Klassische Moderne

Die Klassische Moderne beschreibt als Sammelbegriff die künstlerische Avantgarde von Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts. Zu den wichtigsten Epochen werden u.a. der Kubismus, der Konstruktivismus, der Expressionismus, das Bauhaus, Dada und der Surrealismus gezählt. In dieser Phase der Kunstgeschichte wurden entscheidende Weichen für die zeitgenössische Kunst in den folgenden Jahrzehnten gestellt.

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Klassische Moderne

Die Klassische Moderne: Aufbruch zu neuen Formen der Malerei

Als Klassische Moderne wird in der Kunst- und Architekturgeschichte der Zeitraum in etwa von Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bezeichnet. In diese Phase fällt die Hochzeit mehrerer, aus heutiger Sicht kunsthistorisch besonders relevanter Kunstepochen. Unter dem Sammelbegriff der Klassischen Moderne werden die avantgardistischen Tendenzen in verschiedenen Ländern Europas zusammengefasst. Zu den wichtigsten zählen der Kubismus, der Konstruktivismus, der Expressionismus, das Bauhaus, Dada und der Surrealismus. Die Künstler der Klassischen Moderne arbeiteten allerdings nicht als homogene Gemeinschaft, sondern entwickelten unabhängig voneinander ihre Vorstellung einer zeitgemäßen Kunst. Übereinstimmung herrschte lediglich in der Abkehr von der traditionellen gegenständlichen Formgebung des 19. Jahrhunderts. Mit dieser Attitüde stellten die Künstler der Klassischen Moderne entscheidende Weichen für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

Merkmale der Malerei in der Klassischen Moderne

Da es sich bei der Malerei der Moderne nicht um eine einheitliche künstlerische Bewegung handelt, lassen sich auch nur schwer allgemeingültige Merkmale benennen. Als große gemeinsame Errungenschaft der Stile in der Klassischen Moderne lässt sich aber ohne Zweifel die Loslösung von der gegenständlichen Darstellungsweise und der naturalistischen Formgebung nennen. Bis Ende des 19. Jahrhundert war die Malerei noch mehr oder weniger ausgeprägt den natürlichen Proportionen von Mensch und Natur verpflichtet. Dies sollte sich an der Wende zum 20. Jahrhundert grundlegend ändern. Zwar verschwanden die Gegenstände noch nicht vollständig aus den Gemälden der Klassischen Moderne, doch die avantgardistischen Maler interpretierten die Rolle und Funktion der Bildobjekte gänzlich neu. So stellten die Expressionisten in ihrer Malerei alles in den Dienst des Ausdrucks ihrer Gefühlswelt. Der Maßstab war dabei nicht mehr die Realität, sondern die subjektiv erlebte und leidenschaftliche Interpretation der Wirklichkeit. Die Bildsprache der Expressionisten war gekennzeichnet von kräftigen, kontrastierenden Farben und unkonventionellen und abstrahierenden Darstellungsweisen der Bildgegenstände. Schon einen Schritt weiter waren die Kubisten ab 1906 gegangen. Sie lehnten eine plastische Malweise generell ab und orientierten sich bei den Konturen der Bildobjekte an geometrischen Figuren, wie Kugeln, Kegel oder Pyramiden. Mit der Reduzierung der Formen auf wenige Grundbausteine machten sie – auch wenn die aus der Realität zugrundeliegenden Gegenstände noch erkennbar waren – einen bedeutenden Schritt in Richtung Abstraktion. Auch die Surrealisten bezogen sich in ihren Gemälden auf konkrete Objekte, doch ihre Neuinterpretation der Realität bestand darin, dass sie die Gegenstände aus ihren üblichen Kontexten herauslösten oder sie verfremdet darstellten. Auf diese Weise schufen sie eine "parallele Wirklichkeit" aus Träumen, Fantasien und Visionen, die zum Teil skurrile und absurde Züge aufwiesen. Mit dieser Ausdrucksform loteten die Surrealisten die Grenzen des menschlichen Bewusstseins aus und ließen das enge Korsett der Rationalität hinter sich. Am weitesten gingen die Konstruktivisten bei ihrer Loslösung von der figurativen Malerei. Sie vertraten sehr technische Gestaltungsprinzipien und arbeiteten in ihren Gemälden ausschließlich mit farbigen Flächen, Linien und geometrischen Formen. Menschen, Landschaften oder andere reale Gegenstände kamen im strengen Konstruktivismus schon nicht mehr vor.

Berühmte Künstler der Klassischen Moderne

In der Phase der Klassischen Moderne gelangten viele Künstler zu Weltruhm, deren Werke auch heute noch auf Ausstellungen und Auktionen sehr beliebt sind. Im Zusammenhang mit dem Expressionismus sind hier die Maler aus der Künstlergruppe "Der Blaue Reiter" wie Franz Marc, August Macke und Gabriele Münter sowie aus der Dresdner "Brücke" wie Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff oder Erich Heckel zu nennen. Zu den Legenden des Kubismus gehören Pablo Picasso und Georges Braque, die als ihre Gründer gelten, aber auch Juan Gris oder Fernand Léger. Joan Miró, René Magritte oder Max Ernst prägten maßgeblich den Surrealismus, Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian oder László Moholy-Nagy den Konstruktivismus. Aber es gab durchaus auch Künstler der Klassischen Moderne, die nicht nur einen, sondern mehrere der avantgardistischen Stile bedienten. Paul Klee zum Beispiel schuf ein höchst vielseitiges Werk, das sich dem Expressionismus, Konstruktivismus, Kubismus und dem Surrealismus zuordnen lässt.