Jeanne Mammen

1890-1976

Jeanne Mammen kann ohne Zweifel zu den bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts betrachtet werden. Aufgewachsen in Paris studierte Mammen an der Académie Julian, in Brüssel an der Académie Royale des Beaux Arts und an der Accademia di Belle Arti in Rom. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges muss die Familie ins Exil. Jeanne Mammen findet sich in Berlin wieder, wo sie sich als Künstlerin neu etablieren muss.

Schnell macht sie sich mit der Gestaltung von Modemagazinen und später den "Simplicissimus", den "Ulk" sowie als Mitarbeiterin für die Kunst- und Literaturzeitschrift "Jugend" einen Namen. 1930 werden ihre Arbeiten in der renommierten Berliner Galerie Gurlitt in einer Einzelausstellung präsentiert. Für ihr künstlerisches Werk wird Berlin zur unerschöpflichen Quelle. Das Nachtleben, den Glamour und die Randfiguren der Metropole bannt sie mit kraftvollen Zeichnungen und Aquarellen auf Papier. Als scharfsichtige Beobachterin des Großstadtlebens der "Goldenen Zwanziger" steht Mammen gleichbedeutend neben Otto Dix, Christian Schad oder George Grosz. Doch als Künstlerin der neuen Sachlichkeit kann sie nicht gelten. Mammen entzieht sich einer kategorischen Zuordnung, sie schafft es, ihren eigenen Stil zu etablieren.

"Ihre Figuren fassen sich sauber an", schrieb ihr Kurt Tucholsky: "Sie sind anmutig und herb dabei, und sie springen mit Haut und Haaren aus dem Papier."

Der Nationalsozialismus und zweite Weltkrieg werden für die Künstlerin eine Zeit der inneren Emigration. Belegt mit Ausstellungsverboten zieht sie sich in ihr Wohnatelier am Kurfürstendamm 29 zurück. Noch einmal verlässt sie Deutschland, um die Pariser Weltausstellung zu sehen. Hier hinterlässt Pablo Picassos "Guernica" einen bleibenden Eindruck auf die Künstlerin und sie beginnt, zurück in Berlin heimlich in kubistischer Manier zu malen. Nach 1945 erwacht in Berlin das Kunstschaffen neu und Jeanne Mammen gehört zu den Protagonisten der ersten Stunde. Sie bewegt sich im Umfeld der Galerie Gerd Rosen und trifft auf zahlreiche Künstlerkollegen ihrer Zeit. Ihr Werk wird zunehmend abstrakt und sie stellt wieder aus und arbeitet auch wieder für Zeitschriften, wie die Satirezeitschrift "Ulenspiegel". Ab den 1950ern erholt sich langsam ihre materielle Situation und Mammen stellt regelmäßig bis in die 1970er Jahre aus, u.a. im Neuen Berliner Kunstverein. Am 22. April 1976 stirbt Jeanne Mammen in Berlin.

Ihre Kunst gerät von da an ein wenig in Vergessenheit, erfährt aber bald eine Renaissance. Zuletzt widmete 2017/18 die Berlinische Galerie dem gezeichneten Werk Jeanne Mammens eine große Retrospektive.

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