Andy Warhols Marilyn – 10 Fakten zu den legendären Kunstwerken

Andy Warhols Marilyn – 10 Fakten zu den legendären Kunstwerken

Autor: ars mundi, Veröffentlichkeitsdatum: 02/2025, Geschätzte Lesezeit: 9 Minuten

Eine Ikone huldigt einer Ikone: Andy Warhol, selbst eine Legende der Pop-Art, war ein großer Bewunderer von Marilyn Monroe, eine der Kultfiguren des 20. Jahrhunderts schlechthin. In mehreren Werkserien griff er ihr Porträt auf und interpretierte es in seiner typischen Siebdruck-Ästhetik.

Einen besonderen Status erlangten die Bilder der "Shot Marilyn"-Reihe. Ihre einzigartige Geschichte machte sie zu Meilensteinen der Pop-Art: So schuf Warhol die ersten Porträts von Monroe kurz nach ihrem tragischen Tod. Die Originale der Serie wurden tatsächlich beschossen und sie erzielten in den folgenden Jahrzehnten bei Auktionen Millionen-Erlöse.

1. Warhols Marilyn-Serie wurde von einer Kugel getroffen

Andy Warhol war sowohl von der Schönheit Monroes als auch von ihrem Status als Person des öffentlichen Lebens fasziniert. Er betrachtete sie als eine Ikone der Popkultur und den Inbegriff von Prominenz. Zugleich sah er in ihr eine Art Seelenverwandte, denn wie er selbst sei sie oft missverstanden, unterschätzt und nicht hinreichend gewürdigt worden.

Als die Hollywood-Legende 1962 starb, schuf er in Gedenken das "Marilyn Diptych". Es basierte auf einem Pressefoto aus dem Jahr 1953. Auf die gleiche Fotografie griff er 1964 noch einmal für eine Serie von Siebdrucken zurück.

Zu ihrem heutigen Namen kamen die Bilder dieser Serie nach einem Vorfall im Herbst 1964 in Warhols Studio "Factory". Eines Tages hatte die amerikanische Künstlerin Dorothy Podber, die mit Warhol befreundet war, die Räume in der New Yorker East 47th Street betreten. Über die weiteren Umstände kursieren heute verschiedene Versionen. Fest steht, dass Podber eine Pistole zog und auf die Bilder Monroes, die hintereinander an der Wand lehnten, einen Schuss abgab. Im Nachgang soll sie diese Tat als "Happening" deklariert haben.

Die Kugel durchschlug vier der Bilder. Warhol versuchte die Einschusslöcher zu reparieren, doch dies gelang ihm nur zum Teil. Die Beschädigungen lassen sich bei den vier Werken noch immer mehr oder weniger deutlich erkennen.

Seit diesem Attentat tragen die vier betroffenen Werke die Titel:

  • Shot Red Marilyn,
  • Shot Orange Marilyn,
  • Shot Light Blue Marilyn und
  • Shot Sage Blue Marilyn.

Als einzige Version blieb "Turquoise Marilyn" unversehrt. Zweifelsohne war es der Anschlag Dorothy Podbers, dem diese Serie ihre große Bekanntheit und eine immense Wertsteigerung verdankt.

2. Die Shot-Marilyn-Fotovorlage hat es so nie gegeben

Nach Marilyn Monroes Tod 1962 war Andy Warhol – angeblich auf einem Flohmarkt – auf das Foto gestoßen, dass er später für die Shot-Marilyn-Serie verwenden sollte. Das Foto war im Zusammenhang mit dem Film "Niagara" aus dem Jahr 1953, in dem Monroe die Hauptrolle spielte, veröffentlicht worden. Es wurde von der Filmproduktionsfirma 20th Century Fox verwendet, um den Film zu promoten.

Das Schwarz-Weiß-Foto war aber ursprünglich größer und hatte ein anderes Format als das Motiv, dass Warhol später für seine Siebdrucke verwendete. Er hatte in etwa das untere Drittel des Originals entfernt und das Porträt zudem auf ein Quadrat zugeschnitten. Von diesem Ausschnitt ließ Warhol dann eine Siebdruckvorlage erstellen und produzierte auf dieser Grundlage die verschiedenen Varianten der Shot Marilyns.

Andy Warhol: Bild 'Shot Orange Marilyn'

3. Für die Shot Marilyns verwendete Warhol seinen typischen Siebdruck

Wie viele seiner Werke entstand auch Warhols Marilyn Monroe im Siebdruckverfahren. Beim Siebdruck handelt es sich um eine Drucktechnik, bei der von einer einmal erstellten Vorlage endlos viele Abzüge gemacht werden können. Die Vorlage besteht aus einer Siebplatte aus Metall oder einem feinen Gewebe, wobei das Material nur für das Motiv farbdurchlässig ist.

Die Farbe wird im Siebdruckprozess mit einer Rakel durch die Poren des Siebes auf das Medium übertragen. Diese Technik kann auf vielen Medien angewendet werden, wird aber vornehmlich für den Druck auf Textilien, Plastik, Keramik, Metall, Holz oder Glas eingesetzt. Die Druckgeschwindigkeit ist im Vergleich zu anderen Verfahren wie etwa dem Offset-Druck allerdings langsam.

Anfang der 1960er-Jahre hatte er den Siebdruck für sich entdeckt. Er passte perfekt in sein künstlerisches Konzept, das sich grundlegend vom traditionellen Kunstverständnis seiner Zeit unterschied. Warhol hielt nichts vom Prinzip des einmaligen Originalwerks, sondern war davon überzeugt, dass auch Kunst ein Konsumprodukt sei und es daher auch seriell hergestellt werden dürfe. Die Kunst könne auf diese Weise viel mehr Menschen zugänglich gemacht werden.

Außerdem machte er keinen Hehl daraus, dass es ihm immer auch um den wirtschaftlichen Erfolg ging. Um seine Ziele zu erreichen, war der Siebdruck das perfekte Werkzeug. Auch die Marilyn-Monroe-Serie produzierte Warhol im Siebdruckverfahren. Allerdings hatte er die Leinwand zunächst mit verschiedenen Acrylfarben bemalt, die später den fünf Varianten des Porträts ihre Namen gaben.

4. Warhol interpretierte Monroes Porträt immer wieder neu

Andy Warhol ließ sich in seiner Karriere von Marilyn Monroe zu mehreren Werkreihen inspirieren. Nach dem "Marilyn Diptych" 1962 und den "Shot Marilyn" 1964 griff er sein ikonisches Motiv in den Folgejahren noch mehrmals auf. Obwohl er immer wieder die gleiche fotografische Vorlage verwendete, unterschieden sich alle folgenden Bildzyklen grundlegend von den vorherigen Porträts.

In seinen früheren Serien hatte er noch die Schönheit Monroes und ihren Status als Ikone Amerikas herausgearbeitet. In der Wiederaufnahme hingegen zeigte er – sowohl sinnbildlich als auch buchstäblich – die Kehrseite des berühmten Porträts. Er verwendete nicht das Originalfoto, sondern einen Negativabzug für die Siebdrucke. Bereits 1967 schuf er auf dieser Grundlage ein Portfolio, bei dem er die Flächen mit grellen Farben kolorierte.

In der "Reversal-Serie" Ende der 1970er-Jahre ging er noch radikaler vor. Er orientierte sich im Wesentlichen am Charakter des Negativs, sodass große Teile des Bildes schwarz blieben. Nur wenige Segmente wie Augen, Lippen, die Nase und die Haare ließ er weiß bzw. färbte sie mit knalligen Farben ein.

Der Bildeindruck dieser Marilyn-Serie ist weit entfernt von allen glamourösen Porträts. Vielmehr wirkt Monroe hier eher unheimlich, fast wie ein Geist. Sie erscheint nicht als strahlende Ikone, sondern wird zu einem Symbol für die Schattenseiten des Ruhms. Zugleich reflektierte Warhol mit dieser Neuinterpretation kritisch seine eigene Karriere. Indem er fast alle typischen Merkmale des Originalwerks auslöschte, zerstörte er all das, was ihn die Jahre zuvor so erfolgreich hatte werden lassen.

5. Die Shot Marilyn-Serie gilt als Meilenstein der Pop-Art

Die Shot Marilyns zählen heute zu Warhols bedeutendsten und auch bekanntesten Werken. Eine vergleichbare Popularität erlangten nur wenige seiner Arbeiten, etwa seine "Campbells"-Suppendosen oder das Porträt von Mao.

In der Kunstgeschichte gelten Warhols Hommagen an Monroe schon lange als Inbegriff der Kunst der Pop-Art, da sie viele ihrer typischen Merkmale auf sich vereinen. Die Pop-Art fand ihre Motive in alltäglichen Konsumgütern, unter Prominenten, in der Werbung, in Comics und in den Massenmedien.

Die Pop-Art-Künstlerinnen und -Künstler verfremdeten die Bildgegenstände, versetzten sie in neue Kontexte oder überzeichneten sie. Dahinter steckte der Gedanke, dass die Mechanismen der Medien- und Konsumgesellschaft hinterfragt werden sollten.

Gleichzeitig betrachteten Kunstschaffende wie Warhol die Kunst auch als Konsumartikel und produzierten und verkauften ihre Werke auf dem gleichen Wege wie Industrieprodukte. Eine serielle Produktion sollte es zudem ermöglichen, die Kunst erschwinglicher und damit einer breiteren Masse zugänglich zu machen.

Viele dieser Ideen finden sich auch in Warhols Marilyn wieder. Warhol widmete sich hier einer der prominentesten Persönlichkeiten des Amerika der 1950er- und 1960er-Jahre. Durch ihre Filme bekannt geworden, entwickelte sich Marilyn Monroe zum Sexsymbol und zum beliebten Gesicht der High Society. Mit der seriellen Wiederholung ihres Porträts entlarvte Warhol, was die Gesellschaft in Monroe offenkundig gesehen hatte – ein nett anzuschauendes Konsumobjekt.

6. Warhols "Shot Marilyn" in der Bildanalyse

Andy Warhol war ein Meister darin, Motive neu zu inszenieren und ihnen in unerwarteten Kontexten alternative Bedeutungen zu übertragen. Eine wichtige Rolle spielte dabei seine Art und Weise, die Bildobjekte zu manipulieren. Warhols Marilyn ist dafür ein repräsentatives Beispiel.

Die erste maßgebliche Veränderung bestand darin, dass er das Original des Fotos auf ein quadratisches Format von 101,6 x 101,6 cm beschnitt, sodass der Kopf Monroes den Bildrahmen fast vollständig ausfüllt.

Ebenso einschneidend waren die farblichen Manipulationen, die Warhol vornahm. Mit leuchtenden Farben setzte Warhol in Monroes Porträt einige Highlights:

  • Die Augenlider kolorierte er in Hellblau und die Frisur in einem unnatürlichen, hellen Gelb.
  • Besonders auffällig ist die Mundpartie. Die Lippen akzentuierte er in einem dunklen Rot. Dadurch strahlen die blendend weißen Zähne noch heller.
  • Alle diese Farbflächen zog er jeweils über die natürlichen Konturen hinaus. Die Farben dieser drei Gesichtspartien stehen zudem im Kontrast zum Rosa des übrigen Gesichts.

Mit diesen Mitteln überzeichnete er die typischen Merkmale von Schönheit und Erotik bis ins Groteske. Die Darstellung ohne jede Räumlichkeit lässt die Schauspielerin zudem sehr künstlich wirken – eben wie ein alltägliches Produkt der Konsumgesellschaft.

7. Warhols Shot Marilyns wurden zu Höchstpreisen verkauft

Warhol stellte die Shot Marilyns zwar als Serie her, sie wurden aber nie als solche verkauft. Vielmehr haben Shot Red Marilyn, Shot Orange Marilyn, Shot Light Blue Marilyn und Shot Sage Blue Marilyn jeweils eine ganz unterschiedliche Provenienz. Alle Gemälde hatten verschiedene Besitzer und wurden mehrfach auf Auktionen bzw. privat verkauft:

  • Shot Red Marilyn befand sich unter anderem im Besitz des berühmten Pop-Art-Künstlers Robert Rauschenberg und wurde 1989 in New York für rund 4 Millionen US-Dollar an einen privaten Käufer versteigert.
  • Die Version Shot Light Blue Marilyn wurde bereits 1967 vom Kunstsammler Peter Brant erworben und befindet sich immer noch in der Sammlung seiner Stiftung.
  • Das Shot Orange Marilyn hatte 1965 Warhols Galerist Leo Castelli für 1.800 US-Dollar gekauft. Später hatte es verschiedene Besitzer, zuletzt soll es privat für 240 Millionen US-Dollar verkauft worden sein.
  • Shot Sage Blue Marilyn gelangte nach mehreren Stationen in Amerika zum Schweizer Kunsthändler Thomas Ammann. Das Werk machte 2022 wieder Schlagzeilen, als es für 195 Millionen US-Dollar versteigert wurde.

8. Wo hängt Marilyn Monroe von Andy Warhol?

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Die vier Originale der Shot Marilyns befinden sich derzeit in Privatbesitz, ebenso die Version Turquoise Marilyn, die bei dem Anschlag von Dorothy Podbers verschont geblieben ist.

  • Shot Orange Marilyn erstand der Manager Kenneth C. Griffin.
  • Shot Light Blue Marilyn gehört zur Sammlung der Brant Foundation.
  • Shot Sage Blue Marilyn hatte der US-Kunsthändler Larry Gagosian ersteigert, wobei unklar ist, ob er im Auftrag eines anonymen Käufers gehandelt hat oder das Bild selbst behielt.
  • Shot Red Marilyn ging zuletzt an den griechischen Reeder Philip Niarchos.
  • Turqoise Marilyn befindet sich im Besitz des Unternehmers Steven A. Cohen.

Auch wenn die Shot Marilyns in privaten Händen sind, werden diese Werke immer mal wieder öffentlich ausgestellt. So war Shot Orange Marilyn schon mehrfach in Deutschland, u.a. im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, zu sehen. Auch Shot Sage Blue Marilyn wurde öfters ausgestellt, u.a. im Solomon R. Guggenheim Museum und im Centre Georges-Pompidou in Paris.

Auch andere Varianten von Warhols Marilyn Monroe sind hin und wieder öffentlich zugänglich. So befindet sich das nicht minder berühmte Marilyn Diptych in der Sammlung der Tate Gallery of Modern Art in London, das Museum of Modern Art in New York besitzt gleich 10 verschiedene Marilyns und das Metropolitan Museum of Art hat ein Reversal von 1967 im Bestand.

9. Shot Marilyn weist viele Parallelen zu anderen Werken Warhols auf

Die Werke mit dem Konterfei von Marilyn Monroe sind in mehrerlei Hinsicht typisch für Warhols Arbeit. Sowohl im künstlerischen Konzept als auch in der Ausführung weisen sie Parallelen zu einigen anderen Werken auf.

Wie viele andere Gemälde auch, stellte er die Shot Marilyns im Siebdruck her. Diese Technik hatte er sich angeeignet, um Bilder seriell produzieren zu können. Da er die Kunst als Konsumgut betrachtete, übertrug er folgerichtig die Methoden und Techniken der industriellen Fertigung auch auf seine eigene künstlerische Arbeit. Der Siebdruck ermöglichte es ihm, unzählige Abzüge eines Motivs zu erstellen.

Doch nicht nur bei der Herstellung seiner Werke, sondern auch bei der Bildgestaltung setzte er auf die Wiederholung. Häufig multiplizierte er das zentrale Motiv innerhalb eines Werks immer und immer wieder. So zu sehen zum Beispiel bei seinem "Marilyn Diptych", aber auch in Werken mit den "Campbells"-Suppendosen.

Charakteristisch für Warhols Marilyn ist außerdem eine ganz spezielle Form der Bearbeitung, die er ebenfalls öfter anwendete. Frisur, Lippen und Augenpartien betonte er in grellen Farben, die übrigen Gesichtszüge definierte er mit wenigen schwarzen Konturen, sodass sie kaum plastisch wirken.

Auf ähnliche Weise verfremdete er die Porträts anderer Prominenter wie Mao, Goethe, Ingrid Bergmann oder Liz Taylor. Auch die Fixierung auf prominente Persönlichkeiten zieht sich durch Warhols Werk. Viele davon galten zu Lebzeiten als Inbegriff von Schönheit und Anmut, zum Beispiel Models oder Schauspielerinnen. Warhol betrachtete sie ebenfalls als Konsumprodukte und inszenierte sie als solche in seinen Werken.

In Warhols Karriere fällt außerdem der Hang zu Tragödien und menschlichem Leid auf. Viele seiner Arbeiten thematisieren den Tod, wenn er etwa einen elektrischen Stuhl oder ein Foto von einem Flugzeugabsturz aufgriff. In dieses Schema passen auch seine Porträts von Marilyn Monroe, die er erstmals unmittelbar nach ihrem Suizid anfertigte.

10. Warhols Marylin Monroe – ein zeitloses Motiv, das bis heute populär ist

Andy Warhols Hommagen an die Hollywood-Ikone gehören heute immer noch zu den populärsten Kunstwerken aller Zeiten. Sei es Shot Marilyn, Marilyn Diptych oder die Reversal-Serien – Warhols Werke von Monroe symbolisieren nicht nur die Kunst der Pop-Art, sondern stellen Meilensteine der Kunst des 20. Jahrhunderts dar. Sie stehen sinnbildlich für den Aufbruch der zeitgenössischen Kunst der 1960er-Jahre.

Neue Techniken, neue Motive und ein progressives und modernes Kunstverständnis – all dies fasst die Serie der Shot Marilyns zusammen. Das Motiv von Warhols Marilyn sowie die Ästhetik und das Herstellungsverfahren inspirieren bis heute Künstlerinnen und Künstler. Unzählige Male wurde das Motiv zitiert, kopiert und auch parodiert.

So vermischte das Kunst-Phantom Banksy Warhols Marilyn mit den Gesichtszügen von Kate Moss. Auch der Street-Art-Künstler Mr. Brainwash griff das Original von Andy Warhol im Jahr 2016 für eine Hommage auf. Diese und ähnliche Werke belegen, wie beliebt Warhols Marilyn Monroe bis heute ist und dass die Faszination, die von ihr ausgeht, ungebrochen ist.

Ausgewählte Werke zu Marilyn Monroe

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