mittelklasseautos zu regulieren, stand beim Kippenberger-Fall eine Schadenssumme in Rechnung, mit der man ein großes Haus hätte finanzieren können. Zweitens: Gleichwohl braucht Kunst Pflege. “Präventive Konservierung“ nennt es der Museumsfachmann und es ist eine Aufgabe für ausgebildete Restauratoren. Aber es kommen dabei keine Putzmittel, sondern bestenfalls Schafswollwedel und Dachshaarpinsel zum Einsatz.

Seien Sie also achtsam beim nächsten Frühjahrsputz!
“verschwand” die “Fettecke“ von Joseph Beuys (1921-1986) in der Düsseldorfer Kunstakademie, 40.000 Mark wurden damals vom Land Nordrhein-Westfalen für die Schadensabwicklung gezahlt.
2012. EIN JAHR
IM ZEICHEN GUSTAV KLIMTS
Als Gustav Klimt am 6. Februar 1918 im Alter von nur 55 Jahren im Wiener Allgemeinen Krankenhaus einem Schlaganfall erlag, hatte er ein in jeder Hinsicht bewegtes Leben verbracht. 1862 in Baumgarten nahe Wien geboren, hatte er an der Kunstgewerbeschule für Kunst und Industrie studiert und, wenngleich nie unumstritten, über Jahrzehnte das künstlerische Leben der Stadt mit dominiert. So triumphierte er auf der Pariser Weltausstellung mit seiner “Philosophie“ und doch lehnte die Universität Wien das Werk ab, ja selbst das heute als eines der berühmtesten Werke des Wiener Jugendstils bekannte Beehovenfries am Gebäude der Wiener Secession war Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen. Der Ruhm Klimts jedoch war nicht aufzuhalten; zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland folgten. Und Gerüchte. Klimt wurde zum führenden Porträtmaler seiner Epoche und immer wieder wurden im allzu nahe Beziehungen zu seinen Modellen - oft Ehefrauen wichtiger Persönlichkeiten der ersten Wiener Gesellschaftskreise - unterstellt. Ein Stoff, der Filme füllt, etwa Raoul Ruiz’ “Klimt” mit John Malkovich in der Hauptrolle. Aber am Ende ist all das Journaille. Was zu Klimts Lebenszeiten erahnt, nach seinem Tod aber bald überdeutlich wurde: Er war einer der größten Künstler seiner Zeit.

Heute erzielen die Werke Gustav Klimts dreistellige Millionenpreise und gehören zu den teuersten der Kunstgeschichte. Und die meisten von ihnen - das wurde gerade im Jahre 2012 deutlich, weil sich sein 150. Geburtstag jährte - befinden sich nach wie vor in seiner Heimatstadt Wien. Die Stadt ehrte ihren berühmten Sohn aus diesem Anlass mit einer Vielzahl
Gustav Klimt: 'Feld mit Mohn'
Gustav Klimt: "Feld mit Mohn"


von Sonderausstellungen. Das Belvedere, das Kunsthistorische Museum, das Österreichische Museum für angewandte Kunst und Gegenwartskunst und die Albertina - sie alle (und noch einige mehr) widmeten sich im Jahre 2012 Leben und Werk Gustav Klimts.
VAN GOGHS OHR:
EINE ETWAS ANDERE WEIHNACHTSGESCHICHTE
Vincent van Gogh
Michelangelo, Hieronymus Bosch, Peter Paul Rubens, Leonardo da Vinci - viele große Maler haben die Weihnachtsgeschichte ins Bild gesetzt. Und so findet man in den Museen der Welt zahlreiche Variationen. Das Motiv ist in der Kunstgeschichte derart etabliert, dass es sogar ohne unmittelbar christlichen Bezug aufgenommen
wurde. So etwa bei Paul Gauguin, der mit seinem Gemälde “Die Geburt. Te tamari no atua” eine Niederkunft darstellt und sie zugleich mit dem aufgebrachten Titel (”Kind Gottes”) und mit Bildelementen wie im Hintergrund kauernden Rindern zur Krippenszene überhöht. Das Bild entstand im Jahre 1896 in Tahiti. Da lag das vielleicht denkwürdigste Weihnachtsfest Gauguins allerdings schon acht Jahre zurück.
Den Heiligabend des Jahres 1888 nämlich verbrachte Gauguin in Arles, wo er gemeinsam mit Vincent van Gogh lebte und arbeitete. Was an diesem Abend passierte, gehört zu den meisterzählten Anekdoten der Kunstgeschichte. In der Standardfassung lautet sie so: Ein blutender van Gogh wird aufgefunden. Er hat sich im Wahn ein Ohr abgeschnitten und es einer Prostituierten als Weihnachtsgeschenk überbracht; so jedenfalls wollen es die Polizeiprotokolle und der in dieser Sache befragte Gauguin. Vielleicht war aber auch alles ganz anders. In ihrem Buch “Van Goghs Ohr: Paul Gauguin und der Pakt des Schweigens“ glauben Hans Kaufmann und Rita Wildgans nachweisen zu können, dass van Goghs Verletzung auf einen Säbelhieb Gauguins zurückzuführen war - mit durchaus nachvollziehbaren Indizien.

Was immer wirklich passiert ist, das Weihnachtsfest war damit für beide beendet: van Gogh fand sich im Krankenhaus wieder, Gauguin machte sich schnurstracks auf den Weg nach Paris. Was blieb ist der Mythos um van Goghs Ohr…
AM SCHWIERIGSTEN: DAS EINFACHE
“Ich konnte schon früh zeichnen wie Raffael, aber ich habe ein Leben lang dazu gebraucht, wieder zeichnen zu lernen wie ein Kind.“ sagte der alte Pablo Picasso. Und in der Tat ist es ja nicht die artistische Kunstfertigkeit, die große Kunst ausmacht. Oft liegt die Ausdrucksstärke eines Werkes darin, dass der Künstler darauf verzichtet.

Nehmen wir Antoine de Saint-Exupéry, der sich selbst als schlechten Zeichner sah. Dennoch hat er seinen “Kleinen Prinzen” selbst illustriert, und gerade seine von zeichnerischem Akademismus weit entfernten, gefühlvollen Bilder haben sein Buch zu dem Welterfolg gemacht, zu dem es wurde.

Oder nehmen wir Marc Chagall, ganz sicher auch technisch einer der Großen des 20. Jahrhunderts. Dennoch: Geprägt
ist sein Werk von geradezu kindlicher Spielfreude - hier wird in bunten Farben und mit märchenhaften Motiven eine Welt gezeigt, die tief in der Phantasie des Künstlers ihren Ursprung hat. Eine Welt, die auch auf Porzellan bezaubernd bleibt.

Oder nehmen wir James Rizzi, wie Chagall ein akademisch ausgebildeter Maler. Sein von der Pop-Art geprägter Stil versetzt ihn in die Lage, seine quirlige Heimat New York nicht nur abzubilden, sondern zu erzählen - das immer wieder an ihn herangetragene Etikett des "Urban Primitive Artist" ist als Auszeichnung gemeint.

Das vermeintlich "Einfache" hat also seinen Platz in der Kunst, und in unseren Kunstangeboten.
BILD UND BUCH
Das Bild und das Buch, sie sind nicht verwandte Zwillinge. Kunstsammler sind fast ausnahmslos auch Büchersammler. Oft haben Kunstwerk und Buch noch etwas gemeinsam: Einmal auf der Welt, ziehen wichtige Publikationen das Interesse der Sammler auf sich. Ist die Verlagsausgabe ausverkauft, steigen oft die Anitquariatspreise. Das ist bei Kunstbänden häufig passiert; ein vierbändiges Werk über Monet von Daniel Wildenstein etwa, 1996 für umgerechnet 100 Euro erschienen, wird heute antiquarisch für 3.000 Euro gehandelt.

Klug gewählte Buchanschaffungen haben ebenso wie Kunstwerke eine potenzielle Rendite über den bloßen Nutzwert
hinaus - auch wenn dieser für den Kunstsammler sicherlich immer an erster Stelle steht.

Der “Nutzwert” liegt im sprichwörtlichen Auge des Betrachters und lässt sich in Geld allein nicht berechnen. Er ist die Freude und die Zufriedenheit, die der Besitzer beim Betrachten eines Kunstwerkes verspürt. Denn so wie der Buchfreund faszinierende Buchausgaben zusammenstellt und immer wieder in die Hand nimmt, so sind auch die Werke einer Kunstsammlung immer wieder gern betrachtete Freunde.
SCHON WIEDER GOETHE?
JA, IMMER WIEDER EINMAL...

Goethe stand Zeit seines Lebens in dem Ruf, ein großer Kunstfreund und Sammler zu sein. Um große Kunst immer gegenwärtig zu haben, erfreute er sich auch am Abbild unerreichbarer Kunstschätze. Hätte er ars mundi gekannt - was für eine Schatzkiste wäre das für ihn gewesen - und wir hätten einen begeisterten prominenten Kunden mehr.

"Was aber schön ist, selig ist es in ihm selbst“, dichtete Mörike.

ars mundi hat sich dem Schönen verschrieben, den Dingen, die das Leben lebenswerter machen, die Freude spenden und die aus sich selbst heraus mehr zu sagen haben als ein flüchtiges “Schau mich an, hier bin ich.“

Wer mit Kunst seinen Lebensweg begleitet, der hat sich einen “inneren Resonanzboden“ geschaffen, der auch in nicht so guten Zeiten Kraft und Antriebsfeder zugleich ist, um JA zum Leben zu sagen, um optimistisch und fröhlich in die Zukunft zu schauern. Und dies wünschen wir Ihnen von ganzem Herzen.

Die ars mundi-Kataloge sollen Sie im Goetheschen Sinne verführen - schenken Sie Kunst und Kunstvolles!
LORIOT -
HUMOR ALS GROSSE KUNST BETRACHTET
Loriot: Skulptur 'Putten mit Weltkugel'
Loriot: Skulptur "Putten mit Weltkugel"

Kann Kunst etwas bewirken? Sie kann, und wenn es dafür eines Beweises bedarf, muss man nur Loriot als Beispiel nennen. Sein umfangreiches und vielseitiges Werk als Autor, Zeichner und Cartoonist, als Filmschaffender und -darsteller und als Opernregisseur hat dafür gesorgt, dass der Humor als wichtiger Bestandteil der Kunst endlich auch in Deutschland salonfähig wurde.
Bernhard-Viktor von Bülow alias Loriot genoss daher auch unter weit jüngeren Humoristen den Ruf des großen, unübertreffbaren Meisters ihrer Zunft, dem sie vieles, wenn nicht alles zu verdanken haben. Loriot war, mit anderen Worten, nicht einfach nur ein Cartoonist oder Film- und Bühnenstar, er war vor allem einer der größten (und wirkungsvollsten) Künstler seiner Zeit, dessen Werk auch in Zukunft Bestand haben wird.

Werke von Loriot können Sie bei uns im Online-Shop entdecken.
CHAGALL UND DIE BLUMEN
Der Zirkus, die Kuh, das Pferd, der Hahn, der geigende Mann - es gibt ein ganzes Arsenal von immer wiederkehrenden Bildmotiven im Werk Chagalls, die längst Gegenstand umfassender kunstwissenschaftlicher Analysen und von mehr oder weniger geglückten Interpretationsversuchen geworden sind. Nicht so die Blumen. Sie sind allgegenwärtig und haben ihn als Bildelement, aber immer wieder auch als Motiv für Einzelwerke sein Leben lang beschäftigt. Ein besonders schönes Beispiel sind seine Blumen vor rotem Hintergrund, die er 1970 schuf - als 83jähriger, dem noch anderthalb weitere Jahrzehnte Lebens- und Schaffenszeit vergönnt sein würden.

Blumenmotive von Marc Chagall bei ars mundi finden Sie hier...
KÜNSTLER DES DEUTSCHEN EXPRESSIONISMUS
Als Ernst Ludwig Kirchner, Karl-Schmidt-Rottluff, Fritz Bleyl und Erich Heckel im Juni 1905 die Künstlergemeinschaft "Die Brücke" bildeten, waren sie eigentlich Architekturstudenten. Architekt wurde allein Bleyl - die anderen Gründungsmitglieder brachten es als Künstler zu Ruhm. Weitere Künstlerkollegen schlossen sich an (Max Pechstein 1906, Otto Mueller 1910 und auch Emil Nolde gehörte von 1906-1907 dazu). Die Gruppe bestand bis 1913 und gilt trotz dieser kurzen Zeitspanne als wirkungsmächtigster Künstlerzusammenschluss der Zeit. Einzelne Mitglieder prägten auch nach 1913 die Kunstszene, die große Bedeutung der Gruppe wurde aber erst wahrgenommen, als sich nach dem Ende des Dritten Reiches - eine Zeit, in der ihre Werke als "entartet" galten - als kunsthistorisch bahnbrechende Gemeinschaft wiederentdeckt und in großen Ausstellungen gewürdigt wurde.

Werke deutscher Expressionisten bei ars mundi finden Sie hier...
JOHANN GOTTFRIED SCHADOW -
MEISTER DER BILDHAUERKUNST
Wie kein anderer hatte er den Klassizismus geprägt und war mit seinen visionären Arbeiten Vorbild und Inspiration für ganze Generationen von Künstlern. Am 20.5.1764 in Berlin geboren, machte der Sohn eines Schneiders Karriere am Hof des Königs, leitete dort die Bildhauerwerkstatt und war Direktor der Akademie der Künste in Berlin.
Einige seiner Werke hatten allerdings kein leichtes Schicksal: So wurde seine berühmteste Arbeit, die Quadriga auf dem Brandenburger Tor, 1806 von Napoleon entführt. Nicht besser erging es der "Prinzessinnengruppe", einem Doppelbildnis der Prinzessinnen Luise und Friederike, deren Aufstellung Friedrich Wilhelm III. mit der Begründung verboten hatte, sie sei "zu viel Venus und zu wenig Madonna". Am härtesten schien es das Standbild Friedrich des Großen getroffen zu haben, das nach dem 2. Weltkrieg verschollen war und von dem es hieß, es sei bei einem Transport zerbrochen. Für alle drei Werke nahm es aber ein gutes Ende: Das Viergespann wurde 1814 wieder zurück nach Berlin geholt, die Prinzessinnengruppe 90 Jahre nach ihrer Verbannung wieder öffentlich ausgestellt, und auch der Alte Fritz wurde unlängst in Stettin wiederentdeckt und restauriert.

Werke von Johann Gottfried Schadwo bei ars mundi finden Sie hier...
RENOIR UND MANET:
KLEINE FEHDEN UNTER KÜNSTLERKOLLEGEN
Edouard Manet: 'Canal Grande in Venedig'
Edouard Manet: "Canal Grande in Venedig"

Pierre-Auguste Renoir gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter des Impressionismus, seine Stillleben, Porträts, Landschafts- und Aktbilder sind weltberühmt, zudem war er mit geschätzten 6.000 Werken einer der produktivsten Künstler seiner Zeit.
Sein Malerkollege Édouard Manet aber hielt ihn damals für gänzlich unbegabt. So stellte es zumindest Claude Monet dar, der mit beiden befreundet war. Er erzählte 1924 von einem Ereignis aus dem Jahr 1874, als Renoir und Manet bei ihm in Argenteuil aufeinandertrafen.
Monet habe gerade mit seiner Ehefrau und seinem Sohn im Garten für Manet Modell gestanden, als Renoir eingetroffen sei. Dieser habe kurzerhand zu Farbe und Pinsel gegriffen und die gleiche Szene auf die Leinwand gebracht. Manet sei von Renoirs Verhalten wenig begeistert gewesen und habe Monet zugeflüstert: "Der Junge hat kein Talent. Du bist mit ihm befreundet, sag ihm, er soll das Malen lieber aufgeben!" Beide Gemälde von der Gartenszene sind noch erhalten, unterscheiden sich aber in einem Detail: Neben Mutter und Sohn ist bei Manet am linken Bildrand Monet zu sehen, bei Renoir hingegen rechts ein aufgeplusterter Hahn.

Werke von Renoir und Manet bei ars mundi finden Sie hier...
ARMIN MUELLER-STAHL - DIE LIEBE DES HOLLYWOOD-STARS ZUR MALEREI
Vielen fällt beim Namen Armin Mueller-Stahl zuerst der internationale Film- und Theaterstar ein, doch mittlerweile hat sich Mueller-Stahl über die Schauspielerei hinaus als ein universeller Künstler erwiesen, der Bücher schreibt, als Sänger und Geiger Konzerte gibt und eben auch malt und zeichnet. Bereits seit der Kindheit galt sein Interesse eher der Malerei als dem Schauspiel - er sei nur des Geldes wegen zum Film gegangen, sagt er, denn dies sei "die schnellste Methode, Brötchen auf den Tisch zu kriegen" gewesen. Während er als Schauspieler große Erfolge feierte, kehrte er immer wieder an die Leinwand zurück, er habe sich aus manchen seelischen Löchern herausgezeichnet, so Mueller-Stahl.
Regelmäßig zeigt er seine Ölgemälde, Zeichnungen und Lithografien in Ausstellungen, u. a. in der Staatsgalerie Los Angeles, im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe oder im Museum Ludwig im Rheinland. Malen sei für ihn wie Fliegen, wird Mueller-Stahl oft zitiert: "Die Zeit weicht aus meinem Körper wenn ich male. Zu malen ist eine kreative Lust, die Lebensfesseln loszuwerden." Eine Leichtigkeit, die seinen Werken anzumerken ist.

Werke von Armin Mueller-Stahl bei ars mundi finden Sie hier...
WENN DREI MALER EINE REISE TUN...
Paul Klee: 'Häuser am Meer'
Paul Klee: "Häuser am Meer"

Im April 1914 brachen Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet zu ihrer legendären Tunisreise auf, die sie von der Stadt Tunis über St. Germain und Sidi Bou Said nach Hammamet und in die Wüstenstadt Kairuan führte. Eine Studienreise, die Eindruck hinterließ: In der Kultur, der Landschaft und der Architektur Nordafrikas fanden die Künstler gänzlich neue Inspirationen, die ihr Werk - auch noch lange nach der Reise - beeinflussten.
Heute gilt die Tour der drei Maler als kunsthistorisches Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts. Paul Klee muss davon eine Vorahnung gehabt haben, als er in sein Tagebuch schrieb: "Die Sonne von einer finsteren Kraft. Die farbige Klarheit am Lande verheißungsvoll. Macke spürt das auch. Wir wissen beide, dass wir hier gut arbeiten werden."
Und so sollte es sein: In nur knapp zwei Wochen schuf Klee 35 Aquarelle und 13 Zeichnungen, Macke 33 Aquarelle und 79 Zeichnungen. Paul Klee wurde die Flut an Eindrücken sogar zu viel, er reiste vor den beiden anderen ab: "Es war zu stark, was ich erlebte. Und fort musste ich auch, mich zu besinnen. (...) Die große Jagd ist zu Ende."

Werke der Tunisreise bei ars mundi finden Sie hier...
CLAUDE MONET: DER PIONIER DES IMPRESSIONISMUS
1874 organisierte in Paris eine Gruppe junger Maler eine Ausstellung, die die Kunst in ganz Europa beeinflussen sollte: Die Impressionisten wandten sich von der realistischen Malerei ab und konzentrierten sich auf die Darstellung des Lichts und der Atmosphäre des Moments. Unter ihnen Claude Monet (1840-1926), der als Wegbereiter der impressionistischen Malweise gilt.
Das Motiv sei für ihn ohne Bedeutung, so Monet: "Was ich wiedergeben möchte, ist das, was zwischen dem Objekt und mir lebt." Als einer der ersten malte er unter freiem Himmel und brachte statt bedeutungsschwerer. Figurenbilder Alltagsszenen in leuchtenden Farben auf die Leinwand: Landschaften, Bauwerke, sommerliche Gesellschaften. Höchste Perfektion erlangte Monet in der Darstellung von Wasseroberflächen, wie bei seinen Meeres- und Strandszenen und den berühmten Seerosen, wofür ihn sein Kollege Édouard Manet auch einmal mit dem Titel "Raffael des Wassers" ehrte. Und in gewisser Weise gab Monet der Epoche sogar ihren Namen - allerdings unfreiwillig: Ein Kritiker kommentierte sein Bild "Impression, Sonnenaufgang" mit der abschätzig gemeinten Bezeichnung "Impressionismus", die sich die Künstler später aber als Markenzeichen aneigneten.

Motive von Claude Monet bei ars mundi finden Sie hier...
SALVADOR DALÍ: EIN GENIE IM CLOWNSPELZ
Salvdor Dalí: 'Les Éléphants'
Salvdor Dalí: "Les Éléphants"

"Wer interessieren will, muss provozieren!", hat der Salvador Dalí einmal gesagt - und sich in seiner Karriere ziemlich strikt daran gehalten: Während seines Examens wurde er von der Kunstakademie in Madrid geworfen, weil er die Prüfungskommission für "unfähig" erklärte, er legte sich mit seinen Surrealisten-Kollegen an ("Der Unterschied zwischen den Surrealisten und mir besteht darin, dass ich Surrealist bin."), er gab ein Interview in einem Taucheranzug, warf sich eine Treppe herunter, nur um den Schmerz zu spüren - und die Pomade für seinen berühmten Schnauzbart soll aus Wachs, Farbe und Exkrementen seines zahmen Ozelots bestanden haben.
Ob die unzähligen Anekdoten über ihn nun alle wahr sind oder nicht - Dalí liebte die Selbstinszenierung und das Spiel mit den Medien. Sein exzentrisches Auftreten rief auch viel Kritik hervor, die seiner Popularität aber nie schaden konnte. Bis heute ist das Publikum fasziniert von den traumwandlerischen, psychedelischen Bildwelten in seinen Werken und von seinem Drahtseilakt zwischen Show und Wahnsinn: "Wichtig ist vor allem, dass das Publikum nicht unterscheiden kann, ob ich Spaß mache oder es ernst meine. Es ist sogar unwichtig, ob ich es selbst weiß."

Werke von Salvador Dalí bei ars mundi finden Sie hier...
DIE FARBEN DER NACHT
Romantisch kann die Nacht sein, mystisch oder auch beängstigend - und immer übt sie auf die Menschen eine große Anziehungskraft aus. "Abwärts wend' ich mich, zu der heiligen, unaussprechlichen, geheimnisvollen Nacht", beschrieb der Schriftsteller und Philosoph Novalis einmal die Faszination, die von der Nacht ausgeht. Schon immer fanden Dichter, Schriftsteller und natürlich auch die Maler in der Nacht, den Sternen und dem (Voll-)Mond Inspiration für ihre Werke. Sie ließen sich sowohl von der starken Symbolkraft der leuchtenden Himmelskörper als auch von der Atmosphäre durch die einzigartigen Lichtverhältnisse anregen.

Ein besonders wichtiges Thema war die Nacht für die Maler der Romantik, aber auch in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts diente sie als Motiv, z.B. bei Paul Klee oder Marc Chagall. Ganz besonders hatte es Vincent van Gogh 1888 der Sternenhimmel im französischen Arles angetan, den er später auch in verschiedenen Gemälden darstellte. In einem Brief beschrieb er die nächtliche Szenerie mit den Worten: "Es will mir oft scheinen, dass die Nacht noch farbiger ist als der Tag."

Motive zum Thema "Farben der Nacht" bei ars mundi finden Sie hier...
DIE KUNST DES PHANTASTISCHEN REALISMUS
Mitte der 1940er Jahre, als die zeitgenössische Kunst zunehmend von der Abstraktion geprägt war, fanden sich an der Wiener Kunstakademie junge Künstler zusammen, die dem Trend trotzten und sich auf eine figürliche Malweise besonnen.
Die "phantastischen Realisten", u. a. Arik Brauer, Ernst Fuchs, Anton Lehmden und Rudolf Hausner, orientierten sich an der altmeisterlichen manieristischen Feinmalerei und ließen in ihren Werken unter Einfluss des Surrealismus Traum, Alptraum, Realität, Mythen und Visionen verschmelzen.
Eine der schillerndsten Persönlichkeiten dieser Gruppe und ein wahres Multitalent ist Ernst Fuchs, der als Grafiker, Maler, Bildhauer, Designer, Bühnenbildner, Architekt, Komponist und Dichter ein riesiges Œuvre schafft.

Fuchs (1930-2015) begann sehr früh zu zeichnen und ging schon mit 15 an die Wiener Akademie: "Der Fuchs war mit 17 eigentlich schon ein Lehrer", beschrieb Arik Brauer dessen großes Talent. Fuchs pflegte Freundschaften zu zahlreichen berühmten Malerkollegen wie Friedensreich Hundertwasser, Arnulf Rainer und auch Salvador Dalí, der zu ihm einmal sagte: "Sie sind der Dalí der Deutschen!"

Werke des Phantastischen Realismus bei ars mundi finden Sie hier...
EUROPA IN DER KUNST
Europa und der Abbau seiner Grenzenspielt in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine immer größere Rolle. Dies gilt auch für die Kunst, denn zum einen vermag diese es in besonderer Weise, Menschen unabhängig von Nationalität und Sprache zu verbinden, zum anderen ermöglicht die Völkerverständigung eine unschätzbare Horizonterweiterung. So schrieb 1912 der Maler Franz Marc: "Die Kunst geht heute Wege, von denen unsre Väter sich nichts träumen ließen. (…) Man fühlt eine künstlerische Spannung über ganz Europa, überall winken neue Künstler ich zu: ein Blick, ein Händedruck genügt, um sich zu verstehen." Nicht zuletzt finden Künstler in Landschaften und Kultur europäischer Länder die Motive für ihre Werke.

Große Meister wie Oskar Kokoschka oder Marc Chagall verarbeiteten in ihren Bildern ihre Impressionen von berühmten Bauwerken aus den Metropolen Europas wie Rom oder Athen. Aber auch die Namensgeberin "Europa" selbst, der griechischen Mythologie nach eine phönizische Königstochter, wird als Motiv für Bilder und Gemälde aufgegriffen. Vielfach dabei: Zeus als Stier, der Europa der Sage nach erst ent- und dann verführte.

Arbeiten zum Thema "Europa in der Kunst" bei ars mundi finden Sie hier...
SAGENHAFTE KUNST - LITERARISCHE FIGUREN IN MALEREI UND SKULPTUR
Die Literatur hat viele lustige, tragische und groteske Protagonisten hervorgebracht. Auch Maler und Bildhauer nehmen sich Figuren aus Romanen, Märchen und Sagen als Vorlage für ihre Werke und verhelfen damit den literarischen Charakteren, die zunächst nur in der Fantasie der Leser existieren, zu einer sichtbaren Gestalt.

Literatur als Inspirationsquelle für die bildende Kunst hat eine große Tradition, am augenscheinlichsten ist die Verbindung von Kunst und Literatur bei den Buchillustrationen. Bis ins 20. Jahrhundert war es nicht ungewöhnlich, dass Künstler, darunter heute sehr berühmte wie Oskar Kokoschka, Max Liebermann und Ernst Barlach, Illustrationen für Romane und Gedichtbände anfertigten. Insbesondere bei Kinder- und Märchenbüchern erhalten die Bilder einen hohen Stellenwert, hier sind Zeichnungen und Text mitunter untrennbar verbunden, wie z. B. bei Wilhelm Busch. Und der Einfluss der Märchen reicht bis in die Gegenwartskunst: Sigmar Polke ließ sich von deutschen Märchen und Sagen inspirieren, David Hockney malte Gemälde zu Geschichten der Brüder Grimm und Ottmar Hörl stellte 800 seiner "Froschkönige" in Darmstadt auf.

Einige Beispiele dafür, wie literarische Figuren ihren Weg in die bildende Kunst gefunden haben, finden Sie hier..
AUGUST MACKE UND FRANZ MARC: SEELENVERWANDTE DER MALEREI
August Macke: 'Mit gelber Jacke'
August Macke: "Mit gelber Jacke"

Eine große Freundschaft, die zugleich zum Glücksfall für die Kunst wurde: 1910 lernten sich mit August Macke (1887-1914) und Franz Marc (1880-1916) zwei herausragende Persönlichkeiten des Expressionismus kennen. Zwischen beiden entwickelte sich eine herzliche Freundschaft und eine enge künstlerische Zusammenarbeit, die nachhaltig die Kunstszene der Moderne beeinflusste.
Trotz großer charakterlicher Unterschiede - der jüngere Macke war weltoffen, spontan und lebensfroh, Marc hingegen zeigte sich nachdenklich, introvertiert und kritisch - waren die beiden als Team höchst produktiv.
Sie setzten sich mit den Kunstströmungen ihrer Zeit auseinander und entwickelten sie weiter, zudem waren sie beide in der Künstlergruppe "Der Blaue Reiter" aktiv. Als Höhepunkt ihres gemeinsamen Wirkens malten sie 1912 das gut 4 mal 2 Meter große Wandbild "Paradies". Über allem aber stand die innige Freundschaft und die große Hochachtung voreinander: "Er hat vor uns allen der Farbe den hellsten und reinsten Klang gegeben", lobte Marc einmal seinen Freund.

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DAS MEER IN DER MALEREI
Gerd Bannuscher: 'Seestück'
Gerd Bannuscher: "Seestück"

Meer, Wasser und Strand, Häfen und Schiffe haben seit jeher eine große Tradition als Motive in der Kunst, denn sie symbolisieren gleichermaßen Sehnsucht und Aufbruch, Naturgewalt und Harmonie. Von Caspar David Friedrich über Emil Nolde und Andy Warhol bis Gerhard Richter reicht die Liste derer, die sich von der Atmosphäre an der Küste fasziniert zeigten. Max Beckmann schrieb 1915: "Wenn ich der Kaiser der Erde wäre, würde ich als mein höchstes Recht mir ausbitten, einen Monat im Jahr allein zu sein am Strand", Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff sollen ich gar einmal in Ruderbooten auf dem pommerschen Lebasee begegnet sein.
Auch Claude Monet, der in der französischen Hafenstadt Le Havre aufwuchs, dokumentierte seine große Liebe zum Wasser in zahlreichen Bildern, "Am liebsten wäre ich immer am oder auf dem Meer und wenn ich sterbe, möchte ich in einer Boje begraben werden“, soll er einmal gesagt haben. Auch Lyonel Feininger verbrachte viel Zeit an der Ostsee: "Am Strande war, gegen Abend, Spiegelglätte und merkwürdige Wolkenbildung. Farben sehe ich hier am Meer, nicht zu beschreiben.“

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KUNST IM ZEICHEN DER STERNE
Funkelnde Sterne, Sonne, Mond, Sternbilder: Die Himmelskörper bieten einen beeindruckenden Anblick und haben ihren ganz eigenen Zauber. Von der Urzeit über die Antike und das Mittelalter bis in die heutige Zeit haben sie die Menschen magisch angezogen und ihren Forscherdrang geweckt - bereits ab etwa 15.000 v. Chr. sind erste Formen der Astronomie dokumentiert. Neben dem wissenschaftlichen Interesse haben Menschen aller Kulturen mit den Gestirnen außerdem auch eine große Symbolkraft verbunden.
Auch viele Künstler ließen sich von den geheimnisvollen Weiten des Kosmos inspirieren, zum Beispiel Albrecht Dürer ("Die Sternenkarten") oder Paul Klee ("Gelehrter im Umgang mit Gestirnen"). Eine kleine wissenschaftliche Sensation gelang dabei offenbar dem Maler Adam Elsheimer. Sein Bild "Flucht nach Ägypten" zeigt einen detailreichen Sternenhimmel und naturgetreu die Milchstraße. Das Besondere: Das Gemälde soll im Spätsommer 1609 entstanden sein - und damit mehrere Monate, bevor Galileo Galilei von seiner Erforschung der Milchstraße berichtete. Wie es scheint, war der Maler, der sich sehr für Astronomie interessierte und im Besitz eines frühen Fernrohrs war, hier dem Wissenschaftler knapp voraus.

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MIT KUNST IN DEN HERBST
Die schönen Seiten des Herbstes hat einmal der Maler Franz Marc beschrieben: "Es waren jetzt wieder wundervolle Herbsttage, schwerer Frost und ganz weiße Morgen; es ist großartig, bei Sternenlicht losreiten oder fahren und dann die Sonne kommen sehen, die den weißen glitzernden Reif löst."

Durch alle Epochen hinweg inspirierte der Herbst die großen Künstler zu stimmungsvollen Kunstwerken. So malte Otto Modersohn den "Herbst im Moor", Gustav Klimt seinen "Birkenwald" oder Vincent van Gogh eine "Pappelallee im Herbst". Auch Claude Monet und Paul Gauguin brachten herbstliche Szenen in leuchtenden Farben auf die Leinwand. Und gegen die in der Herbstzeit immer kürzer werdenden Tage hilft es vielleicht, es so zu sehen wie der französische Maler und Graphiker Henri de Toulouse-Lautrec, der einmal sagte: "Der Herbst ist der Frühling des Winters."

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IMPRESSIONISTEN AUF DER SPUR DES LICHTS
Max Liebermann: 'Der Garten des Künstlers am Wannsee'
Max Liebermann: "Der Garten des Künstlers am Wannsee"

Atmosphärische Landschaften, stimmungsvolle Gesellschaften, einfühlsame Porträts - die Werke des Impressionismus beeindrucken durch ihre Farben und ihre virtuose Adaption der Lichtverhältnisse. "Die Maler des Impressionismus wollten nicht mehr realistisch malen. Sie wollten das Licht einfangen und die Atmosphäre." (NDR, 27.6.2014)
So machte zum Beispiel Max Liebermann das Spiel von Licht und Schatten (die "Sonnenflecken") zu einem seiner charakteristischen Stilmerkmale.
Der dänische Maler Peder Severin Krøyer reiste für das perfekte Licht sogar regelmäßig im Sommer in das kleine Fischerdorf Skagen. Hier fand er in einer Künstlerkolonie neue Inspiration, nicht zuletzt aufgrund der einzigartigen Stimmung an Dänemarks nördlichster Küste. Die Lichtverhältnisse vermochte er in einigen seiner größten Werke einzufangen, wie im "Sommerabend bei Skagen - Der Strandspaziergang".

Weitere Werke von Liebermann und Kroyer bei ars mundi finden Sie hier...
AUGUSTE RENOIR - MEISTERWERKE VOM "MALER DES GLÜCKS"
Auguste Renoir: 'Badende in der Seine'
Auguste Renoir: "Badende in der Seine"

Als einer der bedeutendsten Künstler seiner Epoche hatte er gemeinsam mit Künstlerkollegen wie Claude Monet, Edouard Manet und Camille Pissarro innerhalb weniger Jahre die Malerei des 19. Jahrhunderts revolutioniert. Was Renoir ganz besonders auszeichnete, war die durchweg positive Grundstimmung seiner Gemälde: Die Landschaften in leuchtenden Farben, die fröhlichen Gesellschaften oder die sinnlichen Akte verbreiteten die pure Lebensfreude. "Die Erde war das Paradies der Götter. Das ist es, was ich malen will", schrieb er einmal. Dieser heiteren Atmosphäre blieb er bis zuletzt treu: "Das Leben bringt schon genug Unangenehmes mit sich - warum es nicht ab und zu von der leichten Seite nehmen?"
Den Optimismus seiner Bilder lebte Renoir auch in der realen Welt. Mit etwa 50 Jahren erkrankte er an Arthritis, doch trotz Schmerzen, Lähmungen und Deformationen schuf er noch rund 400 Gemälde. Zuletzt, als er den Pinsel nicht mehr halten konnte, ließ er ihn sich zum Malen an die Hand binden.
Mit geschätzt 6.000 Werken gehört Pierre-Auguste Renoir zu den produktivsten Malern der Kunstgeschichte.

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