Die großen Maler der Romantik: Friedrich, Turner, Spitzweg

Die großen Maler der Romantik: Friedrich, Turner, Spitzweg

Autor: ars mundi, Veröffentlichkeitsdatum: 04/2026, Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

In der Romantik stand das Seelenleben des Menschen im Mittelpunkt von Kunst, Literatur und Philosophie. Die Epoche erstreckte sich etwa vom Ende des 18. bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Umbrüche konzentrierten sich viele Menschen auf sich selbst.

Die Malerinnen und Maler der Romantik beschäftigten sich mit ihrer Gefühlswelt, interessierten sich für spirituelle und mystische Themen und pflegten eine enge Verbindung zur Natur. Dieses Lebensgefühl spiegelte sich auch in der Malerei der Romantik wider.

  • Die Sehnsucht nach dem Unendlichen: Epische, oft melancholische Landschaften.
  • Die Welt der Mythen: Eine Rückbesinnung auf spirituelle und mystische Themen.
  • Die Idylle des Alltags: Die Darstellung friedlicher, teils humorvoller Szenen.
  • Das ganzheitliche Dasein: Der Mensch mit all seinen Emotionen und Träumen.

Heute sind es vor allem drei berühmte Maler der Romantik, die sinnbildlich für die gesamte Epoche stehen – Caspar David Friedrich, William Turner und Carl Spitzweg. Am Beispiel ihrer Werke soll die Malerei der Romantik vorgestellt werden.

Die Themen der Maler der Romantik

Die Epoche der Romantik definierte sich stark durch die Abgrenzung von der Aufklärung im Klassizismus. Deren Vertreterinnen und Vertreter hatten in Logik und Vernunft die Maxime für alles menschliche Handeln gesehen. Ein vernunftgeleitetes Verhalten sollte den Weg zu Fortschritt und Innovation ebnen und gesellschaftliche Probleme lösen. Die Romantikerinnen und Romantiker hingegen befürchteten, dass in einer rein rational geprägten Welt die Seele des Menschen leiden würde. Daher wollten sie die Gefühlsebene wieder stärker betonen.

Träume, Fantasien, Spiritualität und Mystik

Die Kunstschaffenden der Romantik beschäftigten sich mit den Emotionen, Träumen und Fantasien der Menschen, aber auch mit Spiritualität und Mystik. Die Epoche der Romantik war auch eine Reaktion auf politische und gesellschaftliche Veränderungen im 18. und 19. Jahrhundert wie die Französische Revolution und die Industrialisierung. Viele Menschen sehnten sich nach Ruhe und Sicherheit. Sie flüchteten in die Idylle der Natur, in Fantasiewelten und beschäftigten sich mit selbst, anstatt sich mit der Realität auseinanderzusetzen.

Diese Lebenseinstellung fand auch Ausdruck in den Themen der Romantik Bilder. Die Malenden konzentrierten sich auf Motive, in denen das Individuum im Vordergrund stand – sowohl im übertragenen Sinne als auch ganz konkret. Die Malerinnen und Maler der Romantik griffen in ihren Werken Themen wie Sehnsucht, Vergänglichkeit, Träume, Ängste, Leidenschaft oder Melancholie auf.

Neben den subjektiven Empfindungen beschäftigten sie sich aber auch mit religiösen oder spirituellen Motiven. Die Inhalte setzten die Künstlerinnen und Künstler der Romantik in verschiedenen Motivgruppen um, zum Beispiel in idyllischen Momenten mit Paaren, Familien oder Gesellschaften, majestätischen Landschaften oder dramatischen Szenen aus Mystik und Fabeln.

Landschaften als beliebtes Motiv

Die Landschaften bildeten einen großen Schwerpunkt in der romantischen Malerei. Die Malerinnen und Maler der Romantik feierten in ihren opulenten Werken die Schönheit und Erhabenheit der Natur. Doch sie schufen nicht nur besonders ästhetische und prächtige Impressionen von Landschaften. Häufig luden die Kunstschaffenden ihre Motive auch symbolisch auf, um Emotionen zu transportieren oder Botschaften zu vermitteln.

Bild 'Mondaufgang am Meer' von Caspar David Friedrich

Caspar David Friedrich – der berühmte deutsche Romantik Maler

Caspar David Friedrich (1774 – 1840) ist der prominenteste deutsche Maler der Romantik. Friedrich besaß die einzigartige Fähigkeit, menschliche Emotionen in Bilder von Landschaften übersetzen zu können. Er thematisierte existenzielle Fragen des menschlichen Daseins, indem er dazu passende Szenen von Natur und Landschaft inszenierte.

Sein Stil zeichnete sich durch eine mal idyllische, mal dramatische Darstellung aus. Mit großer Perfektion und Liebe zum Detail schuf er beinahe fotorealistische Landschaftsansichten. Doch Friedrich ging es nie um eine wirklichkeitsgetreue Dokumentation der Natur. Er ließ sich zwar von realen Landschaften in ganz Deutschland inspirieren. In seinen Gemälden konstruierte er dann aber aus seinen Eindrücken eine fiktive Welt.

Eines der berühmtesten Gemälde Friedrichs ist "Der Wanderer über dem Nebelmeer". Das etwa 1818 entstandene Gemälde zeigt einen Mann in einer Rückenansicht. Er steht auf einem Felsen und blickt auf eine Landschaft mit imposanten, dynamischen Wolkenformationen. Friedrichs Gemälde wurde verschiedentlich interpretiert. So könnte es für die Erreichung eines Ziels und die Verbundenheit mit der Natur stehen, aber auch als Sinnbild für den Übergang vom Diesseits zum Jenseits, für Melancholie oder für Einsamkeit gedeutet werden.

Bild 'Venedig' von William Turner

William Turner – der Pionier der Lichtmalerei

William Turner (1775–1851) zählt zu den bedeutendsten Malern der englischen Romantik. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts war er eine feste Größe in der Kunstszene Londons. Mit Anfang 20 stellte er seine ersten Gemälde aus, mit Ende 20 wurde er bereits zum Professor an die Royal Academy berufen.

Zu Turners bevorzugten Bildthemen gehörten Seestücke, Landschaften und Städteansichten. Seine Motive fand der englische Maler der Romantik nicht nur in seinem Heimatland, sondern auch auf zahlreichen Reisen. So malte er verschiedene Sehenswürdigkeiten Europas, zum Beispiel die Kanäle von Venedig, den Gotthardpass, den Loreley-Felsen oder Stonehenge.

William Turner spiegelte in seinen Werken die Schönheit, die Mystik und die Kraft der Natur wider. Um den Charakter und die Atmosphäre seiner Motive möglichst eindrücklich wiederzugeben, entwickelte er eine Malweise, die zu seiner Zeit geradezu revolutionär war. Anstatt sich darauf zu beschränken, seine Motive realistisch abzubilden, wollte er in seinen Werken etwas von seiner subjektiven Wahrnehmung wiedergeben. Er soll einmal gesagt haben:

"Meine Aufgabe ist es, das zu malen, was ich sehe, nicht das, von dem ich weiß, dass es da ist"

Daher konzentrierte er sich nicht auf Detailtreue und Realismus, sondern auf die Wiedergabe der Lichtverhältnisse, des Farbenspiels und der Stimmung des Augenblicks.

Auch in seinem Gemälde "The Grand Canal Venice" aus dem Jahr 1835 konzentrierte er sich auf das gleißende Licht des einen Moments. Sowohl die Wolken am Himmel als auch die hellen Bauwerke reflektieren das Sonnenlicht. Die Gebäude links und rechts des Kanals skizzierte Turner lediglich. Zudem löste er die Konturen der Häuser mehr und mehr auf, je weiter sie in den Bildhintergrund rücken. Mit dieser Malweise gilt William Turner heute als ein wesentlicher Wegbereiter des Impressionismus.

Bild 'Der arme Poet' von Carl Spitzweg

Carl Spitzweg – der schelmische Chronist seiner Zeit

Carl Spitzweg (1808 – 1885) ist der bekannteste Maler der Biedermeierzeit. Diese Epoche erstreckte sich in Deutschland von Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts und fiel damit in die Phase der Spätromantik. Beide Epochen überlappten sich nicht nur zeitlich.

Die Merkmale der Biedermeier Kunst wiesen deutliche Parallelen zur Romantik auf. Auch Carl Spitzweg stand ganz in der Tradition der Malerei der Romantik. Er verstand sich auf eine höchst realistische Malweise. Er arbeitete die Bildgegenstände sehr detailliert aus, um sie möglichst wirklichkeitsgetreu wirken zu lassen. Zu seinen Motiven gehörten idyllische Landschaften und Genreszenen.

Häufig porträtierte Spitzweg etwas spleenige Außenseiter, wie zum Beispiel in "Der arme Poet" (1839). In diesem Gemälde griff er den etwas verklärten Beruf des Schriftstellers satirisch auf. Er zeigte den Poeten als einen Mann, der offenbar tagsüber im Bett liegend seiner Arbeit nachgeht. Er lebt allein in einer kleinen, kargen und vermutlich kalten Wohnung, scheint aber nicht unglücklich zu sein. Heute würde man sagen, Carl Spitzweg schuf mit diesem Gemälde ein Sinnbild für das geflügelte Wort der "brotlosen Kunst".

Auch nach 250 Jahren ist die Malerei der Romantik immer noch aktuell

Auch wenn die Malerei der Romantik ab Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst etwas an Bedeutung verlor, hatte sie noch großen Einfluss auf verschiedene folgende Kunstepochen.

Viele Impulse, die die Malerinnen und Maler der Romantik setzten, wurden in nachfolgenden Stilen weiterentwickelt. So ließen sich zum Beispiel die Impressionisten von der Art und Weise inspirieren, wie William Turner das Licht und die Atmosphäre darstellte. Auch die möglichst wirklichkeitsgetreue Darstellungsweise der Romantik Kunst wurde später wieder aufgegriffen, zum Beispiel in der Neuen Sachlichkeit Anfang des 20. Jahrhunderts. Selbst in der zeitgenössischen Kultur lassen sich wieder die Spuren der Romantiker und ihrer Geisteshaltung erkennen.

Malerinnen und Maler der Romantik erfreuen sich heute an großer Beliebtheit

Nach wie vor erfreuen sich die Werke der Künstler der Romantik wie Caspar David Friedrich oder William Turner großer Beliebtheit. Ihre Bildsprache ist so universell, dass sie auch nach über 250 Jahren das Publikum fasziniert und bewegt. Ihre Popularität beruht nicht zuletzt darauf, dass sie Themen aufgriffen, die alle Menschen unabhängig vom historischen Kontext beschäftigt, zum Beispiel Liebe, Sehnsucht oder Melancholie.

Außerdem suchen auch heute wieder viele Menschen angesichts anhaltend großer Krisen in der Welt nach Sicherheit und Idylle. Wie in der Epoche der Romantik erscheint da der Rückzug ins Private zunehmend als ein Ausweg. So werden heute in zahlreichen Social-Media-Trends im Kern romantische Ideen aufgegriffen. Es werden zum Beispiel idealisierte Landschaftsmotive gefeiert oder die heimelige Gemütlichkeit zelebriert. Offenbar ist die Kunst der Romantik und ihre Botschaft heutzutage immer noch aktuell und zeitgemäß.

Ausgewählte Werke zu den großen Malern der Romantik

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