Klassizismus: Rückkehr zu den Idealen der Antike

Klassizismus: Rückkehr zu den Idealen der Antike

Autor: ars mundi, Veröffentlichkeitsdatum: 06/2026, Geschätzte Lesezeit: 13 Minuten

Der Klassizismus stellt einen der bedeutendsten Wendepunkte der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte dar. Zwischen 1770 und 1840 veränderten sich die meisten Kunstgattungen in Form und Inhalt. Dies betraf nicht nur die bildende Kunst mit Malerei, Bildhauerei und Architektur, sondern auch andere Künste wie Theater, Literatur und Musik sowie Design, Mode und Interieur.

Der neue Stil war in einen gesamtgesellschaftlichen Transformationsprozess eingebettet, der auch die traditionellen Herrschaftsstrukturen erfasste. Auch wenn die Hochphase des Klassizismus nur etwas länger als ein halbes Jahrhundert dauerte, brachte er der bildenden Kunst nachhaltige Veränderungen, die zum Teil bis heute nachwirken. Zudem war der Klassizismus nicht nur ein regionales Phänomen, sondern konnte sich als einer der wenigen Stile über ganz Europa bis nach Nordamerika verbreiten.

Im Wesentlichen stützte sich der Klassizismus in der bildenden Kunst auf drei Grundpfeiler:

  1. Der Stil des Klassizismus war maßgeblich inspiriert von den Kunstwerken der griechischen und römischen Antike.
  2. Die oberste Maxime für die Gestaltung von Skulpturen, Gemälden und Architektur war eine dezente Schönheit. Die Ästhetik war geprägt von Klarheit in der Form, Harmonie, natürlichen Proportionen und schlichter Eleganz. Damit distanzierte sich der Klassizismus von pompösen und gefühlsbetonten Stilen wie Barock und Rokoko.
  3. Im Klassizismus artikulierte sich auch in der Kunst der Geist der Aufklärung. Form und Inhalt der Werke orientierten sich an Werten wie Vernunft, rationalem Denken und Moral.

Im Folgenden sollen die charakteristischen Merkmale des Klassizismus näher betrachtet werden. Unter anderem werden dabei die Umstände seiner Entstehung, die typischen Merkmale von Gemälden und Skulpturen sowie wichtige Vertreterinnen und Vertreter des Klassizismus und ihre Werke näher erläutert. Der Fokus wird dabei auf Malerei und Bildhauerei liegen. Abschließend soll noch ein Blick auf die Bedeutung der klassizistischen Kunst in der Gegenwart geworfen werden.

Wie ist der Klassizismus entstanden?

Verschiedene Umstände und Einflüsse sorgten dafür, dass sich der Klassizismus ab Mitte des 18. Jahrhunderts als neuer Stil der bildenden Kunst entwickeln konnte. Gleich mehrere Faktoren ermöglichten dies bzw. trugen dazu bei: die Veränderungen in Politik und Gesellschaft, der Drang nach einer stilistischen Neuorientierung sowie ein wachsendes Interesse an der Kunst der Antike.

Europa in Zeiten des politischen und gesellschaftlichen Wandels

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts befanden sich viele Länder Europas in einer Phase des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs. Mehrere bedeutende Ereignisse bestimmten das Geschehen:

  • In Frankreich hatte die Französische Revolution ab 1789 für einen tiefgreifenden Wandel innerhalb von Staat und Gesellschaft geführt. In diesem Zuge verloren Adel und Klerus an Macht und das Bürgertum gewann an Bedeutung.
  • Die industrielle Revolution, die ca. 1760 einsetzte, veränderte in Europa die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse.
  • Die Koalitionskriege von 1792 bis 1815 hatten zur Folge, dass sich territoriale Grenzen verschoben und Herrschaftsverhältnisse änderten.
  • Ganz Europa stand im Zeichen der Aufklärung. Wissenschaft und rationales Denken bestimmten das gesellschaftliche und politische Handeln.

Vor allem die Trends zu Demokratisierung und Rationalisierung begünstigten die Herausbildung des Klassizismus:

  • In vielen Ländern kamen die traditionellen Hierarchien und Machtverhältnisse ins Wanken. Dies traf besonders die Strukturen der absolutistischen Monarchien sowie den Einfluss der Kirchen. Damit verschwanden auch nach und nach die von Adel und Klerus bevorzugten pompösen und überladenen Stilelemente von Barock und Rokoko. Die klassizistische Kunst verstand sich als ein radikales Gegenprogramm zu den vorangegangenen Epochen.
  • In der bildenden Kunst schlug sich die Philosophie der Aufklärung nieder. Wie in vielen anderen Lebensbereichen hielten nun Logik und Vernunft auch in Malerei, Bildhauerei und Architektur Einzug. Sowohl die Wahl der Bildthemen als auch die künstlerischen Ausführungen folgten rationalen Prinzipien. Die Werke sollten nicht mehr die Sinne und Emotionen, sondern den Geist ansprechen. Stärker als zuvor nahmen sich die Kunstschaffenden nun die Natur zum Vorbild und strebten realistische Darstellungen an.
  • In den unruhigen Zeiten an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert sollten Malerei und Bildhauerei für Orientierung sorgen. Viele Autoritäten wurden infrage gestellt, was wiederum Unsicherheit und Orientierungslosigkeit nach sich zog. In dieser Zeit großer Umbrüche sollte zumindest die Kunst ein Ort von Ordnung, Reinheit, Moral und Disziplin sein.

Der Klassizismus war eine Gegenbewegung zum Barock

Sowohl unter Kunstschaffenden als auch Auftraggebern standen die Zeichen auf eine grundlegende Veränderung des Stils. Die künstlerischen Gestaltungsweisen von Barock und Rokoko passten nicht mehr zu der allgemeinen gesellschaftlichen Stimmung. Rationalisierung, Säkularisierung und Demokratisierung sollten sich nun auch in einem veränderten Kunststil widerspiegeln. Deshalb grenzten sich die Stilelemente der klassizistischen Kunst bewusst von der prunkvollen und bombastischen Ästhetik der vorangegangenen Epochen ab. Als Vorbilder dienten nun Werke aus der Antike, die sich in ihrer Darstellungsweise stark an der Realität orientierten. Auch im Klassizismus besann man sich nun auf die Schönheit und Einfachheit der Natur. Der Stil war nun geprägt von reduzierten, klaren Strukturen und maßvollen Gestaltungsformen ohne Extravaganzen.

Der Klassizismus fand seine stilistischen Vorbilder in der Archäologie

Ein wesentlicher Impuls für die Entwicklung des Klassizismus kam nicht aus der Kunst selbst, sondern aus einer Wissenschaft – der Archäologie. Ab Beginn des 18. Jahrhunderts konzentrierte sich das Interesse der Archäologen auf das Gebiet rund um den Vesuv in Italien. Weite Teile der Region waren nach dessen Ausbruch 79 n. Chr. von einer dicken Schicht aus Lava und Asche bedeckt worden. Die Ausgrabungen in Herculaneum im Jahr 1738 und in Pompeji 1748 brachten sensationelle Artefakte zum Vorschein. Skulpturen, Fresken und Mosaiken in bestem Erhaltungszustand konnten der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Die Ergebnisse der Ausgrabungen sorgten für eine Welle der Begeisterung für die antike Kunst in vielen europäischen Ländern. In der Folge entdeckten auch Künstlerinnen und Künstler und Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker die Stilelemente von griechischen und römischen Kunstobjekten, Bauwerken und Gebrauchsgegenständen für sich. Die schlichte, an der Natur orientierte Gestaltungsweise der Antike sollte für den Klassizismus stilbildend werden.

Johann Joachim Winckelmann gilt als "geistiger Vater" des Klassizismus

Bei der Berichterstattung über die Erforschung antiker Stätten im 18. Jahrhundert kam dem deutschen Archäologen, Antiquar und Bibliothekar Johann Joachim Winckelmann (1717 – 1768) eine bedeutende Rolle zu. Mit seinen Schriften prägte er maßgeblich das Bild der Antike im deutschsprachigen Raum und trug maßgeblich zur Entwicklung der klassizistischen Kunst bei.

1755 verfasste Winckelmann seine erste große Schrift "Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst". Bereits hier hob er die Bedeutung der antiken Kunst auch für zeitgenössische Werke hervor. Aus dieser Arbeit stammt auch der vielzitierte Satz, mit dem Winckelmann bereits einen wichtigen Leitsatz für die bildende Kunst des Klassizismus formuliert:

"Der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist die Nachahmung der Alten."

Noch in seiner Zeit in Deutschland war Winckelmann damit betraut, dem sächsischen Hof über die Entdeckungen in der Region rund um den Vesuv Bericht zu erstatten. Er reiste mehrmals nach Italien und verarbeitete seine Eindrücke in zahlreichen wissenschaftlichen Schriften. Mit seinen Arbeiten trug Winckelmann maßgeblich zur Wiederentdeckung der Antike bei.

Er vertrat die These, dass der Schlüssel zu Bildung und Ethik die intensive Beschäftigung mit der Antike sei. Insbesondere in den griechischen Kunstwerken sah er verwirklicht, was seiner Ansicht nach grundsätzlich die Aufgabe der Kunst sei: die Darstellung von Schönheit. Auf Winckelmanns stilistische Leitideen sollten wenige Jahre später viele bildende Künstlerinnen und Künstler des Klassizismus zurückgreifen. Mit seinen ansprechend formulierten Schriften konnte er aber auch in weiten Teilen der Bevölkerung Interesse und Begeisterung für die Antike wecken.

Was sind die wichtigsten Merkmale der Malerei des Klassizismus?

Der Malstil des Klassizismus sollte die Sachlichkeit, die Ordnung und die Würde widerspiegeln, die die gesamte Epoche bestimmten. Um dies zu erreichen, bedienten sich die Künstlerinnen und Künstler einer klaren, reduzierten Darstellungsweise ohne ausschweifende Ornamentik.

Typische Klassizismus Merkmale waren:

  • Eine klare Linienführung: Die Malerei des Klassizismus strebte eine sachliche und detailreiche Darstellung der Motive an. Dafür arbeiteten die Kunstschaffenden vorwiegend mit klaren Konturen, die sie mit feinen Linien definierten. Bei etwas größeren Flächen bemühten sie sich darum, dass Pinselstriche nicht erkennbar waren und der Farbauftrag möglichst gleichmäßig erschien.
  • Gedeckte Farben: Die Rationalität der Gemälde und der gezeigten Motive sollte durch moderaten Farbeinsatz unterstützt werden. So bedienten sich die Malerinnen und Maler im Klassizismus vorwiegend kühler, gedeckter Farbtöne. Die Farben galten als Mittel zum Zweck und sollten nicht von den Charakteren und Bildthemen ablenken. Gleichzeitig sollten die dezenten Farben dazu beitragen, einen Eindruck von Ruhe und Harmonie zu vermitteln. Auch beim Farbauftrag hielten sich die Maler zurück und vermieden zum Beispiel pastose Farbschichten.
  • Perfekte Schönheit als Ideal: Ein typisches Klassizismus Merkmal war, dass die Malerinnen und Maler versuchten, in ihren Gemälden perfekte und möglichst natürlich wirkende Bildwelten zu schaffen. Sie bemühten sich um eine realistische Darstellungsweise von Proportionen, Motivdetails und Perspektive. Um besonders harmonische Bildwelten zu schaffen, rückten sie aber durchaus auch von der Realität ab und stellten ihre Motive idealisierend oder beschönigend dar. Die Schönheit und die Vollkommenheit der Werke erfüllten auch einen ganz konkreten Zweck: Die Auftraggebenden erhofften sich einen positiven, moralisierenden Effekt auf das Publikum.
  • Eine klar strukturierte Bildkomposition: Das Streben nach Ordnung und Sachlichkeit spiegelte sich auch in den Bildkompositionen wider. Die Bildszenen wiesen eine klare Struktur auf und waren sehr übersichtlich angelegt. Die Malerinnen und Maler beschränkten sich außerdem meist auf einige wenige relevante Bildgegenstände. Auf übermäßige und nicht unmittelbar notwendige Staffagen oder Ornamente verzichteten sie. Vielfach inszenierten sie ihre Bildszenen wie auf einer Theaterbühne. Auch eine symmetrische Anordnung war weit verbreitet. So wirken zum Beispiel manche Werke von Karl Friedrich Schinkel (1781 – 1841) so, als seien sie an einer Mittelachse gespiegelt.

Der Klassizismus brachte auch neue Themen und Motive

In der Malerei des Klassizismus fanden sich viele traditionelle Genres wieder. Porträts, Akte und Stillleben waren ebenso beliebt wie Genreszenen und Historienmalerei. Etwas seltener, aber durchaus noch vertreten waren Darstellungen von Landschaften und Architektur.

Ein großer Schwerpunkt lag bei Porträts von wichtigen zeitgenössischen und historischen Persönlichkeiten. Viele Malerinnen und Maler widmeten sich einflussreichen und bedeutenden Charakteren, zum Beispiel Napoleon Bonaparte, Jeanne d’Arc, Kaiserin Joséphine, Friedrich dem Großen oder Giacomo Casanova. Auch wichtige historische Ereignisse wurden häufig aufgegriffen, wie etwa der "Ballhausschwur", die "Krönung von Napoleon I." oder "Der Tod von Julius Cäsar". Ebenso beliebte Motive waren Charaktere aus der griechischen und römischen Mythologie, zum Beispiel Ödipus, Jupiter, Venus, Amor oder Psyche. Auch berühmte Szenen aus mythologischen Erzählungen wie "Der Raub der Sabinerinnen" oder "Das Urteil des Paris" wurden aufgegriffen. Parallel thematisierten die Malerinnen und Maler weiterhin biblische Ereignisse, zum Beispiel "Die Verkündigung", "Christi Einzug in Jerusalem", "Die Anbetung der Könige" oder "Adam und Eva".

Auch von der zeitgenössischen Literatur ließen sich die Kunstschaffenden inspirieren, wie etwa von den Werken von Johann Wolfgang von Goethe und William Shakespeare. Auch Selbstporträts waren unter den Malerinnen und Malern sehr beliebt. So malten u.a. Francisco de Goya, Angelika Kauffmann, Jean-Auguste-Dominique Ingres, Anton Raphael Mengs und Anton Graff sich selbst – häufig mehr als nur einmal.

Unabhängig von den Motiven galt für die Kunstwerke im Klassizismus, dass sie keinen Selbstzweck besaßen. Gemälde und Skulpturen durften nicht – wie man es spätestens seit dem 20. Jahrhundert kennt – nur für sich selbst stehen. Auch wenn viele Kunstwerke des Klassizismus meist von hoher Qualität und meisterlicher Perfektion waren, reichte dies nicht aus. Vielmehr sollte die Kunst im Klassizismus einen erzieherischen Auftrag erfüllen. Sie sollte das Publikum nicht nur erfreuen, sondern es auch zu besseren Menschen machen. Themen wie Vernunft, Moral, Patriotismus, Tugend und Disziplin erhielten durch Gemälde und Skulpturen eine sichtbare Form. Dies konnte zum Beispiel durch die verherrlichende Darstellung einer Person oder eine moralische Allegorie geschehen. Viele Auftraggeber – etwa Staatsoberhäupter, Aristokraten oder Vertreter des aufstrebenden, wohlhabenden Bürgertums – instrumentalisierten auf diese Weise Kunstwerke gezielt für ihre Zwecke.

Die Merkmale der Skulpturen im Klassizismus: Antike Ideale als Vorbilder

Die Künstler des Klassizismus ließen viele Merkmale der antiken Bildhauerei in ihre Werke einfließen. Um die Originale zu studieren, reisten viele von ihnen zu den Fundstellen in Italien oder besuchten Museen, in denen antike Skulpturen ausgestellt waren. Sie ließen sich in ihren Werken sowohl bei der Formensprache als auch den Materialien maßgeblich von den Skulpturen der Antike inspirieren. Nur bei der Bemalung wichen sie von ihren Vorbildern ab.

Die Darstellungsweise der Antike kam den klassizistischen Bildhauern entgegen

Das klassizistische Weltbild sollte sich auch in den Skulpturen dieser Epoche widerspiegeln. Oberste Maximen für die Ausgestaltung von Skulpturen im Klassizismus waren Schönheit und Perfektion. Dadurch sollten sie als Symbol für Moral und Tugendhaftigkeit dienen. Daher bemühten sich die Bildhauerinnen und Bildhauer um eine möglichst makellose und natürliche Gestaltung der Formen. Sie strebten nach einer anatomisch korrekten Darstellung mit realistischen Proportionen und großer Detailtreue. Hin und wieder wichen sie aber auch bewusst von den realen Vorbildern ab und stellten ihre Motive idealisiert dar.

Die Skulpturen wurden aus Marmor, Bronze und Gips gefertigt

Die Bildhauer des Klassizismus griffen auch auf nahezu die gleichen Werkstoffe wie in der Antike zurück. Häufig wurde für die Skulpturen weißer Marmor verwendet. Aufgrund seiner Härte und Beständigkeit eignete er sich auch für große und detaillierte Bildhauerarbeiten. Seine weiße Grundfarbe passte zudem in das Konzept von reinen, anmutigen und edlen Kunstwerken, wie sie im Klassizismus erwartet wurden. Doch die Bildhauer schlugen ihre Figuren nicht nur mit Hammer und Meißel aus Marmorblöcken. Sie verwendeten auch den Bronzeguss oder modellierten Plastiken aus Gips.

Die "weißen Skulpturen" der Antike sind ein weit verbreiteter Irrglaube

In einem entscheidenden Punkt unterschieden sich die Skulpturen im Klassizismus von ihren griechischen und römischen Vorbildern: Sie waren nicht bemalt und behielten die natürliche Farbe des Steins. Das lag daran, dass man im 18. Jahrhundert – und auch noch lange danach – davon ausgegangen war, dass auch die Skulpturen der Antike unbemalt waren. Zumindest wurde dieses Bild in der Öffentlichkeit vermittelt.

Genauere Untersuchungen von antiken Fundstücken mit modernen Messgeräten belegen aber heute, dass die Griechen und Römer jener Zeit sehr wohl ihre Skulpturen auch mit bunten Farben bemalt hatten. Über die Jahrhunderte waren die Farben aber verblichen oder abgeblättert.

Trotz dieser Erkenntnisse werden bis heute die Skulpturen der Antike mit weißen Oberflächen assoziiert. Mitverantwortlich dafür ist der Archäologe Johann Joachim Winckelmann. Auch er verbreitete in seinen Schriften das Bild von den weißen Plastiken. Heute wird davon ausgegangen, dass Winckelmann dies wider besseren Wissens tat. Es ist überliefert, dass er durchaus bereits im 18. Jahrhundert Kenntnis davon hatte, das Farbreste an den Artefakten gefunden wurden. Doch öffentlich zweifelte er nie die Vorstellung von den weißen Skulpturen an. Sie passte zu gut zu den Idealen der Reinheit und Klarheit, die im Klassizismus propagiert wurden.

Wichtige Klassizismus Vertreter und Vertreterinnen

In der Epoche des Klassizismus entstanden zahlreiche bedeutende Werke der Kunstgeschichte. Einige der wichtigsten Vertreterinnen und Vertreter des Klassizismus und ihre Werke sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Jacques-Louis David (1748 – 1825): Der Franzose gehört zu den wichtigsten Historienmalern des Klassizismus. In seinen Werken thematisierte er aktuelle Ereignisse seiner Zeit, etwa den "Ballhausschwur" zur französischen Revolution. Später unterstützte er Napoleon mit zahlreichen heroisierenden Darstellungen aus dessen Regentschaft. Neben Motiven aus dem Zeitgeschehen widmete David sich der Porträtmalerei sowie der griechischen Mythologie. Zu seinen heute berühmtesten Werken gehören "Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard" und "Der Tod des Marat".

Angelika Kauffmann (1741 – 1807): Die in der Schweiz geborene Malerin gehörte zu den wenigen Frauen, die sich in der von Männern dominierten Kunst des Klassizismus einen Namen machen konnten. Der Durchbruch gelang ihr 1764 mit einem Porträt des Archäologen Johann Joachim Winckelmann. Neben den Porträts von berühmten Zeitgenossen widmete sie sich in ihrem Werk der Historienmalerei sowie Szenen aus der Mythologie, zudem schuf sie zahlreiche Selbstporträts.

Heinrich Wilhelm Tischbein (1751 – 1829): Tischbeins Porträt "Goethe in der Campagna" dürfte zu den bekanntesten Motiven der Malerei in Deutschland gehören. Das legendäre Werk brachte dem deutschen Maler auch den Namen "Goethe-Tischbein" ein. Doch er schuf darüber hinaus ein noch weitaus größeres Œuvre. Neben Porträts seiner Zeitgenossen widmete er sich vielen weiteren Genres, u.a. Landschaften, Tierdarstellungen und Stillleben. Tischbein war aber auch an kunsttheoretischen Schriften beteiligt. So untersuchte er gemeinsam mit dem britischen Kunstsammler William Hamilton die Bedeutung von Vasenbildern für die griechische Malerei.

Anton Graff (1736 – 1813): Graffs Gemälde "Friedrich der Große, König von Preußen" aus dem Jahr 1781 hängt vermutlich auch heute noch in unzähligen deutschen Wohnzimmern. Der schweizerische Maler hatte sich vor allem einen Namen als Porträtkünstler gemacht. Sein großes Talent bestand darin, den Charakter der Porträtierten authentisch einzufangen. Viele bedeutende Persönlichkeiten des Klassizismus ließen sich von Graff malen. Er porträtierte Aristokraten, Staatsmänner und Generäle ebenso wie Wissenschaftler, Schriftsteller und Schauspieler.

Antonio Canova (1757 – 1822): Der Italiener Antonio Canova zählte zu den Wegbereitern der klassizistischen Bildhauerei. Zu seinem Werk gehörten Statuen, Grabdenkmäler, Fresken und Porträtbüsten. Er arbeitete für Monarchen und Fürsten in ganz Europa und übernahm prestigeträchtige Aufträge wie die Grabmonumente der Päpste Clemens XIII. und Clemens XIV. In seinen Arbeiten widmete er sich darüber hinaus Szenen und Figuren aus der griechischen Mythologie. Zudem porträtierte er zahlreiche Personen der Zeitgeschichte, zum Beispiel Napoleon Bonaparte oder den italienischen Dichter Vittorio Alfier. Zu seinen bekanntesten Skulpturen gehören "Amor und Psyche" und "Pauline Bonaparte".

Johann Gottfried Schadow (1764 – 1850): Die Deutschen verdanken Johann Gottfried Schadow eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Republik – die Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin. Schadow zählt heute zu den bekanntesten deutschen Vertretern des Klassizismus und gilt als der Begründer der Berliner Bildhauerschule. Neben der Quadriga schuf er zahlreiche weitere bedeutende Skulpturen wie die "Prinzessinnengruppe" (1797) und die Denkmäler für Friedrich II. und Martin Luther. Zudem schuf er Büsten von weiteren wichtigen Personen der Zeitgeschichte wie Nikolaus Kopernikus, Immanuel Kant oder Johann Wolfgang von Goethe.

Christian Daniel Rauch (1777 – 1857): Christian Daniel Rauch gehörte zu den Schülern Johann Gottfried Schadows und prägte wie sein Lehrer maßgeblich die Kunst des Klassizismus. Rauch schuf zahlreiche monumentale Statuen und Denkmäler von bedeutenden Personen seiner Zeit. Viele davon sind auch heute noch im öffentlichen Raum zu sehen, zum Beispiel das Denkmal für König Maximilian I. Joseph von Bayern in München, das Denkmal für Friedrich den Großen in Berlin oder die Statue von Albrecht Dürer in Nürnberg.

Bertel Thorvaldsen (1770 – 1844): Bertel Thorvaldsen war ein bedeutender Klassizismus Vertreter aus Dänemark. Er verbrachte viele Jahre seines Lebens in Italien, wo er die Skulpturen der Antike studieren konnte. Thorvaldsen erhielt zahlreiche Aufträge von Staat und Kirche in ganz Europa. Unter anderem schuf er das Grabmal für Papst Pius VII. im Vatikan. Seine Werke sind heute noch in zahlreichen Städten Europas auf öffentlichen Plätzen zu sehen, zum Beispiel das Maximiliansdenkmal in München oder das Kopernikusdenkmal in Warschau.

Der Stil des Klassizismus ist auch heute noch populär

Die Künstlerinnen und Künstler des Klassizismus strebten mit ihrer Formensprache eine gewisse Zeitlosigkeit ihrer Werke an. Wie gut ihnen dies gelang, erkennt man an der großen Popularität, die die Werke aus dieser Epoche heute noch haben. Klassizismus Merkmale wie ein klares und strukturiertes Design, eine perfekte Schönheit und ein dezenter Ausdruck machen die Werke auch heute noch beliebt. Daher sind die Werke des Klassizismus in vielen europäischen Städten immer noch große Publikumsmagneten und viele renommierte Museen verfügen über eigene Abteilungen zu dieser Epoche.

Doch der Stil des Klassizismus lässt sich auch leicht in die eigenen vier Wände bringen. Hochwertige Repliken von Gemälden und Skulpturen aus dieser Zeit lassen den Geist und die Ästhetik des Klassizismus aufleben. Eine Gemälde-Reproduktion in der Wohnung oder auch eine größere Statue im Garten sind immer ein Blickfang und strahlen die Eleganz dieser Epoche aus.

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