Die zehn berühmtesten deutschen Maler: Von der Renaissance bis zur Gegenwart
Unter den Kunstschaffenden, die in der Kunstgeschichte eine bedeutende Rolle gespielt haben, finden sich zahlreiche Malerinnen und Maler aus Deutschland. Nicht selten leisteten sie wegweisende Pionierarbeit und veränderten nachhaltig die Malerei ihrer Epoche.
Viele berühmte deutsche Maler und Malerinnen beeinflussten aber nicht nur die Kunst der Zeit, in der sie lebten. Ihre künstlerischen Positionen gelten - auch wenn sie zum Teil viele Jahrhunderte alt sind – auch heute noch als höchst relevant. Ausstellungen mit Werken zum Beispiel von Caspar David Friedrich, Emil Nolde oder Gerhard Richter erfreuen sich beim Publikum anhaltender Beliebtheit.
Im Folgenden sollen zehn der berühmtesten deutschen Malerinnen und Maler von der Renaissance bis zur Gegenwart vorgestellt werden. Dabei wird der Fokus sowohl auf ihr künstlerisches Wirken als auch ihre Biografie und ihren Einfluss auf den Verlauf der Kunstgeschichte gerichtet.
Albrecht Dürer - der berühmte deutsche Maler der Renaissance
Die Renaissance wird häufig vor allem als ein italienisches Phänomen wahrgenommen. Meist werden in diesem Zusammenhang Namen wie Leonardo da Vinci, Michelangelo Buonarroti oder Raffael Santi genannt. Doch ein bedeutender und einflussreicher Künstler der Renaissance kam auch aus Deutschland: Albrecht Dürer (1471–1528).
Wodurch besticht Dürers Kunst?
Der berühmte deutsche Maler war bereits zu Lebzeiten höchst erfolgreich: Vor allem mit Druckgrafiken konnte er sich Anfang des 16. Jahrhunderts europaweit einen Namen machen. Die besondere Qualität seiner Kupferstiche und Holzschnitte bestand in ihrer Perfektion und ihrem Detailreichtum. Stets strebte Dürer danach, seine Motive so realistisch wie möglich wiederzugeben. Diese naturalistische Darstellungsweise konnte er auch auf seine Ölgemälde und Aquarelle übertragen.
Meister des Selbstporträts und Kunsttheoretiker
Albrecht Dürer war außerdem ein sehr gefragter Porträtmaler und perfektionierte darüber hinaus das Genre des Selbstporträts. Doch er zählte nicht nur zu den bedeutendsten Künstlern der Renaissance, sondern machte sich auch als Kunsttheoretiker einen Namen. Er verfasste zahlreiche Schriften, in denen er sich unter anderem ausführlich mit der realistischen Darstellung von Proportionen befasste.
Obwohl Albrecht Dürer vor über 550 Jahren geboren wurde, ist sein Werk auch heute noch vielerorts präsent – sowohl in der Kunstwelt als auch in der Alltagskultur. Seine Motive werden zigfach reproduziert und zieren viele Alltagsgegenstände wie Porzellan und Geschirr, Taschen oder Regenschirme. Außerdem finden immer noch regelmäßig Ausstellungen zu den verschiedenen Facetten seiner Arbeit statt.
Caspar David Friedrich - der große Romantiker der deutschen Malerei
Sein Name ist zum Inbegriff der Malerei der Romantik geworden: Caspar David Friedrich (1774-1840). Der berühmte deutsche Maler verstand es wie nur wenige andere, die Philosophie und das Lebensgefühl dieser Epoche aus seinen Bildern sprechen zu lassen.
Viele seiner Werke sind heute Ikonen der Kunstgeschichte und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, zum Beispiel:
- "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes"
- "Der Wanderer über dem Nebelmeer"
- "Kreidefelsen auf Rügen"
Welche Weltansicht steckt hinter seinem Schaffen?
Ab Ende des 18. Jahrhunderts hatte die Romantik grundlegende Veränderungen sowohl innerhalb der Gesellschaft als auch in der Kunst gebracht. Sie folgte unmittelbar auf die Aufklärung. War diese Phase noch gekennzeichnet von einem sehr rationalen, vernunftorientierten und fortschrittlichen Denken, gewannen in den Romantik-Bildern Emotionen, Geist und Seele, aber auch Religion und Mystik wieder an Bedeutung. Diese Geisteshaltung setzte Caspar David Friedrich unmittelbar in seinen Werken um.
Seine Arbeiten waren als eine Art Symbolsprache zu verstehen. Ihm ging es weniger darum, in seinen Gemälden die Welt realitätsgetreu abzubilden. Vielmehr weckte er mit der atemberaubenden Atmosphäre seiner Landschaftsgemälde große Emotionen.
Was war das Kontroverse an seiner Kunst?
Mit seinen stimmungsvollen Gemälden verzeichnete Caspar David Friedrich bereits zu Lebzeiten einige Erfolge. Der berühmte deutsche Maler der Romantik vermochte es, das Publikum mit seiner detaillierten und realistischen Darstellungsweise in seinen Bann zu ziehen. Doch er sorgte mit seinen Werken auch für Diskussionen unter seinen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen.
Einen echten Skandal rief Caspar David Friedrich 1808 mit seinem Gemälde "Das Kreuz im Gebirge" hervor. Er hatte es sich erlaubt, in einem Landschaftsgemälde ein eher kleines Kruzifix zu platzieren. Für viele Kritikerinnen und Kritiker bedeutete dies eine unangebrachte Vermischung von sakraler Kunst und Landschaftsmalerei – ein absoluter Tabubruch.
Caspar David Friedrich und seine Kunst faszinieren das Publikum bis heute. Seine Motive sind noch immer in der Kunstwelt und in der Alltagskultur allgegenwärtig. Nicht nur Reproduktionen seiner Gemälde, sondern auch viele Produkte wie T-Shirts, Socken oder Tassen sind mit seinen Motiven erhältlich. Sein Einfluss reicht bis in die Social-Media-Welt. So wurde etwa sein ikonisches Bild vom "Wanderer über dem Nebelmeer" unzählige Male nachgestellt.
Max Liebermann - Wegbereiter des deutschen Impressionismus
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts läuteten impressionistische Gemälde eine neue Ära in der europäischen Kunstwelt ein. Französische Künstler wie Claude Monet, Edouard Manet oder Camille Pissarro hatten zu jener Zeit mit der traditionellen Malerei gebrochen. Sie strebten nicht mehr danach, mit ihren Werken objektive Abbilder von der Welt zu schaffen, sondern wollten ihre individuellen Eindrücke im Bild wiedergeben. In den Mittelpunkt stellten sie dabei die Atmosphäre des Moments, insbesondere seine Lichtverhältnisse.
In Deutschland gehörte der Maler und Grafiker Max Liebermann (1847-1935) zu den ersten und auch wichtigsten Vertretern des Impressionismus. Seine Arbeit ab Beginn des 20. Jahrhunderts läutete in Deutschland maßgeblich den Aufbruch in die Malerei der Moderne ein.
Wie Liebermann mit der Tradition brach
Mit seiner avantgardistischen Kunst-Philosophie hatte sich der berühmte deutsche Maler in seiner gesamten Karriere wiederholt gegen geltende Traditionen und Konventionen gestellt.
In den Folgejahren entwickelte Liebermann seinen Malstil kontinuierlich in Richtung des Impressionismus weiter. Anfang des 20. Jahrhunderts fand er dann zu seiner individuellen Bildsprache:
- Seine Werke zeichnen sich durch ihre fast spürbare Atmosphäre und ein meisterhaftes Licht- und Farbenspiel aus.
- Zu seinen Motiven gehörten Landschaften wie Wälder, Alleen und Gärten, aber auch Stadt- und Straßenszenen sowie Einzelpersonen und Gesellschaften, zum Beispiel am Strand oder in Biergärten.
Liebermanns Wirkung in der Kunstwelt
Max Liebermann machte sich aber nicht nur als exzellenter Maler und Grafiker einen Namen. Er war auch in verschiedenen Kunstinstitutionen aktiv. Der bekannte deutsche Maler leitete als Präsident die Berliner Secession sowie die Preußische Akademie der Künste. Außerdem kam ihm die Ehre zuteil, in die französische Société des Beaux-Arts aufgenommen zu werden. Neben Lovis Corinth und Max Slevogt gehört Max Liebermann zu den wenigen auch heute noch bekannten deutschen Impressionisten.
Emil Nolde - Magier der Farben
Anfang des 20. Jahrhunderts brachte der Expressionismus weitere Veränderungen in die bildende Kunst. Seine Künstlerinnen und Künstler lösten sich noch weiter von der traditionellen Idee, die Welt möglichst realistisch abbilden zu wollen. Vielmehr brachten sie in ihren Motiven ihre Emotionen, Wahrnehmungen, Ideen und Meinungen zum Ausdruck. Dafür änderten sie radikal ihre Bildsprache. Sie lösten sich von den natürlichen Proportionen und Farbzuordnungen und reduzierten die Details der Bildgegenstände - zum Teil bis an die Grenzen der Abstraktion.
Noldes expressionistische Bildwelten
Einer der berühmtesten deutschen Maler des Expressionismus war Emil Nolde (1867-1956). Er zählte zu den frühen Vertretern dieses Stils in Deutschland. Sowohl bei den Avantgardisten der "Berliner Secession" als auch der "Brücke" war er Mitglied. 1912 nahm er an einer Ausstellung teil, die von der Redaktionsgemeinschaft "Blauer Reiter" organisiert wurde.
Noldes Werk umfasst Ölgemälde, Grafiken, Aquarelle sowie einige Skulpturen. Seine Werke faszinieren bis heute durch ihre intensive Farbigkeit. Es wirkt fast so, als habe er sich bei der Motivwahl und -gestaltung von den Farben leiten lassen. Dies kommt insbesondere bei seinen Aquarellen zum Ausdruck - zum Beispiel von Seestücken wie "Stilles Meer mit zwei Dampfern" mit seinen imposanten Wolkenformationen. Aber auch andere Motive wie Landschaften, Blumen, urbane Szenen und religiöse Themen erweckte der berühmte deutsche Maler mit seinen virtuosen Farbkompositionen zum Leben.
Nolde und der Nationalsozialismus
Noldes Qualitäten als Künstler sind unbestritten, doch seine Biografie hat auch eine dunkle Seite. Der bekannte deutsche Maler war ein Unterstützer der Politik Hitlers und Mitglied in der NSDAP. Zwar wurde er unter den Nationalsozialisten als "entartet" betrachtet und erhielt 1941 Berufsverbot, doch das ließ ihn nicht an der Ideologie der Nazis zweifeln.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er alles daran, diesen Teil seiner Geschichte aus der Öffentlichkeit herauszuhalten und sich als verfolgten Künstler darzustellen. Damit ist er eines von mehreren Beispielen in der Kunstgeschichte, bei denen die künstlerische Leistung von persönlichem Fehlverhalten überschattet wird.
Max Beckmann: Individualist der Avantgarde
Der deutsche Maler und Grafiker Max Beckmann (1884-1950) zählt zu den großen Ausnahmekünstlern der Klassischen Moderne. Um die Jahrhundertwende hatte sich die Malerei in Europa in einem großen Veränderungsprozess befunden. Viele avantgardistische Künstlerinnen und Künstler brachen mit der traditionellen Malerei und strebten nach zeitgemäßen Ausdrucksformen. Auch Max Beckmann orientierte sich in seiner Malweise neu und ließ sich von verschiedenen Stilen inspirieren, zum Beispiel vom Impressionismus, Expressionismus oder der Neuen Sachlichkeit.
Meister der starken Kontraste und verzerrten Perspektiven
Beckmann sah sich nie nur einer bestimmten Epoche verpflichtet, sondern entwickelte seinen ganz individuellen Stil. Dabei blieb er aber immer der figurativen Malerei treu und lehnte die radikale Abstraktion strikt ab.
Max Beckmann beherrschte eine besonders eindrückliche Bildsprache:
- Der berühmte deutsche Maler arbeitete stets mit kraftvollen und kontrastreichen Farben.
- Häufig grenzte er die Bildelemente mit schwarzen Konturenlinien voneinander ab.
- Bei der Bildkomposition spielte er häufig mit den Proportionen der Gegenstände.
- Besonders Personen überzeichnete er bisweilen ins Groteske und stellte sie zum Beispiel mit übergroßen Köpfen oder besonders langen Extremitäten dar.
- Außerdem verzerrte er oftmals die Bildräume oder manipulierte die räumliche Perspektive.
Neben Gemälden von Einzelpersonen, Gesellschaften und Porträts schuf er auch Stadt- und Gebäudeansichten sowie Landschaften und Stillleben, die alle auf ihre Weise die Lebenssituation Anfang des 20. Jahrhunderts widerspiegelten.
Was macht Max Beckmanns Lebensweg so besonders?
Max Beckmann machte eine beeindruckende künstlerische Karriere. Schon sehr früh hatte der bekannte deutsche Maler sein Talent bewiesen:
- Er soll erst 14 Jahre alt gewesen sein, als er sein erstes Selbstporträt und erste Landschaftsgemälde malte.
- Ab 1900 besuchte er die Kunstschule in Weimar und konnte bereits 1906 mit der Berliner Secession ausstellen.
- Ab 1914 gehörte Beckmann zu den Mitbegründern der Freien Secession in Berlin.
- Der internationale Durchbruch gelang ihm in den 1920er-Jahren, zudem folgte er einem Ruf an die Städelschule in Frankfurt am Main als Professor.
- Durch die Politik der Nationalsozialisten wurde seine Karriere abrupt unterbrochen. Als diese ihn als "entartet" diffamierten, verließ er Deutschland und zog zunächst nach Amsterdam.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte Beckmann in die USA. Hier konnte er seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen und nahm u.a. eine Professur an der "St. Louis School of Fine Arts" an.
- Im Dezember 1950 starb Max Beckmann in seiner Wahlheimat.
Paul Klee - Schlüsselfigur der Moderne
Paul Klee (1879-1940) zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten der europäischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Klee verstand es wie nur wenige andere, mit Leichtigkeit zwischen Figuration und Abstraktion zu wechseln. Er ließ Impulse aus verschiedenen Stilen wie Expressionismus, Konstruktivismus, Kubismus oder Surrealismus in sein Werk einfließen. Zudem beherrschte er viele verschiedene Themen und Stimmungen wie meditative Bildkompositionen, skurrile und fantastische Bildwelten bis hin zu Motiven mit einer fast kindlichen Freude.
Die wichtigsten Phasen seiner künstlerischen Entwicklung
Die Biografie des deutsch-schweizerischen Malers und Grafikers ist eng mit zahlreichen wichtigen Phasen der Kunstgeschichte verknüpft. Unter anderem nahm er an einer Ausstellung der Redaktionsgemeinschaft "Blauer Reiter" teil, zu der berühmte Künstler wie August Macke, Franz Marc, Gabriele Münter und Alexej Jawlensky gehörten.
Zu einem weiteren Höhepunkt in der Karriere Klees zählte die Berufung an das Weimarer Bauhaus im Jahr 1921. Walter Gropius zählte zu den großen Bewunderern Klees und setzte alles daran, ihn ans Bauhaus zu holen. In einem Telegramm an Klee schrieb er:
"Die Schüler strahlen in dem Gedanken, daß Sie kommen könnten; also eigentlich alle erwarten Sie hier mit Liebe."
Bis 1931 lehrte Klee an der einflussreichen Kunstschule. Parallel gründete er 1924 gemeinsam mit den Bauhaus-Meistern Lyonel Feininger und Wassily Kandinsky sowie Alexej von Jawlensky die Ausstellungsgemeinschaft "Die Blauen Vier". Im gleichen Jahr fand in New York auch die erste Einzelausstellung Klees in den USA statt.
Letzte Lebensjahre im Exil
Wie für viele progressive Künstlerinnen und Künstler bedeutete die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 auch für Klee eine Zäsur. Die Nazis diffamierten ihn als "entartet" und entließen ihn aus seiner Tätigkeit als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Klee verließ daraufhin Deutschland und emigrierte in die Schweiz.
Kurze Zeit später wurde er erneut auf eine große Probe gestellt. Er litt ab 1935 (nach heutigen Erkenntnissen) an Sklerodermie, einer rheumatischen Erkrankung. Obwohl er dadurch stark beeinträchtigt war, blieb sein Schaffensdrang ungebrochen. Im Juni 1940 aber verlor er den Kampf gegen die Krankheit.
Paul Klees Vermächtnis ist von unschätzbarem Wert für die Kunstgeschichte. Der berühmte deutsche Maler schuf zahlreiche ikonische Werke, darunter:
- "Baldgreis"
- "Hauptweg und Nebenwege"
- "Schloss und Sonne"
Seine Werke sind in allen renommierten Sammlungen der Welt vertreten, werden regelmäßig in Ausstellungen gewürdigt und sind auf Auktionen beliebte und hochbezahlte Objekte.
Paula Modersohn-Becker - die Pionierin des Expressionismus
Sie war in der Kunst der Moderne eine absolute Ausnahmeerscheinung - die deutsche Malerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907). Sie gehörte nicht nur zu den wenigen Frauen, die sich ihren Platz in einer von Männern dominierten Kunstwelt erkämpfen konnten. Sie leistete darüber hinaus bedeutende Pionierarbeit für den Expressionismus in Deutschland. Vielen ihrer männlichen Kollegen war sie dabei weit voraus. Modersohn-Becker wurde nur 31 Jahre alt, doch sie war eine beeindruckende Visionärin und bewies künstlerisch wie privat großen Mut.
Kein Platz an der Akademie - und doch eine Vorreiterin der Moderne
Paula Modersohn-Becker hatte schon früh ein Interesse für Malerei und Zeichnung entwickelt. Einen ersten entsprechenden Unterricht erhielt sie 1892 im Zuge eines Aufenthalts in England. An ein traditionelles Studium als Malerin war allerdings Ende des 19. Jahrhunderts nicht zu denken. Frauen erhielten in Deutschland zu dieser Zeit schlichtweg noch keinen Zutritt zu Kunstakademien. Daher nahm sie privaten Malunterricht und belegte u.a. in Paris Kurse an verschiedenen Kunstschulen.
Großen Einfluss hatten auch Aufenthalte in der Künstlerkolonie Worpswede, bei denen sie ihren individuellen Malstil ausarbeitete. Anfänglich hatten ihre Werke noch deutliche Parallelen zum Impressionismus aufgewiesen. Doch nach und nach veränderte sie ihre Darstellungsweise, indem sie sich auf wenige Merkmale ihrer Bildgegenstände konzentrierte.
Ein unkonventioneller Blick auf Mensch und Wirklichkeit
Auch bei der Wahl ihrer Motive wich sie von den Konventionen ihrer Zeit ab. Neben traditionellen Landschaften und Stillleben bildeten Menschenbildnisse einen großen Schwerpunkt in ihrem Werk. Für ihre Porträts wählte sie aber keine Persönlichkeiten von Rang und Namen. Vielmehr widmete sie sich den einfachen Menschen, die sonst eher selten im Fokus standen wie:
- Armen,
- Alten,
- Kindern,
- Müttern oder
- Bauern.
Sie verzichtete dabei auf eine romantisierende oder idealisierende Darstellung und zeigte die Porträtierten ehrlich und natürlich.
Erst im Nachleben gewürdigt
Heute ist Paula Modersohn-Becker als wegweisende Künstlerin weithin anerkannt. Zu Lebzeiten aber waren ihre Gemälde für das breite Publikum deutlich zu progressiv und ihr blieb ein öffentlichkeitswirksamer Erfolg verwehrt. So soll sie maximal fünf ihrer Bilder verkauft haben.
Die Bewertung ihres Œuvres änderte sich allerdings schon bald nach ihrem Tod. Ihr Ehemann Otto Modersohn organisierte erste Ausstellungen mit ihren Bildern und auch Sammlerinnen und Sammler wurden auf sie aufmerksam.
Zahlreiche private und öffentliche Sammlungen haben bis heute ihre Werke in ihren Bestand aufgenommen, u.a. das Städel Museum, Frankfurt, das Museum of Modern Art, New York und das British Museum, London.
Mehr über diese außergewöhnliche Künstlerin erfahren Sie in unserem Beitrag "Paula Modersohn-Becker: Eine Ikone der klassischen Moderne".
Otto Dix: schonungsloser Chronist seiner Zeit
"Der Maler ist das Auge der Welt", hat Otto Dix (1891-1969) einmal gesagt. Ganz im Sinne dieses Leitspruchs machte der deutsche Maler und Grafiker seine Werke zu Spiegeln des Zeitgeschehens. Mit seiner oft schonungslosen Darstellungsweise wurde er zu einem gleichermaßen herausragenden wie umstrittenen Künstler seiner Zeit. Heute gilt er als einer der einflussreichsten und bedeutendsten Maler des 20. Jahrhunderts.
Stilpluralismus statt Konformität
In seiner gesamten Karriere ging Otto Dix stets seinen eigenen Weg. Er scherte sich wenig um aktuelle Kunst-Trends oder -Konventionen. Die Form des künstlerischen Ausdrucks wählte er immer unmittelbar abhängig vom Bildthema.
Zwar wird seine Malerei heute üblicherweise unter der Kategorie "Neue Sachlichkeit" geführt. Doch Dix sah sich über seine Karriere hinweg keinem Stil dauerhaft verpflichtet. Er machte Ausflüge in verschiedene Epochen der Malerei, wie Expressionismus, Impressionismus, Futurismus, Dadaismus, Realismus und altmeisterliche Malerei. Wichtigstes Kriterium war, dass der Stil in der Lage sein musste "die Dinge zu geben, wie sie sind", wie Dix es formulierte.
Unbequeme Motive und politische Konsequenzen
Ebenso unkonventionell verfuhr er bei der Wahl seiner Motive und Themen. Seine Werke machte er zugleich zu Reflexionsflächen und Kommentaren zum Zeitgeschehen. Er griff sowohl die Situation im Ersten und Zweiten Weltkrieg als auch in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit im geteilten Deutschland auf.
Sein Portfolio an Motiven hatte er sehr breit gefächert:
- Kriegsszenen
- Stadt- und Landschaftsbilder
- Akte
- Porträts
- gesellschaftliche Anlässe
- religiöse Themen
In der Vielfalt seines Œuvres stand immer das Individuum in einer Zeit voller Umbrüche im Mittelpunkt. Dabei sparte Dix nicht mit Kritik an den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen. Häufig griff er höchst unbequeme, verstörende und provokante Themen auf. Mit Motiven von menschlichen Abgründen, Tod, Wahn, Lust und Leid forderte er das Publikum immer wieder aufs Neue heraus.
Sowohl mit seiner Themenwahl als auch seiner grotesk-expressiven Bildsprache fiel er unter den Nationalsozialisten fast zwangsläufig in Ungnade. Wie viele andere Kunstschaffende der Avantgarde auch wurde Dix als "entartet" diffamiert. Seine Werke wurden aus Galerien und Museen entfernt, zudem verlor er seine Professur an der Dresdner Akademie.
Gerhard Richter - der berühmteste deutsche Maler der Gegenwart
Gerhard Richter darf mit Fug und Recht als der aktuell berühmteste deutsche Maler bezeichnet werden. Seit vielen Jahrzehnten steht Richter, Jahrgang 1932, an der Spitze der internationalen Gegenwartskunst.
Eine Leitfigur der Gegenwartskunst
Der Maler, Bildhauer und Grafiker führt seit 18 Jahren den "Kunstkompass" des Magazins Capital unangefochten an. Damit gilt er als der bedeutendste Künstler der Gegenwart, gemessen an Ausstellungen, Ankäufen von Museen und Auszeichnungen. Auch bei Auktionen erzielen seine Werke immer wieder Höchstpreise im sechs- bis siebenstelligen Bereich.
Darüber hinaus ist Gerhard Richter in allen relevanten Sammlungen und Kunstinstitutionen vertreten, wie etwa im Centre Pompidou, Paris, der Tate Britain, London, im Museum of Modern Art, New York und im National Museum of Modern Art, Tokio.
Die Bildsprache Gerhard Richters
Gerhard Richter hat sich in seinem Werk in Bezug auf Techniken und Motive immer als sehr flexibel erwiesen. Einen großen Schwerpunkt in seinem Werk bildet die Malerei, doch er beherrscht viele weitere Techniken wie Zeichnung, Druckgrafik, Bildhauerei und Installationen. Für den Kölner Dom gestaltete er zudem einige Kirchenfenster.
Ohne Probleme schaltet er in seinen Werken immer wieder zwischen Abstraktion und Figuration um. In seinem umfangreichen Œuvre hat Richter verschiedene Schwerpunkte gesetzt. In seiner gegenständlichen Malerei hat er eine leichte Unschärfe geradezu zu seinem Markenzeichen gemacht. Er löst die Konturen und Details seiner Bildgegenstände dezent auf, sodass sie etwas verschwommen wirken.
Darüber hinaus ist die deutsche Geschichte ein immer wiederkehrendes Thema in Richters Werk:
- 1988 hatte er sich bereits in der Werkgruppe "18. Oktober 1977" mit dem Terror der Roten-Armee-Fraktion auseinandergesetzt.
- Im Jahr 2014 schuf er den "Birkenau"-Zyklus auf Grundlage von Fotografien der Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.
Obwohl Gerhard Richter als Künstler kontinuierlich Erfolge feiert, hat er nie die Bodenhaftung verloren. Er gilt als eher öffentlichkeitsscheu und zurückhaltend und hat weder Skandale noch Provokationen nötig. Auch Interviews sind selten. Der wohl derzeit berühmteste deutsche Maler lässt lieber seine einzigartigen Kunstwerke für sich sprechen.
Neo Rauch - wichtigster Vertreter der "Neuen Leipziger Schule"
Er ist die Galionsfigur der "Neuen Leipziger Schule" schlechthin – der Maler und Grafiker Neo Rauch. Ab etwa der Jahrtausendwende etablierte sich von der "Hochschule für Grafik und Buchkunst" in Leipzig ausgehend ein figurativer Malstil, der bald national und international Erfolge feierte.
Neo Rauch, Jahrgang 1960, zählt heute zu wichtigsten Vertretern dieser Schule und zu den bedeutendsten deutschen Malern des 21. Jahrhunderts. Er repräsentiert aber auch eine Künstlergeneration, deren Kunst geprägt ist von einer Biografie in beiden deutschen Staaten.
Sozialistischer Realismus und der Weg hinaus
Rauchs künstlerischer Werdegang begann noch zu DDR-Zeiten. Die bildende Kunst in der DDR war weitestgehend abgekoppelt von internationalen Trends. Vom Staat gewünscht und gefördert wurde vor allem der "Sozialistische Realismus" - eine figurative, pathetische und nicht zuletzt stark ideologisch gefärbte Malerei.
Von 1986 bis 1990 studierte Rauch bei Arno Rink und Bernhard Heisig an der "Hochschule für Grafik und Buchkunst" in Leipzig, deren Lehre noch deutlich geprägt war vom Sozialistischen Realismus. Doch Rauch genügte es nicht, lediglich diesen Malstil fortzusetzen. Vielmehr entwickelte er eine individuelle und unverkennbare figurative Bildsprache, eine Kombination aus Elementen von:
- Surrealismus,
- altmeisterlicher Malerei,
- Comic-Ästhetik und
- Collage.
Auf den ersten Blick wirken Rauchs Bildszenen, als würden sie eine reale Geschichte erzählen, fast wie in der Tradition der Genrebilder. Bald aber merkt man, dass sich die Motive eben doch nicht so leicht entschlüsseln lassen. Vielmehr konstruiert Rauch in seinen Gemälden surreale Situationen. Menschen, die durchaus real sein könnten, lässt er auf Fantasiefiguren und abstrakte Objekte vor unwirklichen Kulissen treffen.
Die Inspiration für seine Bildgegenstände und Szenen findet Rauch in den unterschiedlichsten Quellen:
- persönliche Erlebnisse und Erfahrungen aus seiner Kindheit
- historische Ereignisse
- Traumsequenzen
- Fantasien
- individuelle wie kollektive Traumata
Seine Protagonisten lässt Rauch Handlungen ausführen, die für sich genommen sinnvoll erscheinen, im Gesamtkontext aber absurd bis grotesk wirken. So hinterlassen Rauchs häufig sehr komplexe Bildkompositionen oftmals eher einen verwirrenden Bildeindruck denn eine klare Botschaft. Dennoch strahlen alle seine Werke eine kraftvolle Aura aus. Auch wenn sie in ihrer Grundstimmung häufig bedrückend und nicht selten verstörend wirken, üben sie eine starke Faszination und Anziehungskraft aus.
Weltweit gefragt: Die zeitgenössische Kunst von Neo Rauch
Neo Rauch ist als einer der berühmtesten deutschen Maler seit über 30 Jahren auf dem Kunstmarkt präsent. Nachdem er ab Mitte der 1990er-Jahre in Deutschland erste Erfolge feierte, konnte er sich ab den 2000er-Jahren auch international durchsetzen. Insbesondere in den USA sind seine Gemälde sehr begehrt.
- Der berühmte deutsche Maler hatte Ausstellungen auf der ganzen Welt, unter anderem in so renommierten Häusern wie dem Metropolitan Museum of Art in New York, im Museum Frieder Burda oder in der Pinakothek der Moderne in München.
- Auf Auktionen erzielen seine Werke Erlöse bis in den siebenstelligen Bereich.
- Seine Arbeit wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, u.a. 2018 mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.