Jugendstil / Art Déco

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert brachte der Jugendstil formal wie inhaltlich eine neue Denkweise in die Kunst. Die Trennung zwischen den sogenannten hohen Künsten wie Bildhauerei, Architektur und Malerei und der Gebrauchskunst von Möbeln, Schmuck oder Mode wurde aufgehoben. Bei der Formensprache verabschiedete man sich von historischen Vorbildern und arbeitete viel mit Ornamenten und floralen Motiven. Auf den Jugendstil folgte die Art Déco mit sehr ähnlichen Ideen und Designs.

Filter

Gefunden: 69

Jugendstil / Art Déco

Jugendstil: Ein Neubeginn für die Kunst

An der Wende zum 20. Jahrhundert begann sich in vielen Ländern der Welt ein neues Kunstverständnis zu etablieren. Es handelte sich zwar nicht um eine einheitliche Bewegung, doch wiesen zum Beispiel der Jugendstil in Deutschland, die Art Nouveau in Frankreich, der Modern Style in England und der Secessionsstil in Österreich erkennbar ähnliche Ideen auf. Die Vertreter des Jugendstils strebten einen Wandel in der Kunst auf mehreren Ebenen an: Die neue Stilistik sollte zeitgemäßer werden, weniger der Tradition verpflichtet sein und sollte nicht nur bei den bildenden Künsten, sondern auch bei alltäglichen Gebrauchsgegenständen Anwendung finden. Außerdem sollte das traditionelle Handwerk als Gegenreaktion auf die Industrialisierung und die Massenproduktion wieder an Bedeutung gewinnen. Seine Hochphase hatte der Jugendstil von ca. 1890 bis ca. 1910. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in der Art Déco viele seiner Ideen fortgeführt. Berühmte Jugendstil Künstler waren Alphonse Mucha, Gustav Klimt und Louis Comfort Tiffany.

Kunst für alle Bereiche des Lebens

Seinen Ursprung hatte der Jugendstil in der Arts-and-Crafts-Bewegung, die sich in Großbritannien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt hatte. Ihre Vertreter sahen Kunsthandwerk, Kunst und Architektur in einer Krise. Die maschinelle Massenproduktion habe zu einem Verlust an Qualität und Ästhetik geführt. Ziel der Arts-and-Crafts-Bewegung war es, Alltagsprodukte wieder in Handarbeit aus hochwertigen Materialien zu fertigen und bei aller Nützlichkeit auch die Schönheit der Produkte im Blick zu behalten. Dies sollte gelingen, indem die bildenden Künste und das Handwerk zusammenarbeiteten.

Dieses Konzept griffen die Jugendstil Künstler Ende des 19. Jahrhunderts in Ländern der ganzen Welt auf. In ihrem neuen Konzept betrachteten sie Malerei, Bildhauerei, Architektur, Design und Handwerk als eine Gesamtheit. So konnte sich in vielen Bereichen des Lebens ein moderner Stil durchsetzen: Architekten entwarfen zum Beispiel Wohnhäuser, Museen, U-Bahn-Stationen, Schulen und Schwimmbäder im Jugendstil. Sein Einfluss zeigte sich auch bei Möbeln, Geschirr oder Einrichtungsgegenständen wie Vasen oder Lampen. Auch Mode und Schmuckdesign sowie Grafik und Illustrationen in der Buchkunst und der Werbung schlossen sich an. Bis heute wird das Stadtbild vieler europäischer Städte vom Jugendstil geprägt.

Merkmale des Jugendstils in Design und Kunst

Die verschiedenen Spielarten des Jugendstils in Europa vereinte die Erkenntnis, dass man sich in der künstlerischen Gestaltung von den überkommenen Vorbildern der vorangegangenen Jahrhunderte trennen müsse. Vor allem der im 19. Jahrhundert populäre Historismus wurde kritisiert. Anstatt bereits vergangene Stile wieder aufzugreifen, strebten die Jugendstil Künstler nach modernen Gestaltungsformen, die eher ihrem Lebensgefühl und dem Zeitgeist entsprachen. Außerdem sollte sich in dem neuen Design auch die kritische Einstellung gegenüber der Industrialisierung und dem technischen Fortschritt artikulieren. So entwickelten die Jugendstil Künstler eine neue Formensprache, die vor allem von der Natur inspiriert war. Bildelemente, die erkennbar der Botanik entlehnt waren, machten sie zu den typischen Merkmalen des Jugendstils. Sie legten die Designs mit geschwungenen und fließenden Linien an und entwarfen Bildmotive mit vielen sowohl abstrakten als auch figurativen Ornamenten. Besonders in der Jugendstil Malerei kam die Naturverbundenheit zum Ausdruck. Die Szenen der Jugendstil Bilder zeigten oftmals Landschaften mit Blumen und Bäumen oder Menschen in der Natur. Dabei beeindrucken die Jugendstil Gemälde durch eine teils opulente Bildkompositionen. Weltberühmt sind zum Beispiel Gustav Klimts Gemälde mit Auflagen aus Gold und Silber.

Auf Jugendstil folgte Art Déco

Der Jugendstil hatte seine Hochphase bis etwa 1910, zur Zäsur wurde dann der Erste Weltkrieg. Ab etwa den 1920-Jahren folgte dem Jugendstil die Art Déco, in der viele seiner Ideen und Gestaltungsweisen übernommen wurden. Das Design wies ebenfalls weiterhin florale Ornamente auf, hinzukamen aber Einflüsse aus anderen Kunststilen, die sich parallel in jener Zeit entwickelten. Unter dem Eindruck von Futurismus, Kubismus und Bauhaus setzten sich elegante, klare Linien und geometrische Dekors durch. Insgesamt wirkte die Ästhetik etwas kühler und strenger. Wie im Jugendstil spiegelte sich das neue Design nicht nur in Art déco Kunstwerken und Architektur wider, sondern beeinflusste auch viele Bereiche aus dem täglichen Leben wie das Mobiliar und Einrichtungsgegenstände.