Bild "Starnberger See (Lichter Wald am Weg)" (um 1897) (Unikat)
Bild "Starnberger See (Lichter Wald am Weg)" (um 1897) (Unikat)
Kurzinfo
Unikat | signiert | betitelt | Bleistift auf Bütten | gerahmt | Format 55 x 71 cm
Detailbeschreibung
Bild "Starnberger See (Lichter Wald am Weg)" (um 1897) (Unikat)
Lovis Corinth verbrachte um 1900 viel Zeit am Starnberger See, wo er mit Begeisterung die Natur studierte und in zahlreichen Zeichnungen und Gemälden verewigte. Die zu jener Zeit entstandene Zeichnung "Starnberger See (Lichter Wald am Weg)" ist ein beeindruckendes Beispiel für seine Fähigkeit, die Atmosphäre der Landschaft in präzisen, expressiven Strichen einzufangen.
In der Arbeit zeigt Corinth einen lichten Waldweg, der von Bäumen flankiert wird. Die Baumstämme und das Geäst sind mit schnellen, dynamischen Linien skizziert, die die Bewegung des Waldes und das Spiel von Licht und Schatten betonen. Der Blick in die Ferne, durch das Blätterdach hindurch, erzeugt eine sanfte Tiefe, die einen unweigerlich in den Raum der Natur zieht. Corinths Umgang mit Licht und Schatten ist meisterhaft: Das flimmernde Licht, das durch das Blätterwerk fällt, wird in Schraffuren und hellen Akzentuierungen lebendig. Diese spontane, fast skizzenhafte Darstellungsweise vermittelt den Eindruck eines flüchtigen Augenblicks, der in der Natur erlebbar wird.
Bleistift auf Bütten, um 1897. Unten rechts mit Bleistift signiert und betitelt "Starnberger See". Motivgröße/Blattformat 30 x 47,7 cm. Im Format im Rahmen 55 x 71 cm wie Abbildung.
Hersteller: ars mundi Edition Max Büchner GmbH, Bödekerstraße 13, 30161 Hannover, Deutschland, [email protected]
Über Lovis Corinth
"Die wahre Kunst hat (...) keinen praktischen, gewinnbringenden Beigeschmack. Sie ist sich Selbstzweck. Egoistisch wie ein Gott steht sie da in ihrer ganzen Schönheit." (Lovis Corinth)
Das Werk Lovis Corinths (1858-1925) ist als gesamtes schwer zu fassen. Selbst die immer wieder zu findende Einordnung in einen "deutschen Impressionismus" in Abgrenzung zum französischen ist durchaus bedenklich - Corinth experimentiert sehr wohl mit der Wirkung von Farbe im Sinne einer Verselbstständigung der Bildmittel, aber naturwissenschaftlich-akademische Berechnungen, Farbsysteme oder eine Begründung der Farbwirkung aus der Physik heraus sind ihm weitgehend fremd. Überhaupt steht er quer zu den künstlerischen Strömungen seiner Zeit und viele der neuen Ansätze der jungen Avantgarde überzog er gar als "Rezeptkunst" mit ätzendem Spott.
Aber nur oberflächlich betrachtet erscheint Corinth als "konservativer" Maler. Einerseits blieb er zeitlebens der figurativen, realistischen Malweise verhaftet. Seine Gewährsleute blieben die alten Niederländer, allen voran Rembrandt, und er starb in der Nähe von Amsterdam, weil er sie dort noch einmal im Original bewundern wollte. Andererseits aber galt er als Rebell und Neuerer und führte die klassischen Genres (Historienbilder, biblische und mythologische Themen) immer wieder mit höchst subjektivem Blick bis hin zu Parodie und Travestie. Am Ende also war er ganz und gar herausragender Zeitgenosse seiner Kunstepoche und wurde auch als solcher wahrgenommen. Modern war er ohnehin in jeder Hinsicht, und die Reihe seiner berühmten Selbstporträts zeigen den bisweilen labilen, zwischen Kunstrausch und Depression zerrissenen Corinth als Meister der psychologischen Selbstausdeutung.
Von besonderer Bedeutung ist Corinths Spätwerk. Da sind zunächst die Walchenseebilder, die von 1919 an in der Nähe von Urfeld im Süden Münchens entstehen und in denen der Maler die Landschaftsmalerei neu für sich entdeckt. Aber auch in anderen Sujets, etwa dem Porträt oder dem Stillleben, sucht und findet er neue Ansätze.
Ein Unikat oder ein Original ist ein Kunstwerk, das vom Künstler persönlich geschaffen wurde. Es existiert nur einmal aufgrund der Art der Herstellung (Ölgemälde, Aquarell, Zeichnung, Skulptur aus verlorener Form etc.).
Neben den klassischen Unikaten existieren auch die sogenannten "seriellen Unikate". Sie werden je Serie mit gleichem Motiv und in gleicher Farbe und Technik von der Hand des Künstlers ausgeführt. Die seriellen Unikate haben ihre Wurzeln in der "seriellen Kunst“, einer Gattung der modernen Kunst, die durch Reihen, Wiederholungen und Variationen desselben Gegenstandes, Themas bzw. durch ein System von konstanten und variablen Elementen oder Prinzipien eine ästhetische Wirkung erzeugen will.
Als historischer Ausgangspunkt gilt das Werk "Les Meules“ von Claude Monet (1890/1891), in denen zum ersten Mal eine über die bloße Werkgruppe herausgehende Serie geschaffen wurde. Künstler, die serielle Kunst geschaffen haben, sind u. a. Claude Monet, Piet Mondrian und vor allem Gerhard Richter.